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| 22:21 Uhr

Innovationszentrum belebt
Krebsforscher ziehen in Labore in Senftenberg ein

 Im neuen Applikationslabor bereiten die Biotechnologen Feruza Khaydarova und Thomas Schäfer Objektträger für medizinische Tests vor.
Im neuen Applikationslabor bereiten die Biotechnologen Feruza Khaydarova und Thomas Schäfer Objektträger für medizinische Tests vor. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. Präzisionsmedizin im Innovationszentrum: Dank Fördermillionen vom Bund entsteht der „Wachstumskern Praemed.Bio“. Arbeitsplätze werden versprochen. Das Laborhaus füllt sich. Von Jan Augustin

Nach dem Ärger um den möglichen Verkauf des Senftenberger Innovationszentrums überrascht der Forschungsstandort jetzt mit einer viel versprechenden Nachricht: Das Haus soll künftig die Zentrale des „Wachstumskerns Praemed.Bio“ sein. Vergangene Woche war das Projekt mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft offiziell eingeweiht worden. Zum Bündnis gehören zwölf Partner, darunter die BTU Cottbus-Senftenberg, das Deutsche Krebsforschungszentrum und die GA Generic Assays GmbH. Die preisgekrönte Firma ist der größte Mieter im Haus. Mit etwa 430 Quadratmetern belegt sie knapp ein Viertel der Labor-, Büro- und Lagerräume. Unglücklich war das Unternehmen vor einem halben Jahr, als die Verkaufspläne bekannt wurden. Der ehemalige BTU-Präsident und heutige Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte damals den möglichen Erwerb ins Spiel gebracht. GA-Geschäftsführer Reinhold Hartwig hatte daraufhin sogar einen möglichen Rückzug zum Hauptstandort nach Dahlewitz angedeutet.

Doch das Innovationszentrum ist noch immer nicht verkauft. Rechtlicher Eigentümer bleibt daher vorerst weiter die Stadt Senftenberg. Wann ein Vertrag zwischen dem Landesbetrieb für Liegenschaften und der Kommune zustande kommt, beantworten beide Parteien trotz RUNDSCHAU-Nachfrage bisher nicht. Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SDP) verweist stattdessen auf den unbefristeten Mietvertrag der Generic Assays GmbH, die aktuell weitere Flächen angemietet hat. „Diese hochinnovative Firma schreibt derzeit im Innovationszentrum eine Erfolgsgeschichte“, schwärmt das Stadtoberhaupt.

Sprecher des Wachstumskern ist Prof. Dirk Roggenbuck. Er ist zugleich auch der zweite Geschäftsführer von Generic Assays. Von einem Firmen-Rückzug also kann keine Rede mehr sein. Im Gegenteil. Das Unternehmen hat jetzt ein Applikationslabor angemietet, indem Biotechnologen bereits forschen.

Die Forschenden hoffen, die Dauer einer Behandlung verkürzen und die Heilungschancen erhöhen zu können. Das soll insbesondere die Behandlung von Menschen mit Tumoren nachhaltig verbessern. „Erst damit können zukünftig fundierte individualisierte Diagnostikdaten für die Diagnosestellung durch ein ärztliches Konsil über ein Messsystem zeitnah und kostengünstig bereitgestellt werden“, erklärt Dirk Roggenbuck.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das auf drei Jahre angelegte Projekt mit mehr als acht Millionen Euro. „Durch den Ausbau dieser Ansiedlungen und die Einrichtung des gemeinsamen Applikationslabors wird eine effektive Zusammenarbeit im Bündnis gesichert und der Strukturwandel in der Lausitz aktiv vorangetrieben“, heißt es aus dem Bundesministerium. Die Region profitiere durch die bis 2030 aus dem Wachstumskern resultierenden Ausgründungen in den Bereichen neuartige Enzyme und Reagenzien, medizinischer Gerätebau und Softwareentwicklung sowie durch die Schaffung von etwa 25 hochqualifizierten Arbeitsplätzen allein in der Lausitz. Eine weitere große Chance ergebe sich durch den Ausbau der Kooperation mit Partnern der Ballungsräume Berlin und Dresden. Hervorzuheben sei die Mitwirkung des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung, einem der nationalen Meinungsbildner in der modernen Krebsforschung.

Ob das Innovationszentrum jetzt noch für den Aufbau des Gesundheitscampus’ des Landes Brandenburg genutzt werden soll, bleibt unklar. Eine BTU-Sprecherin konnte dazu am Mittwoch keine Aussage treffen. Vor fünf Monaten hieß es von der Universität noch, dass der dafür gebrauchte Eigenbedarf an Nutzfläche voraussichtlich so groß ist, dass keine Vermietung an Externe möglich sein wird.