ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:15 Uhr

Kroppen
Das Naturschutzgebiet Pulsnitz vermüllt

Hier besichtigen Norbert Herrn und Eva-Maria Hein den Pulsnitzlauf zwischen Kroppen und Ortrand. Solch naturnahe Fließgewässer sind im OSL-Kreis nur noch selten zu finden.
Hier besichtigen Norbert Herrn und Eva-Maria Hein den Pulsnitzlauf zwischen Kroppen und Ortrand. Solch naturnahe Fließgewässer sind im OSL-Kreis nur noch selten zu finden. FOTO: Richter-Zippack
Kroppen. Ärger gibt es an der Pulsnitz bei Kroppen. Unrat und Wasserpumpen bedrohen das Naturidyll. Von Torsten Richter-Zippack

Uralte Eichen, Erlen und Ulmen, jüngere Ahorne, Holunder sowie Pfaffenhütchen wachsen links und rechts der Pulsnitz. Der Fluss selbst präsentiert sich gewunden, Fachleute sprechen von Mäandrierung. Es gibt flache Sandbänke und tiefe Kolke, Steilufer und umgestürzte Bäume. Kein Wunder, dass dieses knapp 19 Hektar große Areal entlang der Pulsnitz zwischen Kroppen und Ortrand bereits im Jahr 1981 durch den damaligen Bezirk Cottbus als Naturschutzgebiet erklärt wurde. Doch die Idylle ist bedroht. Und zwar durch Müllablagerungen am und im Wasser. Wer unmittelbar am Ortsausgang Kroppen in die Pulsnitz schaut, sieht neben alten Autoreifen, Holzbalken und diversem Grünschnitt auch Asbestplattenreste. „Das ist eine richtige Sauerei“, schimpft Ute Wachtel von der Naturschutzbehörde des OSL-Kreises. „Manche Leute sind einfach unbelehrbar“, sagt auch René Zernick vom Ortrander Ordnungsamt. Gerade, was auch Grünabfälle angeht, könne er nicht nachvollziehen, warum dieses Material ausgerechnet an den Flussufern abgelagert werden müsse. Zumal es in der Ortrander Region die Möglichkeit gebe, das Grünzeug kostengünstig zu entsorgen.

Längst dient nicht nur das NSG Pulsnitz als illegale Müllkippe. In einem Graben in Lindenau, so berichtet René Zernick, habe jemand Dachziegel entsorgt. Im Wald unweit Kroppen seien die Ordnungshüter auf Asbestplatten gestoßen. Und an der Pulsnitzbrücke in Ortrand nahe der Bahnunterführung befinden sich sogar größere Unterteller von Blumentöpfen. Ein Verursacher lasse oft nur sehr schwer ausfindig machen.

In diesen Höhlen am Steilufer der Pulsnitz leben sehr wahrscheinlich Eisvögel, die aufgrund ihrer schillernden Farben auch als fliegende Edelsteine bezeichnet werden.
In diesen Höhlen am Steilufer der Pulsnitz leben sehr wahrscheinlich Eisvögel, die aufgrund ihrer schillernden Farben auch als fliegende Edelsteine bezeichnet werden. FOTO: Richter-Zippack

Ein weiteres Problem im NSG Pulsnitz ist die Wasserentnahme. Manche Leute, so wurde während der jüngsten Begehung des Geländes durch mehrere Behörden sowie den Wasser- und Bodenverband Kleine Elster-Pulsnitz, registriert, schöpfen das wertvolle Nass einfach per Pumpe aus dem Fluss. „Dafür ist zwar keine Genehmigung erforderlich, allerdings dürfe der Mindestwasserabfluss nicht beeinträchtigt werden“, erklärt Eva-Maria Hein von der OSL-Wasserbehörde. Die Fachfrau appelliert an den gesunden Menschenverstand: „Bei solch einer Dürre wie in diesem Jahr sollten die Leute den Fluss nicht noch zusätzlich schröpfen.“

„Wir müssen schließlich auch an der Pulsnitz eine Mindestwassermenge gewährleisten“, bringt Volker Lehmann, Verbandstechniker beim Gewässerverband Kleine Elster-Pulsnitz, das Problem auf den Punkt. In solch trockenen Jahren wie 2018 strömen manchmal lediglich 100 Liter Wasser pro Sekunde durch den Fluss. Und allein eine Pumpe könne bis zu zehn Liter je Sekunde fördern. „Viele denken, dass es auf ihr bisschen Wasser nicht ankommt. Aber das ist nicht richtig“, stellt Lehmann klar.

Mit solchen Schläuchen und Pumpen wird selbst im Naturschutzgebiet Wasser aus der Pulsnitz gezogen.
Mit solchen Schläuchen und Pumpen wird selbst im Naturschutzgebiet Wasser aus der Pulsnitz gezogen. FOTO: Richter-Zippack

Neben den Müllablagerungen und den Wasserdiebstählen hat das NSG Pulsnitz auch mit invasiven Pflanzenarten zu kämpfen. Diese breiten sich rasant aus und verdrängen die heimische Flora. An einer Stelle zwischen Kroppen und Ortrand sieht Naturschützerin Ute Wachtel Handlungsbedarf. Dort hat sich der Japanische Knöterich breitgemacht. „Das ist schon ganz schön krass hier“, lautet ihr Kommentar. Die aus Ostasien kommende Art müsse aber mit großem Aufwand, der weit ins Wurzelreich hineinreicht, bekämpft werden. Darüber hinaus sorgen auch die Spätblühende Traubenkirsche, die ursprünglich aus Nordamerika kommt, und der Sonnenhut für Verdruss.

Aber es gibt auch gute Nachrichten von der Pulsnitz. Denn zahlreiche seltene und streng geschützte Tierarten fühlen sich dort wohl. Dazu zählt unter anderem der schillernde Eisvogel, der seine Höhlen in die Steilufer eingegraben hat. Häufig können ihn aufmerksame Naturfreunde beobachten. Kippen Bäume im NSG ins Wasser, werden sie nur beräumt, wenn der Wasserabfluss massiv leiden würde, sagt Volker Lehmann. Letztendlich, so merkt Experte Norbert Herrn vom Landesamt für Umwelt an, können diese Gehölze durchaus Teil des Flusssystems werden. Nämlich, indem sich auf der einen Seite des Stammes flache Sandbänke bilden, dahinter hingegen tiefe Kolke, ein Paradies für viele Tierarten.