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Klinikum ist Vorreiter bei der Flüchtlingsintegration

Katalin Kardalus ist Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache unterrichtet die Asylbewerber im Wequa-Hotel
Katalin Kardalus ist Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache unterrichtet die Asylbewerber im Wequa-Hotel FOTO: Mirko Sattler
Klettwitz. Im Gesundheitswesen des Landes Brandenburg fehlen schon heute medizinische Fachkräfte. Um die Krankenhäuser bei Anwerbung und Integration von Flüchtlingen mit medizinischen Vorkenntnissen zu unterstützen, wird seit einem guten Jahr am vom Land geförderten Projekt "Interkulturelles Krankenhaus" gearbeitet. Das Klinikum Niederlausitz und die Klinikum Campus GmbH sind dabei federführend. Andrea Budich

"Warum soll bei uns nicht funktionieren, was sich in Stockholm hervorragend eingespielt hat", zeigt sich die Geschäftsführerin der Klinikum Campus GmbH, Simone Weber-Karpinski, sehr zuversichtlich. Mit am Projekt beteiligten Partnern wie der Wequa Lauchhammer sowie verschiedener Experten des ambulanten und stationären Versorgungswesens ist sie durch Schweden und Großbritannien gereist, um zu analysieren, wie dort ausländische Fachkräfte angeworben werden. Gemeinsam wurden Ideen und Projekte entwickelt, die im Land Brandenburg umgesetzt werden könnten. Erste Lösungsansätze, wie Flüchtlinge mit medizinischen Vorkenntnissen integriert werden können, sind gefunden. Bei der Projekterarbeitung waren vier kommunale Krankenhäuser, eine private Rehaklinik und auch der Leiter der zentralen Aufnahmestelle Eisenhüttenstadt integriert. Gemeinsam wurde ein Modul entwickelt, das eintreffende ausländische Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zunächst in einer Sprachausbildung zusammenführt. Später ergänzt durch eine weiterbildende Sprachausbildung mit medizinischen Fachbegriffen und einer Einführung ins deutsche Gesundheitswesen. Es folgen Vertiefungskurse und Prüfungen mit dem Ziel der Anerkennung des jeweiligen Berufsabschlusses in Deutschland.

Die Projektinitiatoren wollen möglichst schon in den nächsten Monaten das Pilotvorhaben für Flüchtlinge mit medizinischer Vorbildung sowie die Erprobung einer Einstiegsqualifizierung für alle ausländischen Fachkräfte vor Aufnahme einer Tätigkeit im Gesundheitswesen nach schwedischem Vorbild starten. "Für uns als Familiencampus Klettwitz wäre es natürlich toll, das Projekt umzusetzen zu dürfen", hebt Simone Weber-Karpinski hervor. Dazu bedarf es freilich noch politischer Entscheidungen, ohne die das Modell nicht zum Tragen kommt. Fest vereinbart wurden auf der Abschlussveranstaltung des Projektes "Interkulturelles Krankenhaus" im März auf dem Familiencampus indes Nachgespräche mit den Krankenkassen und zuständigen Ministerien im Mai. "Wir bleiben auf jeden Fall dran", drängt die Campus-Geschäftsführerin auf eine möglichst rasche praktische Integration, von der alle Beteiligten profitieren.

Zum Thema
Lediglich 2,3 Prozent der Beschäftigten in 34 befragten Unternehmen mit 3600 erfassten Beschäftigten im Süden Brandenburgs haben einen Migrationshintergrund. Das geht aus einer Studie der Adler Management Berlin hervor, die innerhalb des Projektes "Berufliche Integration von Migranten" der Wequa Lauchhammer erstellt wurde. Dabei konzenrtiert sich die Beschäftigung auf wenige Unternehmen.

Dennoch können sich 62 Prozent der Unternehmen vorstellen, Migranten einzustellen, 68 Prozent sogar auszubilden. Mit großer Mehrheit erwarten Arbeitgeber sowohl umgangssprachliche als auch spezifische Kenntnisse der deutschen Sprache, gefolgt von fachlichen Kenntnissen. Erst an vierter Stelle steht die Anerkennnung der Abschlüsse. Die Mehrheit der Unternehmen geht davon aus, dass Mirgranten unerlässlich für den Fachkräftebedarf sind. hs