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| 14:42 Uhr

Theater
Nibelungen sorgen für Redebedarf

Senftenberg. Nach dem Spektakel wartet die Neue Bühne Senftenberg mit drei Premieren auf. Von Heidrun Seidel

Das Spektakel des Jahres an der Neuen Bühne Senftenberg ist vorbei. Nach elf Vorstellungen ist der aus Blut, Mord und Rache im Europa der Nibelungen angesiedelte Spielzeitauftakt zu Ende gegangen. Es war das vierte Spektakel unter der Intendanz von Manuel Soubeyrand, mit dem das jetzt ins 72. Jahr gehende Senftenberger Haus in aufwendig ausgestatteten Theaternächten auf sich aufmerksam gemacht hat.

Mit drei unterschiedlichen Handschriften für die theatralische Umsetzung der Hebbelschen Variante der Nibelungensage haben die Regisseure Jan Mixsa, Sandrine Hutinet und Tilo Esche dem Publikum ein anspruchsvolles, aber dennoch  unterhaltsames Angebot unterbreitet. Ob es dabei in der Gesamtheit immer dem erwarteten Spektakel-Charakter gerecht geworden ist oder die ernsthafte Anregung zur inhaltlichen Auseinandersetzung überwog, wird jeder Zuschauer für sich entschieden haben.

Für Chefdramaturgin Katja Stoppa jedenfalls ist der politische Diskurs, in den sich Theater einbringt, unverzichtbar. „Wir wollen politisch Marken setzen.“ Die Zuschauer sollten selbst denken und daraus Schlussfolgerungen für ihr Handeln ziehen.  Im durchaus brachialen Nibelungen-Thema spielen die Warnung vor Kriegen, in denen letztlich alle untergehen, eine Rolle, wie auch die Frage, wie eine Gesellschaft entsteht und gelenkt werden kann oder wie falsche und unkritische Treue in die Katastrophe führen. So weist der historische Stoff geradewegs in die Gegenwart und gibt Anstoß zu Diskussionen über heutiges politisches Handeln. „Mir ist aufgefallen, dass in den Pausen rege zum Thema diskutiert worden ist“, sagt Katja Stoppa und berichtet auch von Mails, in denen ihr geschrieben wurde, es gäbe noch „Redebedarf“. Schon der Untertitel „Im Europa der Nibelungen“ regt angesichts der aktuellen politischen Situation zur Debatte an, wie Europa mit- statt gegeneinander  Zukunft leben will. Ob es nötig oder überhaupt möglich ist, sich mit dem Publikum zum Stück auszutauschen und welche Form dafür geeignet sein könnte, wird in der Neuen Bühne  bei der Auswertung des diesjährigen Spektakels noch zu besprechen sein.

Fest steht nach dem Abschluss auf jeden Fall: 1976 Besucher haben sich die Theaternächte gegönnt. Sie sind nicht nur aus Senftenberg und der Umgebung gekommen, sondern auch aus Berlin, Dresden, Leipzig oder weiter her. „Ich habe in vielen Gesprächen die Anerkennung dafür erfahren, was unser kleines Haus auf die Beine stellt“, berichtet Verwaltungschefin Christa Mahl. Besonders der Aufwand für Bühnenbild, Kostüme, für die Umfeldgestaltung wie beispielsweise den aufgebauten Wald zur Begrüßung oder die unterschiedlichen und bis ins kleinste Detail liebevollen Ausstattungen von Foyer und zu Gasträumen umfunktionierten Bühnen-Räumen seien von vielen Gästen mit Erstaunen wahrgenommen und gewürdigt worden.

Allerdings haben Glückauf-Feste und Spektakel in der Vergangenheit durchaus auch schon 3000 oder wie bei „Jedermann“ 2011 gar über 4600 Besucher gesehen. Und auch in der überregionalen öffentlichen Theaterkritik sind Senftenberger Premieren und besonders die Spielzeit-Auftakte schon deutlicher zur Kenntnis genommen worden. Zwar haben es zeitgleiche Premieren an großen Häusern wie beispielsweise in Dresden und Cottbus den Senftenbergern nicht leicht gemacht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dennoch waren auch die eigenen Werbetrommeln wohl etwas zaghaft gerührt worden. Schade auch, dass es nicht gelungen ist, für die traditionelle Studenten-Vorstellung Interessenten zu finden und sie ausfallen musste.  Mit knapp 75 Prozent Auslastung bleibt das Spektakel dennoch im Schnitt des Jahres-Auslastungsgrades kleinerer und mittlerer Theater.

Auf jeden Fall, so Christa Mahl und Katja Stoppa, ist nach dem Spektakel  vor dem Spektakel: Auch 2018 soll die Spielzeit wieder mit dem traditionellen Theaterfest eröffnet werden. „Es ist so fest in der Region verankert, dass es die Leute schon immer mit Spannung erwarten“, sagt die Verwaltungschefin. „Und das nächste soll noch zauberhafter werden“, verspricht die Chefdramaturgin, will aber nicht mehr verraten.