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| 19:45 Uhr

Nach 70 Jahren:
Kroppener Schloss ist wieder präsent

So sah das Kroppener Schloss einst aus. Auf der Wiese direkt hinter dem Kunstwerk befand sich einst das Original. Künstler Peter Scholte-Reh orientierte sich an alten Bildern und Fotos.
So sah das Kroppener Schloss einst aus. Auf der Wiese direkt hinter dem Kunstwerk befand sich einst das Original. Künstler Peter Scholte-Reh orientierte sich an alten Bildern und Fotos. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Kroppen. Vor 70 Jahren wurde das Herrenhaus im Kroppener Park abgerissen. Jetzt steht es als Kunstwerk wieder da. Von Torsten Richter-Zippack

Seit rund einem Jahr ist das Kroppener Schloss wieder am alten Standort präsent. Zwar nicht als Gebäude, dafür aber als farbiges Halbrelief-Bild auf dicken Holzbohlen. Das Kunstwerk im Eingangsbereich des Landschaftsparks an der Pulsnitz trägt die Initialen des Künstlers Peter Scholte-Reh. Die Idee und der Auftrag kamen direkt aus dem Dorf sowie vom örtlichen Kirchbauverein. Ziel ist, an das einst historisch wichtige Gebäude mit seiner traurigen Abrissgeschichte zu erinnern.

„Das Schloss war immer Bestandteil des Parks. Es ist gut, dass es jetzt wieder sichtbar ist“, sagt Gemeinderat und Mitglied des Kirchbauvereins, Hans Dietzel. Der Lehrer im Ruhestand berichtet von vielen Besuchern, die von Scholte-Rehs Kunstwerk begeistert seien. Nicht zuletzt sei das einst vierflügelige und zweistöckige Ensemble aus dem Jahr 1679 besonders für die alteingesessenen Kroppener ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Ortsbildes. Das bestätigt auch Peter Scholte-Reh: „Die Einheimischen freuen sich über das Bild, seine farbige Gestaltung und die kleinen Details, die es enthält.“ Immer wieder würden sich die Kroppener die alten Geschichten rund um das Schloss erzählen. Kaum jemand könne es heute noch nachvollziehen, dass das Gebäude im Jahr 1948 einfach aus dem Park verschwand. Ursache bildete damals eine Verfügung des Hoyerswerdaer Landrates. Nach dieser mussten Schlösser und Herrenhäuser aus ideologischen Gründen verschwinden. Ebenso wie Kroppen erging es auch dem Ensemble in Guteborn, das am 8. August 1948 gesprengt worden war.

In Kroppen hatte der Abriss bereits im Januar 1948 begonnen. Im Sommer erfolgte dann die Sprengung. Zeitzeuge Manfred Hain (82) erinnert sich: „Den Leuten wurde gesagt, sie sollen nicht vor die Tür gehen, es würde drei Mal knallen.“ Hain hatte mitgeholfen, in einen Teil des Schlosses Schulmöbel einzuräumen. Denn die Dorfschule bot aufgrund der vielen Flüchtlingskinder aus den Ostgebieten nicht mehr genügend Platz. Hain war mit seiner Familie selbst aus dem Osten in die Pulsnitzgemeinde gekommen. Zudem plante eine Dresdner Brauerei, in dem Ensemble ein Betriebsferienheim einzurichten.

„Von der Sprengung wussten die Kroppener nichts. Die damaligen Machthaber taten so, als würden sie Gutes tun. Letztlich sollte vieles wiederverwendet werden. Bis heute gibt es Nachweise, wo welche Steine gelandet sind und was mit dem Parkett aus dem Schlosssaal geworden ist“, sagt Hain. Das Bild von Peter Scholte-Reh habe er sich schon mehrfach angesehen. „Erstaunlich ist die Detailtreue“, lobt der ehemalige technische Angestellte im Ruhlander Stahlbau, der seit 73 Jahren in Kroppen lebt. „Noch besser wäre es aber, wenn unser Schloss noch im Original stünde.“ Mehr noch: „Mir ist im Dorf heute keiner bekannt, der zum Schlossabriss steht.“ Stattdessen fragen die Leute nach wie vor, warum diese Kulturbarbarei geschehen musste.