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Neue Bühne Senftenberg
Theatervertrag bringt endlich wieder Musik ins Senftenberger Haus

Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield vom Senftenberger Theater-Ensemble haben Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt) im Rahmen des Konzert- und Theaterverbundes in Brandenburg bereits  auf eine andere als die eigene Bühne gebracht. Zur Freude der Lausitzer beschert die Kooperation dem kleinen Haus im Lausitzer Seenland jetzt eine neue Konzertreihe. 24 Jahre nach Auflösung der Sparte Musiktheater in Senftenberg.
Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield vom Senftenberger Theater-Ensemble haben Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt) im Rahmen des Konzert- und Theaterverbundes in Brandenburg bereits auf eine andere als die eigene Bühne gebracht. Zur Freude der Lausitzer beschert die Kooperation dem kleinen Haus im Lausitzer Seenland jetzt eine neue Konzertreihe. 24 Jahre nach Auflösung der Sparte Musiktheater in Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche / Rasche Steffen/Theater
Senftenberg. Neue Bühne Senftenberg lädt mit „Variationen“ 24 Jahre nach Auflösung der Sparte Musiktheater wieder zu einer Konzertreihe ein. Die neue Kooperation im Brandenburger Theater- und Konzertverbund macht’s möglich. Von Heidrun Seidel

Mit „Variationen I“ werden nun, 24 Jahre nachdem die Sparte Musiktheater aufgelöst werden musste, in der Neuen Bühne Senftenberg wieder regelmäßig Konzerte angeboten. Möglich wird die zunächst aus vier Veranstaltungen bestehende Reihe „Variationen“, die auch im Abonnement gebucht werden kann, vor allem durch die Mitgliedschaft des Senftenberger Theaters im Brandenburger Theater- und Konzertverbund. Dadurch können Konzerte der Verbundmitglieder „Brandenburger Symphoniker“ aus der Stadt Brandenburg und „Brandenburgisches Staatsorchester“ aus Frankfurt/Oder den Senftenberger Spielplan.

Die aktuelle Spielzeit ist die erste der Neuen Bühne, in der die Mitgliedschaft im Theater- und Konzertverbund für die Zuschauer spürbar wird. Gemeinsam mit den Uckermärkischen Bühnen Schwedt waren die Senftenberger zu Jahresbeginn in den bereits seit 1999 bestehenden Verbund aufgenommen worden. Bisher hatten bereits das Hans-Otto-Theater Potsdam einschließlich der Spielstätte Nikolaisaal, die Brandenburger Symphoniker aus Brandenburg/Havel, das Kleist-Forum Frankfurt/Oder mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und das Staatstheater Cottbus mit seinem Musiktheater als assoziiertes Mitglied zusammengearbeitet. Die Erweiterung des Theater- und Konzertverbundes sei, so Stephan Breiding, Sprecher des Brandenburger Kulturministeriums, Teil eines großen Umstrukturierungsprozesses im Land und Teil der Aufgabe, der demografischen Entwicklung gerecht zu werden. Dabei handele es nicht um ein Sparmodell. Vielmehr werde Ziel verfolgt, die kulturellen Leuchttürme zu sichern und weiterzuentwickeln. So werden die Theater und Orchester Inszenierungen austauschen und den Zuschauern zusätzliche Angebote unterbreiten und den Spielplan bereichern können. Das zeige sich besonders in Sparten, die nicht mehr vor Ort zur Verfügung stehen. So wie die Konzertreihe in der Neuen Bühne Senftenberg werden Theater ohne eigenes Schauspiel-Ensemble in Brandenburg und Frankfurt/Oder mit den Gastspielen ihrer Partner ihr Angebot erweitern können. Außerdem können die zur Verfügung stehenden Mittel wirksamer eingesetzt werden, indem Inszenierungen, für die die finanzielle Kraft nicht reicht, eingekauft werden können.

