ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:07 Uhr

Kriminalitätsreport für Oberspreewald-Lausitz
Gewalt gegen Polizisten: Faustschläge und Schädelhirntrauma

 Auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis werden Polizisten immer häufiger angegriffen. Dieses Bild entstand bei einer Demo in Schleswig-Holstein.
Auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis werden Polizisten immer häufiger angegriffen. Dieses Bild entstand bei einer Demo in Schleswig-Holstein. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Lübbenau/Senftenberg. Schläge ins Gesicht und auf den Körper gehören fast zum Polizeialltag. Immer öfter werden Beamte in Oberspreewald-Lausitz im Einsatz attackiert. Der aktuelle Kriminalitätsreport enthüllt die zahlreichen Gefahren im Kampf gegen das Verbrechen. Von Jan Augustin

Polizisten im Obesrpreewald-Lausitz-Kreis sind den vergangenen Wochen verstärkt im Einsatz angegriffen und verletzt worden. Das erklärt Rüdiger Schiesko, Chef der Polizeiinspektion OSL, am Montag während der Vorstellung der aktuellen Kriminalitätsstatistik.

Übergriff in Lübbenau: Schädelhirntrauma nach Faustschlag

Schiesko hat einige Beispiel parat:

In Lübbenau muss ein Beamter Ende Februar von einem psychisch gestörten Mann, der einen Selbstmord ankündigt, einen „vollen Faustschlag“ ins Gesicht aushalten. Mit einem Schädelhirntrauma wird der Polizist ins Krankenhaus gebracht. Ein paar Tage später wieder in der Spreewaldstadt: Ordnungshüter sollen einen Mann beruhigen, der mit fast zwei Promille Alkohol und ohne erkennbaren Grund mehrfach auf die Straße springt. Der eingesetzte Polizist wird mit einem Kopfstoß niedergestreckt, muss ebenfalls in die Notaufnahme.

Attacke in Senftenberg: Sanitäter in Schwitzkasten genommen

Tags darauf in Hohenbocka tritt ein 17-Jähriger, der zwangseingewiesen werden soll, den ankommenden Beamten brutal ins Knie. Der Polizist ist für längere Zeit dienstunfähig. In Großräschen zoffen sich am 1. April Mann und Frau in einem Beziehungsdrama heftig. Eine Beamtin wird ohne Vorwarnung von dem Mann mehrmals mit dem Ellenbogen attackiert. Sie verletzt sich. In Senftenberg vor ein paar Tagen endet ein Rettungseinsatz erst, als der Angreifer mit Reizgas ruhiggestellt werden kann. Zuvor nimmt der Beschuldigte den Sanitäter in den Schwitzkasten und schlägt ihm die Nase blutig. „Die Vorfälle haben sich in letzter Zeit ein bisschen gehäuft“, sagt Polizeidirektor Rüdiger Schiesko mit Sorge. Oft ist der Rauschgiftmissbrauch die Ursache für die Gewaltbereitschaft, sagt der 60-Jährige.

 Polizeidirektor Rüdiger Schiesko (r.), Oberkommissarin Grit Niessen und Kripoleiter Karsten Saeger stellen am Montag in Senftenberg die Kriminalstatistik für den Oberspreewald-Lausitz-Kreis vor.
Polizeidirektor Rüdiger Schiesko (r.), Oberkommissarin Grit Niessen und Kripoleiter Karsten Saeger stellen am Montag in Senftenberg die Kriminalstatistik für den Oberspreewald-Lausitz-Kreis vor. FOTO: LR / Jan Augustin

Diebstähle machen fast die Hälfte der Straftaten aus

In seinem letzten Dienstjahr – im Januar 2020 geht Schiesko in den Ruhestand – kann der Polizeidirektor ansonsten ein Fazit ohne größere Kriminalitätsfälle ziehen. Einen Mord etwa hat es 2018 und 2019 in Oberspreewald-Lausitz nicht gegeben. Dennoch ist die Fallzahl im vorigen Jahr wieder leicht angestiegen: auf 7185. Fast die Hälfte der Fälle konnte aufgeklärt werden. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl, also die begangenen Straftaten je 100 000 Einwohner liegt in OSL bei 6466 – und damit weit unter dem Brandenburger- (6902) und dem Bundesdurchschnitt (6982). Fast die Hälfte der Straftaten machen Diebstähle aus. Und in dieser Kategorie gibt es einen auffälligen Ausreißer: So ist die Zahl der geklauten Fahrräder um 292 Stück angestiegen.

Oft Täter aus dem Drogenmilieu

Schwerpunkte sind Lübbenau und Senftenberg, erläutert Rüdiger Schiesko. Eine eindeutige Erklärung für diese Entwicklung habe er nicht. Oft kämen die Täter aus dem Drogenmilieu, die sich mit dem Verkauf der Räder den nächsten Rausch finanzieren wollen. Möglicherweise wirke sich aber auch die erfolgreiche Arbeit der Cottbuser Ermittlungsgruppe Pegasus aus, die im Vorjahr eine polnische Tätergruppe hochnehmen konnte. Schiesko mutmaßt, dass so womöglich ein Verdrängungseffekt in Richtung OSL entstanden ist. Zu Schwerpunktzeiten schickt die Polizei deshalb nun Beamte in Zivil und mit dem Drahtesel auf Streife.