ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:53 Uhr

Kostebrau wehrt sich gegen Sperrung

Kostebrau. In den kommenden vier Jahren soll die durch Altbergbaugebiete führende Landesstraße 60 abschnittsweise zwischen Lichterfeld Lauchhammer-Ost/Kostebrau und Schipkau gesichert und teilweise neu aufgebaut werden. Die Kostebrauer wehren sich gegen die etwa einjährige Sperrung der Straße nach Lauchhammer. Manfred Feller

Dicke Luft in dem Inselbergdorf Kostebrau. Einst war es vom Bergbau umzingelt und bedroht, dann in Ruhe gelassen worden und wird jetzt mit den Bergbaufolgen konfrontiert. Wenn der Landesstraßenabschnitt in Richtung Lauchhammer-Ost nach Kenntnis des Ortsbeirates zwischen 2016 und 2017 voll gesperrt werden soll, wird das Dorf zeitweise nur über eine Nebenstraße und weite Umwege zu erreichen sein. Wer nach Lauchhammer möchte, muss den riesigen Bogen über Schipkau und Schwarzheide schlagen.

Kurze Umfahrung gefordert

Dagegen regt sich massiv Unmut. "Wenn wir die Straßensicherung wegen des Grundwasseranstieges schon nicht verhindern können, dann sollte wenigstens die Schärfe genommen werden", forderte Michael Thieme, stellvertretender Ortsvorsteher, von der Bergbausaniererin LMBV in der jüngsten, gut besuchten Ortsbeiratssitzung. Die Kostebrauer verlangen parallel zur Straße eine Umfahrung und die Ertüchtigung der ehemaligen Straße nach Schwarzheide-West, Kostebrauer Straße, sowie mehr Einsatz von der Verwaltung in Lauchhammer.

Vereine sind bedroht

Kommt es zu der Sperrung ohne eine kurze Umfahrung, dann sieht Jürgen Noack die Existenz von Vereinen bedroht. "Alle leben vom Publikum, das von außerhalb kommt", sagt der Lauchhammeraner, der den Kostebrauer Seniorenclub mit 65 Mitgliedern leitet. Der Club brauche Einnahmen für jährlich 2500 Euro Miete. "Ist unser Club weg, dann wird es ihn nie wieder geben", befürchtet der agile 71-Jährige. Nicht nur die Besucher werden weite Wege scheuen, möglicherweise auch der Fleischer aus Tettau und der Bäcker aus Lauchhammer. Die alte Baggerstraße nach Lauchhammer sollte ertüchtigt werden.

Schwarz sieht Andreas Arras, Vorsitzender der TSG Rot-Weiß, auch für die Zukunft der Fußballer. Seit 2012 kooperieren die 82 Mitglieder im Trainings- und Spielbetrieb mit dem FSV Lauchhammer. Spieler und Zuschauer aus der Stadt seien überlebensnotwendig. Seit 2004 bewirtschaftet die TSG die Sportanlagen und zahlt jährlich 16 000 Euro für die Betriebskosten. Da zähle jede verkaufte Bockwurst.

Ehefrau Silke Arras leitet die Hospita Sozialdienste GmbH im Dorf. Sie sieht Einschränkungen beim Versorgungsauftrag gegenüber den chronisch kranken Heimbewohnern. "Die medizinische Betreuung ist ganz auf Lauchhammer orientiert", sagt sie. Die 14 von der angekündigten Sperrung betroffenen Mitarbeiterinnen seien zudem in den Notdienstplan eingebunden.

Wolfgang Harta, seit 1997 Kostebrauer und Berufsschullehrer am OSZ, vermisst die Informationen an die Einwohner. Auch der zeitliche Ablauf sei nur vage bekannt. Der 58-Jährige Musiker befürchtet zudem, dass sich nicht jeder den weiten Umweg zum gewohnten Einkauf nach Lauchhammer wird leisten können. Und was ist mit den Kindern und Alten und wird die Krankenversorgung aus Richtung Senftenberg klappen?

Weil ihre Tochter in Schichten arbeitet, holt Sonja Golzke ihren Enkel vom Hort in Lauchhammer ab. Vor dem zusätzlichen Fahraufwand graut es nicht nur ihr: "Wer kommt für das Spritgeld auf? Wir in den Dörfern bezahlen schon genug." Wenn auch noch mit der neuen Straße durch das Sanierungsgebiet nach Klettwitz etwas passieren sollte, so ihr Mann Günter (60), sei Kostebrau komplett abgeschnitten: "Dann brauchen wir einen Hubschrauberlandeplatz und Pendelverkehr im Stundentakt."

Zum Thema:
Im Auftrag der Kostebrauer wird Michael Thieme vom Ortsbeirat am Donnerstag im öffentlichen Braunkohlearbeitskreis (ab 16 Uhr im Kulturhaus Lauchhammer-Mitte) zur L 60 Fragen stellen. Vom Bürgermeister habe er die Zusage, dass es zu dem Problem im Januar eine Einwohnerversammlung geben wird.