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| 15:53 Uhr

Klinikum Niederlausitz will mit Kreis kooperieren

Der viergeschossige Neubau des Krankenhauses, in Betrieb genommen 2003. Foto: Archiv Klinikum Niederlausitz/S. Rasche
Der viergeschossige Neubau des Krankenhauses, in Betrieb genommen 2003. Foto: Archiv Klinikum Niederlausitz/S. Rasche FOTO: Archiv Klinikum Niederlausitz/S. Rasche
Senftenberg. Das Klinikum Niederlausitz GmbH ist gesprächsbereit. So reagiert Geschäftsführer Hendrik Karpinski auf die im Sparpaket des Landkreises angestrebte „Mittelweiterleitung“. Von der kommunalen Krankenhaus GmbH soll, so die Vorstellung des Kreises, Geld in den maroden Kreishaushalt fließen. Von Heidrun Seidel

Für Hendrik Karpinski ist klar: Ein Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft ist der Region verpflichtet. Klar ist aber auch: “Wir sind nicht dafür da, den Kreishaushalt zu sanieren.„ Die Geschäftsführer-Doppelspitze Hendrik Karpinski und Simone Weber müssten vor allem darauf bedacht sein, dass die GmbH wirtschaftlich gesund sei, um ihrem medizinischen Versorgungsauftrag gerecht werden zu können. “Wir finanzieren uns letztlich aus den Versichertenbeiträgen, die dafür da sind, dass sie der Gesundheit der Einwohner dienen„, sagt er. Das müsse auch in den harten Budget-Verhandlungen mit den Krankenkassen nachgewiesen und belegt werden.

Dennoch sieht Karpinski im Spannungsfeld zwischen “geht gar nicht„ und “reger Geldfluss vom Klinikum an den Kreis„ Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Ziel, den Kreis finanziell zu entlasten. Vor allem in den Bereichen Gesundheit und Soziales würde deshalb nach Schnittstellen gesucht.

Aufgaben übernommen

Erste Erfahrungen für eine Zusammenarbeit gibt es bereits. So hat das Klinikum 2005 die Rettungswache Senftenberg, die eine Pflichtaufgabe des Landkreises ist, übernommen und damit den Kreis von der Organisation entlastet. Das Jugendhilfezentrum Pro Kids ist seit 2006 in Trägerschaft des Klinikums. Diese pädagogisch-therapeutische Einrichtung hilft Kindern und Jugendlichen in Lebenssituationen, die ihre Entwicklung beeinträchtigen oder gefährden.

Ambulante Angebote sozialpädagogischer Familienhilfe oder Erziehungsbeistand, Tagesgruppe und Eltern-Kind-Zentrum, stationäre Angebote, wie das betreute Wohnen oder die Inobhutnahme gefährdeter Kinder, sind Aufgaben der Jugendhilfe des Kreises. Sie befinden sich in dieser Einrichtung. “Sicher gibt es auch weitere Gestaltungsmöglichkeiten„, räumt Karpinski ein. Allerdings müssten dabei sowohl rechtliche Fragen der GmbH als auch des Wettbewerbsrechts beachtet werden. “Wir setzen auf innovative Konzepte.„

Eines könnte ein neues Angebot im Bereich der Jugendhilfe sein: Spezialisierte Beschäftigte trainieren frisch entbundene Mütter im Umgang mit ihren neugeborenen Kindern. Der Bedarf dafür wachse bei sehr jungen Müttern oder solchen, die ein problematisches Umfeld haben. Das vom Klinikum finanzierte Angebot könnte Problemen vorbeugen und Folgekosten vermeiden helfen.

In Gesprächen wollen Krankenhaus-Geschäftsführung und Landkreis jetzt nach weiteren Feldern der Zusammenarbeit suchen. Karpinski zeigt sich offen, weil er das “ehrliche Bemühen des Landrates zum Sparen„ schätze, will aber auch nicht, dass Krankenhaus-Gelder “in den Straßenbau fließen„.

Verantwortung füreinander

Die gemeinsame Ansicht von Kreis und Klinikum, dass ein kommunales Krankenhaus auch zukünftig die beste Möglichkeit der medizinischen Versorgung in der Region sei, fordere, so Karpinski, auch gegenseitiges verantwortliches Handeln.

Das Klinikum engagiere sich deshalb in der Region auch stärker, sowohl in der ambulanten medizinischen Versorgung, als auch mit dem Netzwerk “Gesunde Kinder„, dem FamilienCampus in Klettwitz und mit Symposien und Fachtagungen, die es in die Region holt.

Außerdem würden 1300 Beschäftigte im Klinikum in Lohn und Brot sein, so Hendrik Karpinski.

Zum Thema:

Mit einem “Maßnahmekonzept zur Haushaltskonsolidierung„ will der Landkreis zusätzlichen Sparwillen dokumentieren. Zu den in der Kreisverwaltung erarbeiteten und aufgelisteten Punkten gehört auch, in den Tochterunternehmen Integrationswerkstätten Niederlausitz gGmbH und Klinikum Niederlausitz GmbH zu prüfen, inwieweit sie erwirtschaftete Mittel an den Kreishaushalt weiterleiten oder Aufgaben des Kreises übernehmen können. Der sieht dadurch ein Einsparpotenzial von 300 000 Euro.