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| 14:13 Uhr

Theater
Schulstress, Probenstress und trotzdem eine traumhafte Premiere

Ausgelassene Stimmung nach der gelungenen Premiere hinter der Bühne. Franziska Golk (M.), Regisseurin und Choreografin der Aufführung, ist froh und erleichtert, dass alles perfekt ablief. Auch Jessie Thieme (r.) ist erleichtert dass alles trotz Knieverletzung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne ging.
Ausgelassene Stimmung nach der gelungenen Premiere hinter der Bühne. Franziska Golk (M.), Regisseurin und Choreografin der Aufführung, ist froh und erleichtert, dass alles perfekt ablief. Auch Jessie Thieme (r.) ist erleichtert dass alles trotz Knieverletzung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne ging. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. „Wie Wirk(l)ich?“ begeistert die Zuschauer in der Neuen Bühne Senftenberg.

Bin ich das, was ich höre? Was ich sage, was ich denke – soll ich das sein? Fragen, die sich wohl schon jeder gestellt hat, der zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt. 15 junge Frauen aus Senftenberg, Großräschen und Schwarzheide, die dem Musicalensemble der Neuen Bühne Senftenberg angehören, sind dieser Frage in dem Stück „Wie Wirk(l)ich?“ am Samstag nachgegangen.

Die Premiere ist traumhaft gewesen. Dabei sah es nicht immer so aus: „Wir haben bei der Generalprobe ganz schön gepatzt“, rollt Charlott Riedel (17) mit den Augen. „Da hat sich die Theaterweisheit wieder mal bestätig“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

An einem merkwürdigen Ort treffen sich 15 Mädchen. Ist es ein Traum? Nichts hüpft oder flackert – also alles ganz logisch. Kneifen, Luft anhalten, das kann kein Traum sein! Und doch treffen die jungen Träumerinnen auf Spiegelwesen oder hören Sprachen die sie nicht verstehen. Unsicherheit aber auch Wohlbefinden. Monster in der Ecke, aber auch die Oma wiedersehen. Träume, die junge Menschen nun mal haben und über die sie reden wollen.

 Die Inszenierung von Franziska Golk (Regie, Choreografie) und Sven Irrgang (Regie, Musik) ist wohl die beste in der Reihe der erfolgreichen Inszenierungen des Jugendtheaters. Musik, Tanz und Multimediaeffekte lassen den Zuschauer den Atem anhalten. Wer kann schon mit dem Mond jonglieren oder einem Hai am Bauch streicheln – doch, man kann, wenn man träumt. Franziska Golk, die hauptberuflich als Theaterpädagogin an der Neuen Bühne tätig ist, hat für die Genrevielfalt im Stück eine eigene Bezeichnung gefunden: „Ich nenne es multidisziplinäres Theater“, prägt sie vielleicht eine neue Theatersparte.

Ein Jahr lang haben die Akteure an dem Stück gearbeitet. Am Anfang stand die Idee: „Wir machen das immer gemeinsam“, beschreibt Franziska Golk die Ideenfindung. „Die Mädchen traten an uns heran und wollten mal etwas über ihre Träume machen.“ Dann folgte ein Jahr mit intensivem Schreiben, Singen, Testen und Proben. Wie intensiv die Arbeit an so einem Projekt ist, zeigt, dass sogar Sven Irrgang im Auto an Textzeilen arbeitete. Zweimal in der Woche wurde im Vorfeld geprobt. In der Woche vor der Premiere ging es dann zur Sache: „Wir hatten jeden Tag bis zu vier Stunden Probe, das war schon hart“, schnauft Lillie Schmidt (13) aus Schwarzheide nach der Premiere durch. Eltern und Verwandte mussten sich in der Woche einiges mit ansehen: „Unser Wohnzimmer wurde kurzfristig zur Theaterbühne“, sagen Antje und Steffen Kaergel lachend, Tante und Onkel der 13-Jährigen.

Wie verwurzelt die 15 Akteurinnen mit dem Stück sind, zeigt auch der Umstand, dass trotz Sportverletzung die Bühnenpräsenz nicht aufgegeben wurde. Lilly Jäkel tanzte und sang mit einer Fixierung am Sprunggelenk und Jessie Thieme (15) aus Schwarzheide bewegte sich, trotz schmerzhafter Sportverletzung am Knie, traumhaft sicher auf der Bühne: „Ich habe dann mehr die Sprech- und Gesangsrolle übernommen und meine Schwester übernahm den Tanz“, sagt sie etwas gequält lächelnd. Zum Glück war ihre Schwester Lenie Thieme (14) von Anfang an mit dabei. „Wir sind wohl die erste Inszenierung an der Neuen Bühne mit permanenter Physiotherapeutin gewesen“, scherzt Sven Irrgang. Johanna Grauer (16) aus Großrä­schen hatte während der letzten Proben auch noch Prüfungsstress zu verkraften „Die Prüfungen der 10. Klasse forderten mich schon sehr“, gibt die Schülerin der Friedrich-Hoffmann-Oberschule Großräschen zu.

Dass der Beifall der Lohn des Künstlers ist, zeigte sich am Premierensamstag ganz deutlich. Szenenapplaus und lang anhaltende Ovationen am Ende des Stückes ließen die Gesichter der jungen Schauspielerinnen strahlen. Und sie hatten es auch verdient. Die Stimme von Ella Josefine Hänel beeindruckte, die Harmonie in der Bewegung von Charlott Riedel im Traumvideo oder die starke Bühnenpräsenz von Aline Gleixner, denen man Bewunderung zollen muss. Jede der 15 jungen Frauen ist bemerkenswert gewesen. Diese  Inszenierung verdient es bei jeder Aufführung ein ausverkauftes Haus zu haben. Vielleicht sieht der neue Spielplan noch einige Aufführung vor. Es wäre zu wünschen, denn mal ehrlich – träumen wir nicht alle?

Weitere Aufführungen:
1. 5.15 Uhr
2. 5.10 Uhr
1. 6.19.30 Uhr