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| 17:42 Uhr

Schwierige Kommunalwahl in kleinen Orten
Bürgermeister-Flaute auf Gemeinde-Ebene

 Manuel Uhe aus Kroppen erwartet, dass einer der Gemeindevertreter das Bürgermeisteramt übernimmt.
Manuel Uhe aus Kroppen erwartet, dass einer der Gemeindevertreter das Bürgermeisteramt übernimmt. FOTO: Manuel Lauterborn
Kroppen/Guteborn/Grünewald. In Kroppen, Guteborn und Grünewald muss die Gemeindevertretung den ehrenamtlichen Bürgermeister bestimmen. Viele Dorfbewohner sehen das gelassen und setzen auf die erforderliche Zweitwahl in der neuen Ratsrunde. Von Manuel Lauterborn

Christian Oßwald hat seine Stimmen abgegeben: Er konnte mitbestimmen, wer im Europaparlament, im Kreistag und in der Gemeindevertretung in Kroppen sitzt. Doch ein Wahlzettel fehlte: Einen ehrenamtlichen Bürgermeister durfte er am Sonntag nicht wählen – weil es in seinem Ort keinen Kandidaten gab.

Das ist kein Einzelfall in der Region: Auch in Guteborn und Grünewald fehlten die Bewerber für dieses Amt. Nachvollziehbar, heißt es aus den Orten. Problem sei vor allem die Zeit.

„Wer noch berufstätig ist, schafft es doch nicht, auch noch ehrenamtlicher Bürgermeister zu sein“, sagt Oßwald. Ein Satz, den man in allen drei Orten ohne Bürgermeisterkandidaten oft hört. „Und dann kann man es auch nie allen Recht machen“, fügt der 28-jährige Familienvater hinzu. Das mache das Amt nicht gerade attraktiv.

 Der Kroppener Christian Oßwald weiß, dass das Bürgermeisteramt für Berufstätige kaum auszufüllen ist.
Der Kroppener Christian Oßwald weiß, dass das Bürgermeisteramt für Berufstätige kaum auszufüllen ist. FOTO: Manuel Lauterborn

Menschen haben Verständnis für vakante Bürgermeister-Posten

Die Menschen bringen Verständnis auf für die aktuelle Situation. Gleichzeitig machen sie sich aber auch Gedanken darüber, wie es weitergeht. „Ich erwarte, dass jemand aus der Gemeindevertretung den Posten übernimmt“, schildert der Kroppener Reinhard Uhe. „Die Vertreter sind ja von uns Bürgern gewählt, haben unser Vertrauen und können das bestimmen. Dass ich den Bürgermeister dann nicht selbst wähle, ist eigentlich kein Problem.“

Der Weg, den Uhe beschreibt, ist laut Kreiswahlleiterin Petra Borchel in den betroffenen Orten nun der naheliegendste. „Die Gemeindevertretung kann einen Bürgermeister wählen. Der muss aber nicht zwingend Mitglied der Gemeindevertretung sein. Jeder kann sich zur Wahl stellen“, erklärt sie.

Keine Frist für einen neuen Bürgermeister

Dass sich nun plötzlich noch jemand zur Wahl stellt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Eine zeitliche Frist, bis wann Kroppen, Guteborn und Grünewald einen neuen Bürgermeister haben müssen, gibt es laut Borchel nicht. „Aber das sollte natürlich relativ zeitnah sein. Das ist ja auch im Interesse der jeweiligen Orte.“

Können sich die Gemeindevertreter nicht einigen, stellt die Kommunalaufsicht des Landkreises einen Beauftragten ab, der die Aufgaben des Bürgermeisters übernimmt. Das sei aber eher unwahrscheinlich, so Borchel.

Trotz ausgefallener Bürgermeisterwahl könnte es also dazu kommen, dass zumindest in zwei Orten auch in den kommenden fünf Jahren alles bleibt, wie es ist. „Wenn die Umstände passen, wäre es denkbar, das Amt nochmal zu übernehmen“, sagt Ute Schmatloch, die bisherige Bürgermeisterin aus Grünewald. In den vergangenen fünf Jahren habe man dort die Aufgaben verteilt. „Ich gehe davon aus, dass es für Grünewald eine Lösung gibt.“

Amtierender Bürgermeister würde gerne Platz machen für Jüngere

Reiner Krämer, der bisher in Kroppen „regierte“, ist dagegen noch zwiegespalten. „Ich habe mich ja bewusst nicht direkt zur Wahl gestellt. Ich wäre froh, wenn ein anderer, ein Jüngerer übernimmt“, sagt der 65-Jährige. „Aber mir liegt der Ort am Herzen. Ich würde nicht einfach alles fallen lassen.“

Der bisherige Amtsinhaber aus Guteborn, Detlef Ritter, trat zwar noch für die Kreistagswahl an, nach 26 Jahren als Bürgermeister ist für ihn allerdings Schluss. Er sei optimistisch, dass sich ein Nachfolger findet.

Wünschenswert sind hauptamtliche Bürgermeister

Und in Zukunft? Wie könnte das Amt attraktiver werden? Auf diese Frage gibt es aus den Orten vor allem eine Antwort. „Ein hauptamtlicher Bürgermeister wäre wünschenswert, aber für einen kleinen Ort ist das wohl eher unrealistisch“, sagt Karin Matiebe aus Grünewald. Für sein Ehrenamt als Bürgermeister bekam Detlef Ritter in Guteborn laut eigener Aussage rund 350 Euro. Zwar könne man finanziell mehr Anreize setzen, sagt er, entscheidend sei aber etwas anderes. „Es braucht Leidenschaft. Das Engagement als Bürgermeister muss von Herzen kommen.“ Und auch der Kroppener Christian Oßwald ist in dieser Sache skeptisch. „Geld wiegt ja die Freizeit nicht auf.“

*Manuel Lauterborn von der
Hildesheimer Allgemeinen Zeitung
arbeitet in dieser Woche als Tausch-
reporter bei der LR in der
Lokalredaktion Senftenberg.