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| 14:59 Uhr

Heute Morgen in Lauchhammer
Klinik-Mitarbeiter streiken für mehr Geld

Im Klinikum Niederlausitz sind die Fronten verhärtet, die Zeichen stehen auf Streik. Krankenschwestern, Pfleger, Physiotherapeuten, Reinigungskräfte und Mitarbeiter der Zentralküche  haben  Montagmorgen für zwei Stunden ihre Arbeit niedergelegt.
Im Klinikum Niederlausitz sind die Fronten verhärtet, die Zeichen stehen auf Streik. Krankenschwestern, Pfleger, Physiotherapeuten, Reinigungskräfte und Mitarbeiter der Zentralküche haben Montagmorgen für zwei Stunden ihre Arbeit niedergelegt. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Lauchhammer. Streik im Krankenhaus. Am Montagmorgen haben genau das die  rund 370 Patienten in den beiden Krankenhäusern in Senftenberg und Lauchhammer der Klinikum Niederlausitz GmbH erlebt. Mehr als 200 nichtärztliche Beschäftigte haben vor den Haupteingängen für mehr Geld und Entlastung die Arbeit niedergelegt. Von Andrea Budich

Das Klinikum Niederlausitz ist am Montagmorgen selbst zum Notfall geworden. Arbeit unter extrem belastenden Bedingungen, überarbeitete Pflegekräfte, des Nachts oft allein im Dienst auf der Station und bei all dem Stress nicht genügend Zeit, um Patienten genügend Nähe und Geborgenheit vermitteln zu können. Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Pfleger haben den Kanal voll. Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden über mehr Geld am Monatsende setzen sie ein lautstarkes Zeichen vor den Krankenhaus-Eingängen.

„Damit sich endlich etwas bewegt. Es gibt nicht wenige, die schon darüber nachdenken, woanders hinzugehen“, erklärt Radiologie-Assistentin Sandy Kaube. Für den Notfall hat sie das Bereitschaftshandy in der Kitteltasche. Ansonsten dreht sich in der Radiologie an diesem Morgen kein Rad.

Aus dem OP mischen sich Maria und Doreen unter die Streikenden. Unzufrieden macht die beiden jungen Fachkräfte die unzureichende Patienten-Versorgung in den Nachtstunden. Sie wollen ein Zeichen setzen und vor allem nicht schlechter bezahlt sein als Krankenschwestern aus dem Seenlandklinikum Hoyerswerda oder dem Carl-Thiem-Klinikum Cottbus.

In der Zentralküche hat ein Notfallteam, zu dem auch Stefan Jacobi gehört, dafür gesorgt, dass die Patienten trotz des Streiks pünktlich ihr Frühstück bekamen. Auch bei den Schweinshaxen zu Mittag gab es kaum Verzögerungen.
In der Zentralküche hat ein Notfallteam, zu dem auch Stefan Jacobi gehört, dafür gesorgt, dass die Patienten trotz des Streiks pünktlich ihr Frühstück bekamen. Auch bei den Schweinshaxen zu Mittag gab es kaum Verzögerungen. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche

Flagge zeigen am Montagmorgen in Lauchhammer Mitarbeiter fast aller Stationen und Abteilungen. „Die Patienten finden das gut und unterstützen uns“, freut sich Krankenschwester Karola Domaschke aus der Geriatrie. Während des zweistündigen Warnstreiks ruht auch die Arbeit der Reinigungskräfte, die zu dieser Zeit eigentlich die Wischlappen auf den Stationen schwingen. „Mit unserem Tagwerk steht und fällt der Gesamteindruck des Klinikums. Schlimm genug, wenn das so wenig Anerkennung findet“, sind sich Annegrett Poscharnig und Ramona Schumann einig.

Oben auf den Stationen geht der Krankenhausalltag indes weiter. Einschränkungen des normalen Ablaufs sind kaum zu spüren. In der Notaufnahme sind alle Stühle leer. Schwester Mandy und Schwester Sandy haben alle Patienten-Eingänge abgearbeitet. Zu längeren Wartezeiten ist es trotz des Streiks nicht gekommen.

Auch im OP läuft alles wie am Schnürchen. Anästhesieschwester Andrea ist pünktlich um 8 Uhr bereit für die angesetzte Gallenblasen-OP. „Wir sind für die Patienten da. Es gibt keine Planänderungen“, bestätigt sie.

Die Forderung nach mehr Geld lässt Klinikum-Geschäftsführer Hendrik Karpinski indes nicht kalt. Der Kinderarzt mischt sich in seinem gelben Poloshirt mit „I love Klinikum Niederlausitz“-Sticker erst unter die Streikenden, um danach auf den Stationen nach dem Rechten zu sehen. Er bleibt dabei, dass die Gewerkschafts-Forderungen so weit von den Möglichkeiten des Klinikums entfernt sind, dass es keine Zustimmung geben kann. „Ich lasse nicht zu, dass das Klinikum kaputt gemacht wird“, sagt er. Er erklärt, dass sich andere Häuser weniger Pflege leisten und daher die Mitarbeiter besser bezahlen könnten. „Diesen Weg wollen wir nicht mitgehen“, stellt Karpinski vor der 7. Verhandlungsrunde am Nachmittag im Krankenhaus Senftenberg klar.

Entschlossen zeigt sich auch Ralf Franke, der Verhandlungsführer von verdi. „Wir sind bereit für weitere Streiks, wenn die Geschäftsführung nicht deutlich nachbessert“, gibt er sich kämpferisch. Er kritisiert auch Landrat Siegurd Heinze (parteilos) und den Landkreis OSL als Eigentümer der Klinik, weil der Kreis die zurückliegenden Investitionsentscheidungen mitgetragen hat, ohne dass deren ausreichende Finanzierung sichergestellt war. „Am Ende sollen die Mitarbeiter den Preis mit schlechteren Löhnen und weniger Personal selbst zahlen“, argumentiert der Gewerkschaftssekretär.