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| 15:55 Uhr

Kritik an Räumung der Schipkauer Asylbewerber-Unterkunft
Flüchtlings-Möbel landen im Müll

Der Wohnverbund in der Rosa-Luxemburg-Straße 22-26 in Schipkau wird derzeit geräumt. Dass dabei auch gebrauchsfähiges Mobiliar im Müll landet, sorgt für Kritik.
Der Wohnverbund in der Rosa-Luxemburg-Straße 22-26 in Schipkau wird derzeit geräumt. Dass dabei auch gebrauchsfähiges Mobiliar im Müll landet, sorgt für Kritik. FOTO: LR / Jan Augustin
Schipkau. Weil immer weniger Asylbewerber im OSL-Kreis ankommen, werden Unterkünfte geräumt. So wie jetzt der Wohnverbund in Schipkau. Dass dabei Möbel zum Teil auch entsorgt werden, sorgt für Kritik. Von Jan Augustin

Matratzen, Bettgestelle, Schränke, Stühle, Tische - was fliegen kann, fliegt raus. Landet erst auf dem Gehweg der Rosa-Luxemburg-Straße 22 bis 26 in Schipkau und dann im Container. Bis vor Kurzem haben in dem fünfgeschossigen Plattenbau etwa 100 Asylbewerber gelebt. Weil im Oberspreewald-Lausitz-Kreis immer weniger Flüchtlinge ankommen, werden jetzt peu à peu überschüssige Unterkünfte geräumt oder die Kapazität verkleinert.

Tamanna Heyken ist mit der Asylpolitik ihres Landkreises bisher eigentlich zufrieden. Die in Annahütte lebende Frau kümmert sich um Flüchtlinge. Gemeinsam mit den Mitstreitern einer Initiative hilft sie bei Behördengängen, besorgt Termine, gibt Deutsch-Unterricht oder ist einfach nur Zuhörerin und Gesprächspartnerin. Anders als in anderen Regionen laufe das große Thema Asyl hier recht geräuschlos über die Bühne. Zwischenfälle gibt und gab es relativ wenige. „Hier ist das alles so friedlich gewesen, auch weil wir so aktiv waren.“

Doch jetzt ist Tamanna Heyken stinksauer – weil die Schipkauer Asylbewerber angeblich ihre Möbel nicht mitnehmen durften und noch gebrauchsfähige Einrichtungsgegenstände für die Müllhalde bestimmt von den Mitarbeitern einer Umzugsfirma aus den Fenstern geworfen worden sind. „Hier werden Steuergelder verschleudert“, ärgert sie sich. Flüchtlinge, mit denen sie ein gutes Verhältnis aufgebaut habe, hätten gern etwas mit in ihre neue Bleibe genommen. Doch ihnen sei gesagt worden, sie dürfen nichts mitnehmen. „Überall fehlt das Geld - und dann werden Dinge weggeschmissen. Das tut einfach weh“, bedauert sie.

Marlen Weser, Sprecherin des verantwortlichen Oberspreewald-Lausitz-Kreises, widerspricht dieser Darstellung in Teilen. Das weiter verwendbare Mobiliar, das dem Landkreis gehört, sei im Zuge der Schließung des Wohnverbundes veräußert beziehungsweise karitativen Vereinigungen angeboten und von ihnen übernommen worden. Nicht mehr nutzbare Gegenstände sind entsorgt worden, erläutert sie und ergänzt: „Asylbewerber konnten nach Abstimmung der Gegebenheiten in den neuen Unterkünften vereinzelt selbst erworbene Einrichtungsgegenstände mitnehmen.“

Der Block in der Schipkauer Rosa-Luxemburg-Straße ist mittlerweile leer geräumt. Die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWG) wird das Haus im Rahmen des Stadtumbaus vermutlich im kommenden Jahr abreißen lassen, wie KWG-Sprecher Ralf Weide bestätigt. Die Asylbewerber sind in andere Wohnungen und Heime im Landkreis verteilt worden, etwa in Sedlitz und Lauchhammer.

Im gesamten Kreis leben aktuell 583 Asylbewerber. „Das Aufnahmesoll für das Jahr 2018 ist bereits erfüllt“, sagt Kreissprecherin Marlen Weser. 40 Asylbewerber wurden in diesem Jahr aufgenommen. Neben dem nun geschlossenen Wohnverbund in Schipkau werden und wurden Unterkünfte dieser Art auch in Schwarzheide, Senftenberg, Lauchhammer und Vetschau verkleinert beziehungsweise geschlossen.