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| 16:00 Uhr

Kripo ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung
Abrechnung nach dem Höllenbrand im Senftenberger Reifenlager

Der Brand ist gelöscht, die Katastrophe abgewendet. Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (r.), Stadtbrandmeister Frank Albin und Ordnungsamtschef André Nickel (l.) sind am Montagmittag an den Einsatzort zurückgekehrt, der übers Wochenende über 37  Stunden ganz Senftenberg in Atem gehalten hat.
Der Brand ist gelöscht, die Katastrophe abgewendet. Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (r.), Stadtbrandmeister Frank Albin und Ordnungsamtschef André Nickel (l.) sind am Montagmittag an den Einsatzort zurückgekehrt, der übers Wochenende über 37 Stunden ganz Senftenberg in Atem gehalten hat. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. Brandspezialisten der Kripo ermitteln wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung. Die Stadt Senftenberg hat zuständiges Landesumweltamt eingeschalten. Eine Brandwache läuft. Von Andrea Budich

Am Tag 1 nach dem Großbrand mit Hunderten Feuerwehrkameraden aus ganz Oberspreewald-Lausitz, aus den benachbarten Landkreisen und aus Cottbus findet Senftenberg wieder allmählich in den Ruhemodus.

Einige Schaulustige kreuzen mit ihren Autos am Brandort auf, um zu sehen, was die Feuerwalze zurückgelassen hat. Die Berge mit den 3000 Tonnen Altreifen und Gummi sind sichtbar zusammengeschmolzen. „Das ist jetzt giftiger Sondermüll, der entsorgt werden muss“, kommentiert Senftenbergs Feuerwehrchef Frank Albin. Welche Gefahr von dem neun Meter hohen Feuerball ausging, demonstriert er mit Blick auf die Lagerhalle. In der Halle hat es nicht gebrannt. Trotzdem ist aufgrund der unglaublich hohen Strahlungshitze mit Temperaturen bis 800 Grad alles weggeschmolzen. Vom Bürostuhl bis zu den Drahtgestellfenstern.

Die Löschwasserversorgung für den abgelegenen Brandort in der Ackerstraße  aufzubauen, war die größte Herausforderung in der Brandnacht. Über eine Länge von zwei Kilometern mussten Schläuche bis in Höhe des Krankenhauses zu leistungsfährigen Hydranten verlegt werden.
Die Löschwasserversorgung für den abgelegenen Brandort in der Ackerstraße aufzubauen, war die größte Herausforderung in der Brandnacht. Über eine Länge von zwei Kilometern mussten Schläuche bis in Höhe des Krankenhauses zu leistungsfährigen Hydranten verlegt werden. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

Was der fast zweitägige Großbrand mit einer extremen Materialschlacht der Stadt Senftenberg als Trägerin des Brandschutzes unterm Strich kosten wird, ist am Tag 1 nach dem Brand noch nicht ermittelt. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) geht von „einer nicht unerheblichen Summe“ aus. Kreisbrandmeister Tobias Pelzer hält einen Vergleich zum Großbrand auf dem Müll-Lagerplatz von Sonne-Recycling in Freienhufen vor drei Jahren für angemessen. Die Brandbekämpfung hatte damals der Stadt Großräschen  rund 350 000 Euro gekostet. Mit einer ähnlichen Zahl werde auch Senftenberg kalkulieren müssen.

Ob der Privateigentümer der Reifenlager-Fläche Kostenersatz zu leisten hat, ist derzeit noch gänzlich ungeklärt. Gemäß Brandschutzgesetz ist die Hilfe kostenfrei, wenn der Brand nicht vorsätzlich verursacht worden ist. Senftenberg wird laut Fredrich rechtlich klären lassen, ob die Einsatzkosten dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden können.

Noch während des Einsatzes am Wochenende hat der Bürgermeister das zuständige Landesumweltamt über den Großbrand in Kenntnis gesetzt. Dem Amt obliegt die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Lagers. Noch am Montag wollten Behördenvertreter aus Potsdam sich den Brandort anschauen. Der Bürgermeister will die Gelegenheit nutzen, erneut klar den Standpunkt der Stadt zu untermauern: „Wir wollen das illegale Reifenlager loswerden. Das ist schon lange der Wille des Kreisstadtparlaments“, so Fredrich.

Zu den Folgen des Großbrandes gehört auch eine erheblich höhere Trinkwasserentnahme aus dem öffentlichen Netz. Das bestätigt Unternehmenssprecher Ulf Riska vom WAL-Betrieb. An der Druckerhöhungsstation Senftenberg wurde in der Nacht zum Samstag eine Mehrabnahme gegenüber dem Vortag von rund 2000 Kubikmetern gemessen. Abschließende Zahlen lagen am Montag aber noch nicht vor.

Den Brandort haargenau unter die Lupe genommen haben gestern auch Spezialisten der Kriminaltechnik. „Wir haben nach Spuren gesucht und ermitteln wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung“, bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn. Ergebnisse dazu erwartet sie jedoch erst in einigen Tagen.

Senftenbergs Feuerwehrkameraden haben indes den verkohlten Brandort immer noch genau im Auge. Der Stadtbrandmeister geht davon aus, dass die Brandwachen am Dienstagmorgen eingestellt werden können. Bis dahin aber bleiben die Schläuche rund um den Einsatzort zur Sicherheit noch liegen.