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Kraftfahrzeugbranche wirtschaftlich stabil aufgestellt

In der Auto Schultz GmbH in Ruhland arbeiten mittlerweile drei Generationen einer Familie unter einem Dach: Gründer Klaus-Ulrich Schultz (l.), Tochter und Mit-Geschäftsführerin Christiane Schultz, ihr Sohn Peter (2. v. l.) sowie Kfz-Meister Manuel Kettner (r.).
In der Auto Schultz GmbH in Ruhland arbeiten mittlerweile drei Generationen einer Familie unter einem Dach: Gründer Klaus-Ulrich Schultz (l.), Tochter und Mit-Geschäftsführerin Christiane Schultz, ihr Sohn Peter (2. v. l.) sowie Kfz-Meister Manuel Kettner (r.). FOTO: privat
Senftenberg/Ruhland. Manch ein nach der Wende aufgebautes Autohaus mit Werkstatt hat lange vor dem silbernen Jubiläum die Tore schließen müssen. Andere haben seit vielen Jahrzehnten in der hart umkämpften Branche durchgehalten und blicken auf eine interessante Firmengeschichte zurück. Manfred Feller

Der Ursprung der heutigen Autohaus Urbaniak GmbH in Senftenberg liegt schon 95 Jahre zurück. Damit ist das Unternehmen eines der ältesten der Branche im Kammerbezirk Cottbus. Dabei hat sich das Betätigungsfeld grundlegend geändert, wissen Heiko Lehmann, Geschäftsführer seit 2005, und seine Frau Birgit, seit 2007 Mit-Geschäftsführerin. Gegründet wurde der Betrieb 1921 von Albert Lorsch als Motoren- und Mechanikerwerkstatt. 1958 wurde es eine Skoda-Vertragswerkstatt. 1962 übernahm Sohn Harry die Firma, 1978 folgte Urbaniak. Er wurde 1990 Mitsubishi-Vetragshändler. Das ist bis heute geblieben. Hinzugekommen ist die Marke Sangyong.

Im Bezirk der Handwerkskammer Cottbus steht das Kraftfahrzeuggewerbe an Nummer 1 der insgesamt 10 101 eingetragenen Betriebe. Gezählt werden (Stand: März 2016) 806 Firmen. Es folgen Fliesenleger (724), Elektro- techniker (717), Maurer und Betonbauer (701), Installateure und Heizungsbauer (612) sowie Friseure (617).

Vor elf Jahren wurden 738 Kfz-Betriebe gezählt. Hans-Peter Lange (71) aus Vetschau verwundert die Steigerung nicht. Das Personal aus jedem geschlossenen Autohaus, so weiß der langjährige Präsident des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes und Obermeister des Kfz-Gewerbes im Kammerbezirk Cottbus, hat oft mehrere kleine Werkstätten aufgemacht.

"Die Branche hat sich konsolidiert. Die wirtschaftliche Situation der Betriebe ist stabil, aber nicht rosig", schätzt er die derzeitige Lage ein. Verkauf, freie und Markenwerkstätten hätten ihr Gebiet. Entwicklungen gebe es in negativer und positiver Richtung. Weniger Einwohner kaufen weniger Fahrzeuge. Die Älteren fahren immer seltener und lassen sich folglich nicht mehr so oft in der Werkstatt blicken. Auf der anderen Seite sei der ländliche Raum im Vergleich zur Großstadt ein Vorteil für die Branche: Das Auto ist hier lebensnotwendig. Und es ist zur Freude der Besitzer und zum Leidwesen der Werkstätten immer wartungsfreundlicher geworden. Ein Ölwechsel alle 30 000 Kilometer ist keine Seltenheit mehr.

Zu den Werkstätten und später Autohäusern, die es aktuell immerhin auf 40 Jahre gebracht haben, gehören jene von Roland Bothe in Brieske und Klaus-Ulrich Schultz in Ruhland. Letzteren zog es 1964 in die Lausitz, weil er das Motorrad seiner spätere Frau zuvor auf Rügen repariert hatte. In der Inselwerkstatt hatte es sprichwörtlich gefunkt.

Schultz arbeitete dann in der Wolga-Vertragswerkstatt Thomschke in Lauchhammer und machte seinen Meister. Mit Mitte 20 wollte er sich selbstständig machen. Doch der Rat des Kreises lehnte ab. Auf Umwegen klappte es endlich 1976. Er wurde Vertragspartner des VEB Imper-Handel und reparierte fortan Saporoshez - "Chruschtschows letzte Rache" mit hörbar luftgekühltem 4-Zylinder-V-Motor. 1981 folgte zusätzlich der Trabant, weil Sapos nicht mehr geliefert wurden. 1990 wurde der Ruhlander dritter Toyota-Vertragshändler in Ostdeutschland. Von den einst 600 Händlern im Bundesgebiet seien heute noch 390 übrig. Wie bei anderen Marken auch hätten viele Händler angesichts der Auflagen der Hersteller die Hände gehoben, gaben den Handelsvertrag ab, behielten oft aber den Servicevertrag.

1992 wurde das Autohaus in Ruhland eröffnet, 1994 der Handelsbetrieb in Senftenberg, dem zwei Jahre später die Werkstatt folgte. Fast von Beginn an war es ein Ausbildungsbetrieb. Bislang haben 15 junge Leute bei Schultz einen Beruf erlernt. "Ich bilde nur aus, um zu übernehmen", sagt Klaus-Ulrich Schultz. Momentan habe er mit einem Azubi vietnamesischer Abstammung einen der besten seines Jahrganges an der Berufsschule. Ein neuer Mechatronikerlehrling wurde gesucht, aber aufgrund miserabler Noten nicht gefunden.

Klaus-Ulrich Schultz denkt mit 72 Jahren noch nicht ans Aufhören. Tochter Christiane (50) ist Mit-Geschäftsführerin. Ihr Sohn Peter (26) steht als Automobilkaufmann und angehender Automobilserviceberater in den Startlöchern, die Geschichte des Familienbetriebes weiterzuschreiben.

Die Geschäftsführer der Autohaus Urbaniak GmbH in Senftenberg, Birgit und Heiko Lehmann, zeigen hier Fotos aus der 95-jährigen Firmengeschichte. In den 1960er-Jahren befand sich neben der damaligen Skoda-Vertragswerkstatt noch eine Tankstelle.
Die Geschäftsführer der Autohaus Urbaniak GmbH in Senftenberg, Birgit und Heiko Lehmann, zeigen hier Fotos aus der 95-jährigen Firmengeschichte. In den 1960er-Jahren befand sich neben der damaligen Skoda-Vertragswerkstatt noch eine Tankstelle. FOTO: Manfred Feller