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Konflikte mit Flüchtlingen nehmen im Landkreis zu

Senftenberg. In Sedlitz soll ein Asylbewerber eine Lehrerin angegriffen haben. In Senftenberg hat ein Iraner Anzeige nach einem Überfall erstattet. Am Freitag wurde ein neuer brisanter Fall bekannt.

Der Vorfall in Sedlitz erinnert unweigerlich an den Berliner U-Bahn-Schubser. Ein psychisch kranker 29-jähriger Asylbewerber hatte vor einem Jahr eine 20-Jährige vor den Zug gestoßen. Sie war sofort tot. Der Täter wurde zu einer dauerhaften Unterbringung in einem geschlossenen Krankenhaus verurteilt. Auch in den Rücken gestoßen haben soll nun ein 17-jähriger syrischer Flüchtling eine Lehrerin am Oberstufenzentrum Lausitz in Sedlitz. Die 56-Jährige soll sich dabei verletzt haben. Etwa eine Woche danach erstattete sie Anzeige. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Der Mann ist laut Polizei bereits im Vorfeld mit "disziplinarischen Problemen" auffällig geworden. Allerdings gebe es für die geschilderte Tat außer den Beteiligten keine weiteren Zeugen.

Der Sozialdezernent des Landkreises, Alexander Erbert (CDU), ist vor Aufklärung daher auch "vorsichtig, von einem Übergriff zu sprechen". Ein ähnlich drastischer Fall sei ihm vom Oberstufenzentrum bisher noch nicht zu Ohren gekommen. Der Umgangston sei nach Lehrerauskünften zwar ein "anderer" geworden. "Die meisten Flüchtlinge integrieren sich aber sehr gut", sagt Erbert. Dass die Anzahl der Konflikte, an denen Asylbewerber beteiligt sind, in jüngster Zeit zugenommen hat, beobachtet aber auch er mit Sorge.

Erst am Donnerstagnachmittag wurde der Polizei eine Bedrohung angezeigt, von der Kursteilnehmer und Beschäftigte der Volkshochschule betroffen waren. "Ein 24-jähriger Syrer war nach mehrfachen Störungen des Unterrichtes des Kurses verwiesen worden und hatte es danach nicht bei Beleidigungen seiner Mitschüler und Lehrer belassen, sondern per WhatsApp schwerwiegende Bedrohungen gegen sie und ihre Familien versendet", erläutert Polizeisprecher Torsten Wendt. Auch hier werde weiter ermittelt.

Ebenfalls in dieser Woche wurde die Auseinandersetzung zweier syrischer Männer im Niemtscher Weg in Senftenberg bekannt. Laut Polizei soll hier ein 16-Jähriger von einem 22-jährigen Landsmann mit einem Messer am Rücken verletzt worden sein. Offenbar war ein Streit eskaliert. Der Verletzte musste ins Krankenhaus. Auch in Schipkau waren vor einer Woche zwei Flüchtlinge heftig aneinandergeraten. Ein 23 Jahre alter Afghane wurde von einem Gleichaltrigen so schwer mit Tritten und Schlägen traktiert, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Zuvor seien sich die beiden Asylbewerber verbal in die Haare gekommen, hieß es.

Ein weiterer Vorfall, der sich vor einer Woche in Senftenberg ereignete, deutet hingegen auf einen fremdenfeindlichen Übergriff hin: Vor einem Einkaufsmarkt wurde ein 17-jähriger Asylbewerber aus dem Iran von mehreren Männern angesprochen und dann mit der Faust geschlagen. Der Jugendliche verletzte sich dabei und musste stationär behandelt werden. Die Täter flüchteten.

"Das wäre der erste Vorfall mit rechtem Hintergrund", sagt Alexander Erbert. OSL sei, das bestätigt auch der Verfassungsschutz, keine Hochburg von Rechtsextremisten. Erbert ist bei diesem sensiblen Thema noch eine andere Botschaft wichtig: Straffällig gewordene Asylbewerber werden genauso nach deutschem Recht verfolgt, wie jeder andere auch. Bei Gesprächen mit Einwohnern bekomme er immer wieder die Frage gestellt, ob es richtig sei, dass der Landkreis für entstandene Schäden aufkommt oder Flüchtlinge straffrei blieben. Dem ist nicht so, betont Erbert.

Zum Thema:
Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sind in diesem Jahr gerade einmal zwölf Asylbewerber aufgenommen worden. Das ist ein drastischer Rückgang im Vergleich zu den beiden Vorjahren, als 1222 (2015) bzw. 632 (2016) ankamen. Aktuell befinden sich laut Verwaltung etwa 750 Asylbewerber in OSL im Leistungsbezug. Insgesamt leben zurzeit etwa 3700 Ausländer im Landkreis, was einen Anteil von etwas mehr als drei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht.