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| 16:04 Uhr

Rotbraunes Eisenocker auf Meuroer Seegrund
Widerstand gegen Eisenschlamm im Meuroer See entfacht

Der Meuroer See hat bis zum Jahr 2025 noch erheblichen Sanierungsaufwand. Ob dann Ockerschlamm auf den Grund gelagert wird, ist derzeit noch offen.
Der Meuroer See hat bis zum Jahr 2025 noch erheblichen Sanierungsaufwand. Ob dann Ockerschlamm auf den Grund gelagert wird, ist derzeit noch offen. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg/Lübbenau . Der Bergbausanierer prüft, den Lausitzer Ockermatsch auf den Gewässergrund zu spülen. Einen konkreten Plan gibt es noch nicht, sagt die LMBV. Kritik hagelt es trotzdem - vom Aktionsbündnis Klare Spree, den Grünen und vor Ort. Von Jan Augustin und Andrea Budich

Denkbar wenig Freude haben die bekannt gewordenen Ockerschlamm-Ideen in der Schipkauer Verwaltung ausgelöst. „Angesichts des erreichten Projektstandes der angestrebten Schlammeinspülung hätte ich mir gewünscht, davon nicht aus der Zeitung zu erfahren“, sagt Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) in einer ersten Reaktion. Zwar habe man Verständnis für die Standortsuche, jedoch bleiben für die Gemeinde Schipkau und den Ortsbeirat Meuro viele Fragen offen. Meuros Ortsvorsteher Frank Priemer erwartet jetzt dringend eine Einbeziehung der Einwohnerschaft. „Viele kennen vermutlich noch nicht einmal die Lage des geplanten Sees auf halbem Wege nach Freienhufen. Informationen müssen her“, fordert Priemer. Dabei befindet sich das Restloch Westmarkscheide komplett in der Gemarkung Meuro und damit im Gemeindegebiet Schipkau. Dass diese nicht im Vorfeld miteinbezogen wird, stößt auf Unverständnis und löst Ablehnung aus.

Der in Meuro lebende OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) betont, dass man noch ganz am Anfang eines umfangreichen Diskussions- und Genehmigungsverfahrens stehe, „in das zu gegebener Zeit selbstverständlich zunächst auch die Träger der öffentlichen Belange und die Öffentlichkeit mit einzubeziehen sind“. Dem Ausgang eines solchen Verfahrens wolle er nicht vorweggreifen. Jedoch: „Ich halte es für grundsätzlich sinnvoll, den Ockerschlamm dort zu verbringen, wo er entstanden ist - in der Lausitz“. Ein altes, nicht für die touristische Nutzung vorgesehenes Restloch wie die Westmarkscheide stelle aus seiner Sicht eine denkbare Alternative dar.

Ob es tatsächlich soweit kommt, ist indes noch unklar. Eckhard Scholz, Bereichsleiter Technik bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), äußert sich bei einem Fachgespräch der bündnisgrünen Landtagsfraktion am Donnerstagabend im Schloss Lübbenau zu diesem Thema zurückhaltend. Die LMBV sei noch im Prüfstadium. Zudem habe der See, der sich auf dem Gelände des Naturschutzfonds Brandenburg befindet, noch einen „hohen Sanierungsaufwand“ bis zum Jahr 2025. Es gebe weder ein Genehmigungsverfahren, noch seien Anträge gestellt worden. „Es gibt keine Planung“, versichert er auf Nachfrage des Schipkauer Gemeindevertreters Ringo Jünigk (Linke). Die LMBV müsse sich aber Gedanken machen, wohin sie den Eisenhydroxidschlamm künftig entsorgt. Prognosen gehen davon aus, dass in der Lausitz künftig 70 000 Tonnen Schlamm pro Jahr anfallen werden, sagt Scholz: „Auf das bereiten wir uns vor.“ Die Verspülung in einen See sei dabei für die LMBV eine der Optionen.

Für Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis „Klare Spree“ jedoch nicht. „Vorzugsweise sehen wir die Deponierung an Land“, sagt er. Böhmer übt scharfe Kritik am Tempo der Landesregierung, die per Beschluss beauftragt wurde, einen strategischen Gesamtplan bis Ende 2016 aufzustellen. Die Vorlage des Plans erst Ende 2019 mit der Vorgabe von Zielwerten „ist völlig inakzeptabel“, moniert Böhmer. Grenzwerte müssten schneller festgelegt werden: „So schwer kann das doch nicht sein: 0,5 Milligramm Eisen pro Liter für ehemalige Forellengewässer, für alle anderen 1,8 mg/l entsprechend Oberflächengewässerverordnung.“

Eine oberirdische Mono-Deponie ist die beste Lösung, findet auch der umweltpolitische Sprecher der Bündnisgrünen, Benjamin Raschke. Langfristig sei nicht sicher, was unter Wasser mit den Schadstoffen in den Schlämmen passiere. Außerdem sei es möglich, dass sich die Verwertungsmöglichkeiten für Eisenhydroxid noch deutlich verbesserten. Dann sei das Material auf einer separaten Deponie leichter zugänglich. Seine Fraktion fordert von Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) Rede und Antwort zu stehen und beantragte eine Aussprache im Umweltausschuss am 16. Mai.

Auch wenn vor der Einspülung des Schlamms ein Genehmigungsverfahren stehe, müsse das Vorhaben bereits im Vorfeld umfassend ausdiskutiert werden, sagt Raschkes Kollegin Heide Schinowsky: „Wir erwarten von der Landesregierung eine öffentliche Pro- und Kontra-Debatte und keine Salami-Taktik wie beim Altdöberner See, wo ursprünglich einmal der Eisenocker verklappt werden sollte und das Vorhaben am Protest der Bevölkerung scheiterte.“ Ungemach könnte auch von der EU kommen. Über den Kurznachrichtendient Twitter kündigt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament Ska Keller in Brüssel an: „Eisenocker in den Meuroer See zu kippen, ist ein klarer Verstoß gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Ich frage mal bei der EU-Kommission nach, was sie dazu sagt.“