Für die Senftenberger Zuschauer heißt das neben den drei Konzerten in der Reihe, die im Austausch mit den Verbundpartnern stattfinden, dass auch Inszenierungen aus Schwedt im ersten Halbjahr 2018 auf der Hauptbühne und im Amphitheater Großkoschen zu sehen sein werden. Mit „Max und Moritz“ hatten die Schwedter schon im vergangenen Sommerprogramm am Senftenberger See eine Kostprobe abgeliefert und bei den Amphi-Gästen Beifall gefunden. Senftenberger Schauspieler werden auch nach Schwedt fahren, so wie sie am 15. November bereits im Großen Haus des Brandenburger Theaters im Cultur-Congress-Centrum mit „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ gastieren.

Dass diese Form der Zusammenarbeit noch am Anfang steht, räumt Verwaltungsleiterin Christa Mahl ein. „Es ist nicht leicht, diesen Austausch zu organisieren. Das muss sich erst einspielen.“ Schließlich sind Vorstellungen im eigenen Haus, Gastspiele in der Region, die Probenarbeit des mit 17 Mitgliedern relativ kleinen Schauspiel-Ensembles mit großem Repertoire und die technische Umsetzung vom Transport bis Bühnenaufbau, Beleuchtung, Ton, Maske und Kostümen unter einen Hut zu bringen. Das ist eine organisatorische Herausforderung auch für die künstlerischen Betriebsbüros der Verbundpartner, ebenso wie an eine langfristige Planung. Schließlich sollen die gegenseitigen Gastspiele nicht nur gegenüber dem Land als „abgerechnet“ gelten, sondern den Zuschauern tatsächlich einen zusätzlichen kulturellen Mehrwert geben, sie von den Stärken und Besonderheiten der Partner profitieren lassen.

Das erhofft sich das Kulturministerium auch aus einer weiteren Strukturveränderung, der im September verkündeten Gründung der beiden Landesbühnen, die im Norden die Uckermärkischen Bühnen Schwedt und im Süden die Neue Bühne Senftenberg werden sollen. Unterstützt mit 120 000 Euro in diesem und 260 000 Euro im Jahr 2018 sollen sie der „kulturellen Teilhabe vor Ort, Bewahrung regionaler Identität und Stärkung des Kulturtourismus dienen“, so Ministerin Martina Münch. Konkret heißt das: Die Inszenierungen der Theater sollen künftig auch vor Ort in den Kulturhäusern, Gaststätten oder auf Freilichtbühnen in Städten und Gemeinden der Region zu sehen sein.

Das ist für die Senftenberger durchaus kein Neuland. Bereits in den 60er- und 70er-Jahren haben die Ensembles in den Kommunen gespielt. „Abstecher“ nannten sie die zahlreichen Gastspiele in Hoyerswerda, Großräschen und Finsterwalde. Inzwischen allerdings gibt es viele der damaligen Auftrittsorte gar nicht mehr, oder sie sind nicht mehr für Theatervorstellungen geeignet. Da fehlen nicht nur die geeigneten Bühnen oder Künstlergarderoben, selbst Toiletten sind oft nicht vorhanden. Aber es gibt durchaus in vielen Städten und Gemeinden den Wunsch nach Theater-Aufführungen im eigenen Ort. Der soll nun in Zusammenarbeit mit den Gemeinden wieder durch die Landesbühnen erfüllt werden können. „Wir werden sowohl Technik und Mobilität als auch Personal in den nächsten Jahren dafür aufbauen“, sagt Neue-Bühne-Verwaltungschefin Mahl. Die Kommunen müssten ihrerseits die Spielstätten herrichten. Ob das mit einem Landesförderprogramm unterstützt werden kann, kann Ministeriumssprecher Breiding noch nicht versprechen. In der nächsten Spielzeit aber, so hofft Christa Mahl, werden mehr Gastspiele in den Kommunen als bisher im Spielplan stehen können.