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Reformationstag
Ortrander sind zu Gast bei Luthers

Ortrand. Heimatverein und Kirchengemeinde pflanzen auch feierlich einen Apfelbaum.

Gestern vor genau 500 Jahren nagelte Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberg. Aus diesem Anlass wurde überall in der Republik daran gedacht. Auch in Ortrand. Hier erhielten die Kirchenbesucher beim Festgottesdienst im Rahmen des kleinen Theaterstückes „ Zu Besuch bei den Luthers“ einen kleinen Einblick in die Familie Luther. Demnach soll Martin Luther einmal gesagt haben „ Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Und so wurde nach dem Festgottesdienst auf dem Stadthaag ein Apfelbaum gepflanzt. „In Erinnerung an die Reformationsgeschichte und an Luther, möchte der Heimatverein gemeinsam mit der Kirchengemeinde Ortrand hier ein Apfelbaum pflanzen“, sagte Heimatvereinsvorsitzender Danny Duismann.
Vor genau 100 Jahren, im Jahre 1917 aus Anlass der 400jährigen Revolution, gedachte der Ortrander Heimatverein schon damals an den Reformator. Mit einen zwei Meter hohen und 600 Reichsmark teuren Gedenkstein aus roten Meißner Granit, welcher von Pfarrer Brause damals in einem Dankgottesdienst eingeweiht wurde. Nach Worten von Heimatvereinsvorsitzender Danny Diusmann, hat die Region mit dem großen Reformator wenig zu tun. 1536 befahl Herzog Georg von Sachsen, dass sich der Ortrander Pfarrer Bartholomäus (Caspari) wegen ungebührlichen Verhaltens beim Reichen des Sakraments bei Bischof Johann VII. von Meißen vorzustellen hätte. Da bei der Visitation im August 1539 Johannes Goren als altgläubiger Pfarrer erschien, muss Bartholomäus abgesetzt worden sein. Die Reformation wurde in Ortrand wie in den anderen Orten des Meißnischen Kreises nach dem Tod Herzog Georgs durch seinen Bruder Heinrich zu Sachsen 1539 eingeführt. „Der altgediente Ortrander Pfarrer Johannes Goren soll demnach freiwillig resigniert haben. Erster evangelischer Pfarrer wurde Simon Haferitz“, so Duismann in seiner kurzen Ansprache weiter. In der Reformationsgeschichte traf man Simon Haferitz 1523 als Amtsgenosse des Thomas Müntzer in Allstedt an. 1524 verwirft er die Kindertaufe und den bloßen Bibel- und Autoritätsglauben, aber zu Gewalttätigkeiten ruft er nicht auf. Durch die Distanzierung von Müntzer bekam er Unterstützung von Luther, was ihm letztlich zur Pfarrstelle in Ortrand verhielf.

In der Bibel stand der Apfelbaum im Paradies und ist Sinnbild für die Verführung. „Bei Luther wird der Apfelbaum zu einem Zeichen der Hoffnung. Das ist ebenfalls eine schöne Botschaft zwischen den Zeilen“, meint Heimatvereinsvorsitzender Danny Duismann. (sam1)

(sam)