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| 21:00 Uhr

Neue Schau
Das Wunder im Kleinen

Christine Przybilski (r.) und Jenny Linke vor dem mehrteiligen Objekt „Zeit, Zeit“ (2016 – 2018).
Christine Przybilski (r.) und Jenny Linke vor dem mehrteiligen Objekt „Zeit, Zeit“ (2016 – 2018). FOTO: Jürgen Weser
Senftenberg. Kunstsammlung Lausitz zeigt im Senftenberger Schloss Schmuck- und Metallgestaltung von Christine Przybilski. Von Jürgen Weser

Die neue Sonderausstellung der Kunstsammlung Lausitz zeigt im Senftenberger Schloss unter dem Motto „Nichts ist mir zu klein“ mehr als einhundert Skulpturen, Assemblagen und detailreiche Schmuckstücke der Senftenberger Künstlerin Christine Przybilski bis zum 24. Juni. Im Rahmen der neuen und vom Publikum gut angenommenen Reihe „KSL open“ gab es zur Vernissage neben der Laudatio von Kurator Bernd Gork Musik auf dem Stahlcello und Obertongesang von Jan Heinke sowie Christine Przybilski im Kunstgespräch mit der wissenschaftlichen Museumsmitarbeiterin Christiane Meister.

Das Motto „Nichts ist mir zu klein“ hat die gelernte Kunstschmiedin und studierte Diplom-Designerin an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm von einem Text des von ihr verehrten Lyrikers Rainer Maria Rilke auf ihre Arbeit bezogen, denn das beschriebene Wunder im Kleinen erschafft Christine Przybilski seit Jahren mit großer und immer wieder neuer Experimentierfreude aus vielfältigen Materialien.

Wer die Ausstellung gründlich auf sich wirken lässt, staunt über viele kleine und auch größere Wunder, die natürlich keine Wunder, sondern Ergebnisse ihrer aus der Natur und der Literatur inspirierten und mit kreativem Können produzierten Arbeit sind.

Als „Experimente wagen“ beschreibt Bernd Gork das Grundprinzip des künstlerischen Schaffensprozesses von Christine Przybilski. Dabei fällt vor allem ihre reduzierte Formensprache auf, die trotzdem detailreiche und verblüffende Kombinationen zwischen den Materialien und Formfindungen kreiert.

So vereinigen Halsschmuck und Anstecker, gefertigt als Walz- und Treibarbeiten, Koralle, Silber und Gold, ist der „Beflügelte“ Schulterschmuck, montiert aus Silber und Elfenbein, und filigrane Schmuckstücke aus Ebenholz und Silber zeigen, es will „Alles Spiel“ sein.

Die Kombinationen und Formfindungen bei Przybilskis Schmuckarbeiten sind vielfältig wie der fantasievolle Umgang mit den unterschiedlichsten Materialien von Gold, Silber und Titan bis zu Aluminium, Kupfer und Eisen, die, gegossen, geschmiedet, gebogen, gewalzt, gesägt und montiert, mit Edel- und Halbedelsteinen kombiniert, trotzdem eine zum Beispiel an Bauhaustraditionen orientierte strenge Formensprache erkennen lassen. Klein kommt nicht nur Schmuck, sondern auch filigrane Darstellungen wie „Klein Marga“ als Schleuderguss, montiert mit Eisen und Silber, daher.

In der Ausstellung kommen nicht nur Schmuckliebhaber, die zur Vernissage zahlreich vertreten waren, auf ihre Kosten. Collagen, Assemblagen und Objekte, vielfach in den letzten Jahren entstanden, belegen Christine Przybilskis Faible für das künstlerische Gestalten im Bereich der freien Kunst. So kommen die Assemblagen „Gitter und Netz“ aus Aluminium, Titan und Kupfer als verführerische figürliche Erscheinungen daher, die mehrteilige Objektreihe „Zeit, Zeit“ von 2016 – 18 aus Alu, Eisenblech und Stahlfedern und mit fluoreszierendem Acryl bemalt, vermittelt den Eindruck moderner Malerei. „Märchenhaftes auf Filz“ verführt im Materialmix zum Hinschauen.

Gleichzeitig ruft die Senftenbergerin, die seit 1997 hier freischaffend ihre Werkstatt und ihr Geschäft „Schmuck und Galerie“ betreibt, Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler, der GEDOK und im Brandenburgischen Verband Bildender Künstler ist und der Künstlergruppe 2007 seit ihrer Gründung angehört, mit ihren Objekten aktuelle „Zeit“probleme ins Gedächtnis.

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten“, schrieb Hilde Domin. Die von diesen Zeilen inspirierten metallischen Vögel Christine Przybilskis schweben in der Ausstellung durch die Lüfte. Sie will weiter tatkräftig diese Hand ergreifen, machte das Künstlergespräch zur Vernissage deutlich.

Eine Offene Schmuckwerkstatt gibt es am 6. Mai von 14 bis 16 Uhr für Kinder ab zehn Jahren mit Schmuckdesignerin Christine Przybilski.