Don’t wait for tomorrow – warte nicht auf morgen. So steht es in schwarzen Buchstaben auf Kim Geipels T-Shirt. Es ist die Antwort auf die Frage, ob sie zu jung zum Wählen ist. „Nein, denn bei der Kommunalwahl geht es darum, was vor unserer Haustür passiert. Das geht auch uns was an.“

Mit uns meint die 16-Jährige aus Ortrand auch Elisabeth Kehrel, Pauline Rausch und Anna Felsch.  „Das ist doch keine Frage des Alters, eher des Charakters“, fügt Felsch hinzu. „Bei der Wahl werden wichtige Weichen für unsere Zukunft gestellt, da können doch nicht nur Ältere bestimmen.“

Schnell wird klar, dass die Schülerinnen, die unter anderem auch schon mit der „Fridays for future“-Bewegung für besseren Klimaschutz demonstrierten, nicht bloß Phrasen liefern. Bevor sie am Sonntag zum ersten Mal ihre Stimme bei der Kommunalwahl abgeben, haben sich die Elftklässlerinnen des Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg umfassend über Kandidaten, Parteien und Wahlprogramme informiert.

Das war aus ihrer Sicht gar nicht so einfach. „Im Internet hat man wenig zu den Kandidaten gefunden“, sagt Kehrel. „Und im Unterricht haben wir nicht ausführlich über die Wahl geredet“, berichtet Geipel.

Deshalb griffen die Vier eine Idee ihrer Politiklehrerin Maria Müller auf: Sie organisierten an ihrer Schule eine Diskussionsrunde mit sechs Kandidaten verschiedener Parteien, die bei der Stadtverordnetenversammlung zur Wahl standen. So konnten sie und ihre Mitschüler sich selbst ein Bild machen.

Nicht nur die 16-jährige Senftenbergerin Kehrel wollte wissen, wie die Kandidaten das Seenland auch für die Jugend attraktiv machen und halten wollen. „Ich würde mir ja ein Kino wünschen“, sagt sie.

Dass man ab 16 Jahren Kommunalpolitiker, nicht aber das EU-Parlament wählen darf, sorgt unter den Schülerinnen für Diskussionen. „Ich finde das okay. Die Themen bei der EU-Wahl sind komplexer und abstrakter“, sagt Geipel.

Sie erntet dafür einen Konter ihrer Mitschülerin Rausch. „Aber gerade diesmal geht es auch darum, wie Europa in unserer Zukunft aussieht.“ In einem sind sich die Vier dann aber doch schnell wieder einig. „Kommunalwahl ab 16, das sollte nicht wie bisher nur in elf, sondern in allen Bundesländern möglich sein.“