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| 19:50 Uhr

Kultur
Kriminelle Machenschaften im Dorftheater

Udo Fiedermann, Angelika Höhnel, Günter Schmaler, Dieter Kleinichen und Ramona Tischer (v.l.) halten das Dorftheater in Kroppen am Leben. Ihr nächsten Stück "Ein haariger Fall" spielt in einem Friseurladen.
Udo Fiedermann, Angelika Höhnel, Günter Schmaler, Dieter Kleinichen und Ramona Tischer (v.l.) halten das Dorftheater in Kroppen am Leben. Ihr nächsten Stück "Ein haariger Fall" spielt in einem Friseurladen. FOTO: Josephine Japke / LR
Kroppen. Das Dorftheater Kroppen geht in die 21. Saison. Die fast 3000 Karten für das neueste Stück waren in 14 Tagen weg. Von Josephine Japke

Menschen stehen bei eisigen Temperaturen vor ihrer Druckerei in Kroppen und warten nervös darauf, dass Angelika Höhnel die Tür aufschließt. Sind noch Tickets da? Wo werden wir sitzen? Kann ich auch sechs zusammenhängende Plätze kaufen? „Wir haben eine Woche später als sonst mit dem Kartenverkauf für das Theater angefangen. Einige Leute wussten es nicht, standen beunruhigt vor verschlossenen Türen und hatten Angst, keine mehr zu kriegen“, beschreibt Angelika Höhnel die Szenerie vor ihrer Druckerei. 14 Tage dauerte es, dann waren alle 2600 Karten für die 13 Vorstellungen des Dorftheaters weg. „So schnell ging das noch nie“, sagt sie verwundert.

Dabei kommt der Erfolg des Kroppener Dorftheaters nicht von irgendwo. Seit 21 Jahren opfern die Schauspieler vier Monate ihres Lebens, um das Publikum für zwei Stunden aus dem Alltag zu reißen. „Unsere eigenen Ansprüche sind mit den Jahren immer größer geworden. Wir wollen nicht nur den Gästen, sondern auch uns gerecht werden“, erklärt Angelika Höhnel, die seit dem ersten Stück 1998 dabei ist. Jetzt haben sie sich für eine ganz neue Richtung entschieden: eine Kriminalposse.

In dem Stück „Ein haariger Fall“ verdächtigt Anne ihre befreundete Friseurin Christa, in einem Kriminalfall verwickelt zu sein. Doch anstatt es der Polizei zu überlassen, macht sich Anne selbst auf die Suche nach Hinweisen. „Die Aufregung ist groß. Aber wenn die Premiere vorbei ist und wir sehen, wie das Stück ankommt, fällt auch der Druck von uns ab“, gesteht Angelika Höhnel.

Am 7. April beginnt der Aufführungsmarathon für die fünfköpfige Theatergruppe. Innerhalb eines Monats tritt sie 13 Mal vor 200 Menschen in der ausverkauften Gaststätte „Zur Eiche“ auf. Für die „Schauspieler fortgeschrittenen Alters“ keine leichte Aufgabe, wie auch Udo Fiedermann bestätigt: „Die Waage hält sich zwischen Stress und Spaß. Am Anfang denken wir uns: Boah, noch so viele Aufführungen. Ab der Mitte sind wir allerdings traurig, weil es ab dann immer weniger werden.“

Zweimal wöchentlich trifft sich die Gruppe, in der heißen Phase ab März auch dreimal, und dann müssen die Texte sitzen. „Es ist wie Hausaufgaben machen. Zu jeder neuen Probe muss eine Szene mehr auswendig gesprochen werden, sonst hagelt es Kritik aus der Gruppe“, sagt auch Angelika Höhnel. Dieter Kleinichen stimmt ihr zu: „Wir kennen uns schon so lange, dass es für uns dazu gehört, einander zu kritisieren.“ Niemand aus dem „Kollektiv“, wie sie sich immer wieder nennen, hätte damit ein Problem. Doch das muss gelernt sein, denn in den Anfangsjahren kam selbst Angelika Höhnel weinend von der Probe nach Hause und war kurz davor hinzuschmeißen. „Aber es macht einfach zu viel Spaß, und wir brauchen einander. Noch weniger dürfen wir nicht werden“, sagt sie.

Denn schon jetzt ist es für die kleine Runde eine große Kraftanstrengung, alles ganz allein zu meistern: Kostüme, Technik, Essen, Logistik, Kartenverkauf und Regie - organisiert von den fünf Schauspielern und ihren Familien und Freunden. Umso dringender brauchen sie Nachwuchsschauspieler. „Wir wissen ja auch, dass wir in unserem Alter keine 25-jährigen Frauen spielen können“, sagt Ramona Tischer, die selbst Rentnerin ist. Die Herren sehen das allerdings nicht so recht ein: „Also, wir haben kein Problem damit, junge Damen zu spielen. Alles eine Frage des Könnens.“