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| 19:29 Uhr

Theaterpremiere
Wie das Miteinander Farbe ins Leben bringt

Seine deutschsprachige Erstaufführung in der Bühnenfassung von Emma Broström erlebt heute, 19. Januar, das Stück ,,Das Mädchen von weither“ nach dem Kinderbuch von Annika Thor und Maria Jönsson.Es spiele das Mädchen  Lysann Schläfke., die Graue Sybille Böversen.
Seine deutschsprachige Erstaufführung in der Bühnenfassung von Emma Broström erlebt heute, 19. Januar, das Stück ,,Das Mädchen von weither“ nach dem Kinderbuch von Annika Thor und Maria Jönsson.Es spiele das Mädchen Lysann Schläfke., die Graue Sybille Böversen. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Poetische Inszenierung der Neuen Bühne Senftenberg wirbt um die jüngsten Zuschauer und gewinnt ihre Herzen. Von Heidrun Seidel

(hsd) Erwartungsvoll sitzen sie auf Kissen und Hockern in der kleinen Spielstätte Probebühne 3 der Neuen Bühne Senftenberg. Anna, Maximilian, Greta, Pia und die anderen Vier- und Fünfjährigen aus der Briesker Schlaumäuse-Kita der Lausitzer Bildungsträger gGmbH sind die ersten Zuschauer der neuen Inszenierung des Senftenberger Theaters. An diesem Vormittag sind sie zur Hauptprobe des Stückes „Das Mädchen von weither“ eingeladen.

Plötzlich öffnet sich die Tür und ein Mädchen mit roter Pudelmütze und Schnee auf der Bommel tritt in den Raum. Aufmerksam und hoch konzentriert beobachten die Schlaumäuse, was nun geschieht.

„Es ist wunderbar, dass wir in der Hauptprobe die Kinder zu Gast haben“, sagt Alexander Flache. Zum ersten Mal arbeitet er an der Neuen Bühne und ist Regisseur des Stückes, das heute als erste Inszenierung des Jahres 2018 Premiere haben wird. Die Reaktionen der Kinder zeigen, wie sie das Stück verstehen, wie sie es annehmen. „Dann können wir noch einige Dinge verändern“, sagt Flache.

In der Hauptprobe spielen die beiden Schauspielerinnen Sybille Böversen aus dem Theaterensemble und Lysann Schläfke, die als Gast für die Inszenierung verpflichtet ist, das Stück erst zum zweiten Mal hintereinander weg mit Kostümen, kompletter Ausstattung, begleitender Musik und allem, was sonst noch dazugehört. Noch mehrere Male gab es bis zur Premiere so einen Durchlauf, wie das die Theaterleute nennen; dazu Hinweise vom Intendanten; Schauspieler zeigen Klippen im Ablauf auf, Dramaturgin Johanna Müller, Ausstatterin Nora Bräuer und Theaterpädagogin Franziska Golk haken nach, Techniker und Inspizienten mischen mit, ehe sich schließlich der Vorhang öffnen kann.

Doch den gibt es bei diesem Theaterstück für die jüngsten Zuschauer nicht. Alexander Flache weiß um das besondere Fingerspitzengefühl, das Theater für ganz kleine Zuschauer fordert. So wird es beispielsweise nie ganz dunkel sein im Raum, werden Überraschungsmomente, die den Kindern Angst machen könnten, vermieden. „Sie sollen sich sicher fühlen in der für sie unbekannten Umgebung“, erklärt Flache. So können sie dem Geschehen neugierig, aber unbefangen folgen. Den ersten Zuschauern jedenfalls gelingt das bestens. Sie sind begeistert bei der Sache und wissen auch im Gespräch mit der Theaterpädagogin Franziska Golk nach der Vorstellung genau, wovon die Geschichte erzählt: von einem kleinen Mädchen, das ganz allein von weither gekommen ist und bei einer alten Frau Unterschlupf sucht. Diese lässt es zwar ein, schickt es aber auch wieder weg. „Das ist böse“, sind sich die Schlaumäuse einig und traurig. Aber
sie wissen auch, warum: Die alte Frau will allein sein, sie kennt es nicht anders.

Auf sehr berührende und poetische Weise erreicht die Geschichte von dem Mädchen in Rot und der Grauen die Kinder. Mitgefühl, füreinander da sein und gemeinsam statt einsam leben sind die Werte, von denen das Stück erzählt. Und davon, dass Miteinander auch mehr Farbe ins Leben bringt. Das spüren die jüngsten Theatergänger. Wer älter ist und selbst weiterdenken will, sieht die sensibel und unaufdringlich dargestellten Bezüge zu Kindern, die kein Zuhause mehr haben, ob durch Überschwemmungen, Erdbeben oder Krieg, sieht das Leid von Flüchtlingskindern, die alles verloren haben. Und er sieht auch im Gegenzug die bedrückende Einsamkeit von Erwachsenen, die sich in der Begegnung mit anderen öffnen und so ihr Leben bereichern können.

Emma Broström hat die Bühnenfassung des berührenden schwedischen Kinderbuchs „Das Mädchen von weit weg“ der Autorin Annika Thor mit Illustrationen von Maria Jönsson geschrieben. Nachdem es 2015 erstmals im schwedischen Växjö (unweit der Astrid-Lindgren-Heimat) auf die Bühne gekommen ist, zeigt Senftenberg jetzt auf eine sehr liebevolle und leise Weise in einem die Phantasie anregenden wunderbaren Bühnenbild, das an die Kinderbuch-Illustrationen anknüpft, die deutsche Erstaufführung.