ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:20 Uhr

Senftenberg: Aus der Heimatgeschichte
Kohlendreck lag halben Meter hoch

Thomas Hoffmann zeigt vor seinen Häusern direkt neben dem Impuls-Gelände die im eigenen Garten gefundenen Kohlestücke.
Thomas Hoffmann zeigt vor seinen Häusern direkt neben dem Impuls-Gelände die im eigenen Garten gefundenen Kohlestücke. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Warum es den Senftenberger Thomas Hoffmann direkt neben die alte Brikettfabrik Impuls zog. Von Torsten Richter-Zippack

Vor genau 40 Jahren hatte eine Explosion das Ende der Brikettfabrik Impuls an der Spremberger Straße in Senftenberg besiegelt. Aufgrund der großen Schäden, es gab mehrere Tote, wurde ein Wiederaufbau verworfen. Später erfolgte der Abriss des Betriebes. Heute erinnert so gut wie nichts mehr an den einstigen Kohleveredler.

Direkt neben der ehemaligen Hauptzufahrt befand sich die Hauptabteilung des Baubetriebes des Braunkohlenkombinates (BKK) Senftenberg (Spremberger Straße 27), erinnert sich der Senftenberger Thomas Hoffmann. Der jetzt 55-Jährige hatte dort bis zum Jahr 1992 im Ingenieurbüro Bergbau gearbeitet. Das Gebäude nebenan galt als Handwerker-Domizil (Spremberger Straße 25). Diese Fachkräfte waren für die werkseigenen Wohnungen zuständig. Heute gehören Thomas Hoffmann beide Immobilien. Er lebt dort mit Familie, und sein Unternehmen im Bereich Heizung, Lüftung, Sanitär hat dort seinen Sitz. „Nach der Wende suchte ich entsprechende Räumlichkeiten und wurde gleich an meiner früheren Arbeitsstelle fündig“, erinnert sich Hoffmann. Seit August 1992 ist er Unternehmer.

Die Anfänge gestalteten sich alles andere als einfach. „Das Haus Nummer 25 bestand aus unverputzten Industrie-Klinkern und hatte ein undichtes Dach. Der Kohlendreck auf dem Hof lag fast einen halben Meter hoch. Überall war Pampe, und es gab mehrere alte Baracken“, sagt der gelernte Versorgungstechniker. Der Kohlendreck, im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährliches Material, wurde mithilfe externer Firmen ausgekoffert und entsorgt. Glück im Unglück hatte die Familie mit dem Nachbargebäude Nr. 27. „Im Zuge der Sprengung der alten Bunkerbrücke Mitte der 1990er-Jahre wurde etwa ein Fünftel des Gebäudes erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die Brückenreste fielen nicht so wie sie sollten“, erinnert sich Thomas Hoffmann. „Aber ich hatte Glück im Unglück und konnte anschließend sofort mit der Sanierung dieses Gebäudes beginnen.“ Die Bunkerbrücke führte von einem noch heute existierenden Bahndamm nördlich der Spremberger Straße über diese hinweg zur Brikettfabrik Impuls und weiter zum nur wenige hundert Meter entfernten Bahnhof. Die Konstruktion bildete einst ein Wahrzeichen von Impuls.

Klar hatte der Senftenberger in diesen Anfangsjahren auch Angst vor möglichen Altlasten auf seinem Grundstück. Tatsächlich hatte ihm das Umweltamt bescheinigt, dass im Boden diverse Kohlenwasserstoffe enthalten seien. „Allerdings sind diese Substanzen durch chemische Prozesse innerhalb von 20 Jahren abgebaut worden“, weiß Hoffmann. Längst hat er sein Grundstück in eine Gartenidylle verwandelt. „Manchmal finden wir beim Umgraben oder Bäume pflanzen noch alte Kohlenreste mit dem Aufdruck ‚Rekord‘ sowie grüne Glassteine“, sagt Thomas Hoffmann. Inzwischen hat er eine ganze Kiste voll mit diesen Hinterlassenschaften des Industriestandortes, dessen Geschichte bereits im Jahr 1876 mit dem Produktionsbeginn der Brikettfabrik Friedrich Ernst begann, zusammengetragen.

Dort, wo die eigentliche Kohleveredlung stattfand, gleich auf dem Nachbargrundstück der Hoffmanns, befindet sich heute eine Rasenfläche mit jungen Gehölzen. Nach der Wende wurde das Areal über mehrere Jahre beräumt und saniert, sagt Hoffmann. Noch immer markiert eine hohe schlanke Pappel den alten Betriebsstandort.

Indes sucht Thomas Hoffmann alte Fotos und Bilder von der Brikettfabrik Impuls beziehungsweise ihren Vorgängern namens Hallesche Pfännerschaft sowie Friedrich Ernst. Wer entsprechendes Material hat, kann sich direkt an Hoffmann wenden (Tel. 03573 796061).