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| 18:18 Uhr

Kroppener Park ein schwerer Brocken

Der Kroppener Park, den die Pulsnitz durchfließt, soll nach historischem Vorbild auf Vordermann gebracht werden.
Der Kroppener Park, den die Pulsnitz durchfließt, soll nach historischem Vorbild auf Vordermann gebracht werden. FOTO: Steffen Rasche/str1
Kroppen. Kroppen setzt für die Rettung des Petzold-Parkes jetzt auf Experten-Rat. Korrekt genehmigt ist unter vielen Herren in die grüne Idylle eingegriffen worden. Die Vetschauer Landschaftsplanerin Susann Richter soll's nun wieder richten helfen. Und das ist auch ein harter bürokratischer Brocken. Kathleen Weser

Die Gemeinde Kroppen will für den Park ein Förderpaket schnüren. Aus den europäischen Töpfen der ländlichen Entwicklung sollen etwa 200 000 Euro fließen. Das hat das Amt Ortrand beantragt. Schon im Januar werden die Würfel der lokalen Entscheider im Wirtschaftsraum Schraden fallen. Das hat Amtsdirektor Kersten Sickert während der jüngsten Sitzung der Kroppener Gemeindevertreter am Dienstagabend angekündigt.

Landschaftsplanerin Susann Richter, das Kroppener Parkaktiv und die Ortsvertreter haben nun in Klausur dazu getagt, wie der alte Park in der Pulsnitz-Niederung konkret auf Vordermann gebracht werden soll. Und das ist viel Arbeit und auch ein gewaltiger bürokratischer Akt. Denn der vom Pückler-Schüler Eduard Petzold erschaffene Park liegt in einem Naturschutzgebiet europäischer Dimension (Flora-Hauna-Habitat-Richtlinie), steht unter Denkmalschutz und wird von der Pulsnitz durchkreuzt. Für Eingriffe in die Parklandschaft gelten damit auch strenge Vorschriften des Hochwasserschutzes. Das Ziel, das historische Bild der einmaligen Parklandschaft wieder herzustellen und zu erhalten, ist daher schwer anzupeilen. Schon die gewünschte Entschlammung des großen Teiches zieht sofort die Frage des Naturschutzes nach dem zerstörerischen Einfluss auf besonders geschützte Tiere und Pflanzen nach sich. Die Parkwege sollen so schmal sein, dass sie durch motorisierte Fahrer auf Irrwegen künftig nicht mehr nutzbar sind. Gleichzeitig müssen sie aber auch so breit bleiben, dass die Pfade einen barrierefreien Zugang zum Zentrum des Dorflebens um das liebevoll restaurierte Fachwerkhaus gewähren. Eine allgemeine Krankheit im Kroppener Park ist: In den vergangenen Jahren sind viele Neupflanzungen ohne Abstimmung mit der Landesdenkmalbehörde völlig falsch erfolgt. Das hat Gartendenkmalpfleger Alexander Niemann kritisiert. Die Wiesenraum-Komposition des Parks sei damit systematisch weiter zerstört worden. Jetzt sollen die jungen Bäume versetzt werden und Frühblüher den Verlauf der Pulsnitz vor deren Begradigung kenntlich machen.

Den Kroppenern liegt zudem besonders am Herzen, die Konturen des abgerissenen Schlosses wieder erlebbar zu machen. Aber die Prioritäten für den Kroppener Park zu setzen, fällt den Ortsvertretern alles andere als leicht. Jetzt müssen die Behörden an den Tisch.

Kommentar: Korrigierter Kurs ist richtig

Zum Thema:
Die Lebenserinnerungen von Eduard Petzold (1815 bis 1891) belegen, dass der Kroppener Park vom Meisterschüler des berühmten Parkschöpfers Fürst Herrmann Pückler-Muskau selbst geplant worden ist. Vermutlich in den Jahren 1884/85. Unterlagen aus der Zeit sind rar. Vermutlich sind diese beim Brand des Gutes im Jahr 1945 vernichtet worden. Der Gartenkünstler Petzold hat auch den Schlosspark Altdöbern erschaffen. Das Kroppener Schloss ist im Jahr 1948 auf Befehl des Landrates von Hoyerswerda gesprengt und abgetragen worden. Haubold von Miltitz, der im 17. Jahrhundert die Heinersdorfer Flur beiderseits der Pulsnitz erworben hatte, gilt als Erbauer des zweigeschossigen Vierflügelbaus mit Brauersteich und Ziergarten. 1855 kaufte Graf August von Bohlen das Schloss, ließ es restaurieren und den Park von Eduard Petzold anlegen. Den Kellerberg, auf dem 1715 das Kellerhaus (heute Fachwerkhaus) errichtet wurde, geht auf den Grafen von Werthern zurück. Die tiefsten und unheilbaren Wunden sind der Kroppener Parklandschaft durch mehrere Begradigungen der Pulsnitz zugefügt worden. Die wasserbautechnische Anlage wurde erst in den 70er-Jahren völlig zerstört. Durch das Aufschütten der großen Parkwiese ist außerdem ein einmalig geschlossener Orchideenstandort verschwunden.