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| 15:59 Uhr

Nach dem goldenen Oktober
Kommt jetzt das Wintermärchen?

Die Sumpfzypresse im Lindenauer Schlosspark verliert die gefärbten, rostroten Nadeln.
Die Sumpfzypresse im Lindenauer Schlosspark verliert die gefärbten, rostroten Nadeln. FOTO: Kupfer Renate / Rudolf Kupfer
Senftenberg. Der Hundertjährige Kalender sagt bald Schnee voraus. Warm war’s im Oktober – und trocken. Von Rudolf Kupfer

Ein Wintermärchen ist ab Mitte November zu erwarten, so die Prognose des Hundertjährigen Kalenders. Schnee, der bis Weihnachten bei erträglichem Frost liegen bleibt, das ist kaum vorstellbar. Doch die Vorhersagen dieses Kalenders liegen oft daneben, sagt Landwirt Siegfried Klaus aus Ortrand. Trotzdem hofft er, dass die Temperaturen zurückgehen und der Boden bald gefriert. Dadurch würde das massenhafte Auftreten von Raupen, die gegenwärtig die Wurzeln der Winterrapspflanzen zerstören, ein Ende finden. Die anhaltende Wärme bietet auch der Weißen Fliege und anderen Schadinsekten optimale Entwicklungsbedingungen.

Als ein seit Jahrhunderten genutztes Wetterzeichen gilt der Zeitpunkt des Laubfalles. In diesem Herbst hat aufgrund der anhaltenden hohen Temperaturen und bisher ausgebliebenen Herbststürmen dieser Prozess sehr spät eingesetzt. Dazu die Bauernregel: „Das ist ein hartes Winterzeichen, will das Laub nicht von den Bäumen weichen.“ Für den Winter 2010/11 hat das voll voll zugetroffen, erinnert sich Horst Gärtner aus Lauchhammer. Allerdings folgen die meisten Wetterfrösche eher der Aussage: „Späte Rosenblüte im Garten lässt den Winter noch warten.“ Bis in den November hinein sind die schönsten Rosenblüten zu sehen, freut sich Gabriele Haußmann in Hörlitz. Das gilt auch für Geranien, Dahlien, Astern und andere Herbstblumen, sogar Kornblumen blühen. Ungewöhnlich auch vereinzelt die zweite Blüte vom Rhododendron in diesen Tagen. Die Allmacht des Wetters ist nie zu unterschätzen – das hat der Sommer mit seiner extremen Dürre gezeigt. Niemand spürt, ob der Winter kurz oder lang, kalt oder mild, Schnee oder nur Regen bringen wird.

Obwohl Eichhörnchen, Igel und andere Tiere sich auf ihren Winterschlaf vorbereiten, sind sie bei der jetzigen Wärme noch aktiv. Insbesondere Igeln hilft in den Kleingärten, Haufen aus Laub und sperrigen Material als Unterkunft für kalte Tage liegen zu lassen. Klaus Hirsch aus Großkoschen bereitet gegenwärtig die Winterfütterung für seine gefiederten Freunde vor. Verschneite Landschaft mit regem Treiben im Futterhaus zu beobachten, übertrifft an Spannung jeden Fernsehbeitrag, so ihre Einschätzung.

Alarmierend: Das Defizit an Niederschlägen ist weiter angewachsen. Mit 25 Millimetern hat Günter Kobel in Ortrand für diesen Monat nur 50 Prozent der Norm registriert. Für das gesamte bisherige Jahr stehen bei ihm nur magere 348 mm zu Buche. Damit fehlen auflaufend fast 200 mm Niederschlag. „Dessen ungeachtet begeistern in diesen Tagen die Inszenierungen der Natur, die der Goldene Herbst allerorts in der Region bietet“, sagt Klaus Kreter aus Ortrand.