Von Jan Augustin

Die 64-jährige Christine Walter aus Senftenberg ist unerschrocken – Wassertemperaturen um die zehn Grad Celsius machen ihr nichts aus. Egal zu welcher Jahreszeit: Das Schwimmen im Senftenberger See ist für sie ein absolutes Muss. Doch ist aktuell ihr Badespaß im wahrsten Sinn des Wortes getrübt. „Man kann gar nicht bis zum Boden gucken“, zeigt sie sich besorgt. Das Wasser sei trüb. Und nicht nur das: Der Boden sei anders als gewohnt. Sie beschreibt ihn als lehmartig, schlammig, ja „schloddrig“. „Das ist eklig. Ich bin in Sorge“, sagt sie.

Sollte sich der Zustand nicht ändern, befürchtet sie negative Auswirkungen auf den Tourismus. Badeurlauber könnten abgeschreckt werden, glaubt sie. Als Ursache vermutet Christine Walter die Anfang des Jahres begonnenen Sanierungsarbeiten an der Insel.

Und sie hat recht. Das bestätigt das Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) auf Nachfrage. „Die Zunahme einer Trübung im Speicher Niemtsch können wir bestätigen, die Sichttiefe beträgt dort aktuell nur 45 Zentimeter. Wir gehen davon aus, dass dies eine Folge der Spülarbeiten ist, die im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft im ersten Quartal 2019 vorgenommen wurde“, teilt LfU-Präsident Dirk Ilgenstein mit.

Diese Arbeiten wurden wie geplant Ende März eingestellt, pünktlich zu Beginn der Schifffahrtssaison am 1. April. Auch die für die kommenden Jahre geplanten Sanierungsarbeiten im unter Bergrecht stehenden Bereich des Speichers Niemtsch seien ausdrücklich für die Winterhalbjahre vorgesehen, um zu Saisonbeginn jeweils die Nutzung des Sees durch die Schifffahrt zu ermöglichen.

Was die Wasserbeschaffenheit in Senftenberg betrifft, gibt LfU-Präsident Dirk Ilgenstein Entwarnung. „Die Badewasserqualität, für deren Überprüfung das Gesundheitsamt Oberspreewald-Lausitz zuständig ist, ist nach wie vor ausgezeichnet“, betont er. Wie er weiter erklärt, bestätigen die dem Landesamt vorliegenden Beprobungen der LMBV aus dem Winterhalbjahr, dass es sich lediglich um eine Zunahme der Trübung handelt.

Nach der Rutschung im September vergangenen Jahres, bei der ein etwa 200 mal 250 Meter großes Inselstück ins Wasser gebrochen war, haben im Januar die Sicherungsarbeiten begonnen. Im Saugspülverfahren sind dabei die ersten gefährlichen Schüttrippen des ehemaligen Tagebaus Niemtsch im Unter-Wasser-Bereich abgetragen worden. Das Material wurde dann über bis zu zwei Kilometer lange Rohre befördert, um es dann in die tiefsten Stellen des Sees zu versenken. Die Unterwasserbereiche sollen so inselumlaufend abgeflacht werden, um das Rutschungsrisiko zu minimieren.