ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:08 Uhr

Koschenberg: Brummifahrer müssen nicht länger darben

Großkoschen.. Für die Brummifahrer, die in der Basalt AG auf dem Koschenberg ihre tonnenschweren Laster be- und entladen lassen, ist heute ein Feiertag. Erstmals seit fünf Jahren bekommen sie während ihrer Ruhepausen einen Happen zu essen und können sich einen Kaffee oder eine Flasche Limo bestellen. Für die neue Kantinen-Chefin Heidrun Schönherr aus Kleinkoschen war es indes ein steiniger Weg, bis sie ihren Imbiss endlich eröffnen konnte. Von Andrea Budich

Auf dem Koschenberg geht es Schlag auf Schlag. 300 Beladungen am Tag sind keine Seltenheit. 50 bis 60 Fahrer steuern den Steinbruch an. Die Brummis fahren beinahe im Minutentakt vor. In den Pausen mussten bisher die Thermoskannen aufgeschraubt und die belegten Brote herausgekramt werden. Von einem warmen Imbiss mit Buletten, Bockwurst, Soljanka und Bratkartoffeln konnten die Kapitäne der Landstraße hier oben auf dem Koschenberg nur träumen. Kein kaltes Wasser, wenn sie im Sommer aus der glutheißen Kabine klettern und kein heißer Tee, wenn der Wind am Fahrerhaus rüttelt. Vor fünf Jahren war der letzte mobile Imbiss abgezogen. Seitdem mussten sich die Männer halt selbst kümmern. Hielten irgendwo am Tankstellen-Imbiss oder packten die Brotbüchsen aus.
Die Nachricht, dass eine Frau oben auf dem Koschenberg für Abwechslung auf dem Speiseplan sorgen will, machte unter den Brummifahrern flugs die Runde. Von der Basalt AG wurde die 53-Jährige mit offenen Armen empfangen, bestätigt Matthias Zeipert, der Technische Leiter im Haus. Seit März hat sie den Mietvertrag für die beiden gut 22 Quadratmeter großen Gewerberäume in der leer stehenden alten Waage in der Tasche.
Die Idee von der eigenen Kantine kam Heidrun Schönherr, nachdem sie wochenlang vergeblich Klinken putzte, um irgendwo in der Region einen neuen Job zu finden. Von der Arbeitslosigkeit mit einer Ich-AG in die Selbstständigkeit durchzustarten - die gelernte Köchin wollte diese Chance beim Schopfe packen. Als sie die Unterlagen im Februar an die Untere Bauaufsichtsbehörde nach Calau sandte, war sie noch frohen Mutes. Anfang Mai wollte sie spätestens ihre Kantine eröffnen. Schließlich war kein umfangreicher Neu- oder Umbau erforderlich. Lediglich eine Nutzungsänderung der bisherigen Lager- in gewerbliche Räume. Heidrun Schönherr und ihr Lebens partner Harald Seemann können bis heute nicht verstehen, warum ein solch einfaches Genehmigen der Nutzungsänderung mehr als vier Monate dauerte. Erst am 1. Juli hielten sie nach langer Behörden-Odyssee das begehrte Papier mit dem grünen Stempel in den Händen. „So werden Jobs gekillt“ , kommentiert Harald Seemann die Hinhaltetaktik.
„Wir sind keine Jobkiller, müssen aber unsere Arbeit machen“ , kontert der Leiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises, Wolfgang Kamenka. Die Verzögerung, die er durchaus eingesteht, habe aus seiner Sicht zwei Gründe. Zum einen liege die Kantine im so genannten Außenbereich. Zum anderen fällt die Genehmigung unters Gaststättengesetz - zwei Tatsachen, die umfangreiche Prüfungen erforderlich machten.