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Kraftfahrer so begehrt wie selten

Kraftfahrer Lutz Hamann vom Lausitzer Containerdienst Holzhausen in Großräschen ist täglich auf Achse. Disponent Ralph Radisch koordiniert die Fahrten.
Kraftfahrer Lutz Hamann vom Lausitzer Containerdienst Holzhausen in Großräschen ist täglich auf Achse. Disponent Ralph Radisch koordiniert die Fahrten. FOTO: jag
Großräschen. "Wir stellen ein: Kraftfahrer". Das Schild an der Einfahrt des Firmengeländes in Großräschen zeigt das Dilemma vieler Speditions- und Transportfirmen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Jan Augustin

Den Firmen fehlt es an Berufskraftfahrern. Thomas Schulz, Geschäftsführer vom Lausitzer Containerdienst Holzhausen (LCH), sitzt in seinem Büro. An der Wand gegenüber hängen mehrere Flachbildschirme. Auf einem ist eine Deutschlandkarte mit mehreren Punkten zu sehen. Wo seine Fahrer wann und wie schnell unterwegs sind, weiß er ganz genau - wenn etwas schief läuft, kann er so schnell reagieren. Das vor 32 Jahren gegründete Unternehmen hat sich auf den Transport von Schrott und Schüttgut spezialisiert. Etwa 60 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot. Rund zwei Drittel davon arbeiten als Fahrer. Und es könnten gern mehr sein. "Gute Kraftfahrer kann man immer gebrauchen. Wenn ich noch zehn Leute bekommen könnte, wäre das nicht schlecht", sagt Thomas Schulz. Was er unter "gut" versteht, beschreibt der 47-Jährige so: "Er muss willig sein und Spaß an der Arbeit haben. Er muss aber auch be- und entladen können", erklärt der Firmenchef. Nur von A nach B zu fahren, reiche eben nicht aus. Dazu kommt die Bereitschaft, auch bundesweit im Fernverkehr arbeiten zu wollen. Es sei schwierig, Mitarbeiter zu finden, die auf dieses Anforderungsprofil passen.

Dennoch: Die Speditions- und Transportbranche im Oberspreewald-Lausitz-Kreis brummt und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Knapp 1900 Menschen sind in etwa 60 Firmen beschäftigt. Das teilt der Senftenberger Arbeitsagenturchef Lars Albrecht mit. Er bestätigt, dass grundsätzlich Berufskraftfahrer gesucht werden. Derzeit gebe es nicht ausreichend geeignete Bewerber, um die offen gemeldeten Arbeitsstellen zu bedienen. Herausfordernd aber sei die Flexibilität, also eine bundesweite oder sogar internationale Fahrbereitschaft. "Regionale Angebote mit täglicher Rückkehr zum Wohnort werden stärker nachgefragt und können gut vermittelt werden", erläutert der Arbeitsmarktexperte. Die Agentur mache interessierten Bewerbern zwar Qualifizierungsangebote, die Nachfrage sei aber verhalten. In den vergangenen Monaten seien dennoch verstärkt Kunden für Gefahrengut-Transporte und zum Busfahrer qualifiziert und erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert worden.

Im Unternehmen von Thomas Schulz werden potenzielle, neue Fahrer in einer drei- bis viermonatigen Ausbildungsphase angelernt. Dass die Agentur für Arbeit diese Zeit finanziell fördert, sei gut. Trotzdem wünscht er sich von der Behörde mehr Fachkenntnis über den Beruf. Allzu oft kämen von der Agentur vermittelt Jobsuchende, denen eben nicht genau klar sei, was ein Fahrer alles leisten muss.