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| 19:44 Uhr

Plan in Senftenberg
Busfahren soll kostenlos werden

 Busfahren in Senftenberg soll nach dem Willen der Stadtverordneten künftig kostenlos werden. Beschlossen wurde die Vorlage einstimmig. Jetzt muss die Verwaltung bis Ende März 2020 ein Konzept vorlegen.
Busfahren in Senftenberg soll nach dem Willen der Stadtverordneten künftig kostenlos werden. Beschlossen wurde die Vorlage einstimmig. Jetzt muss die Verwaltung bis Ende März 2020 ein Konzept vorlegen. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. In Senftenberg soll das Busfahren bald kostenlos werden. Die Stadtverordnete wollen damit ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Doch es gibt auch Zweifel an der Umweltfreundlichkeit des Gratis-Stadtverkehrs. Von Torsten Richter-Zippack

In Senftenberg soll das Fahren mit dem Stadtverkehr künftig kostenlos werden. Das Rathaus soll bis zum Frühjahr 2020 Vorschläge für die Umsetzung dieses Projektes auf den Tisch legen. So steht es in einem Beschluss der Abgeordneten, der auf einen Antrag der CDU/FDP-Fraktion und der Linken hervorgeht.

Nicht nur die Kernstadt soll vom kostenlosen Busverkehr profitieren, sondern auch die Ortsteile. Das hört Stadtverordnete Christina Nicklisch (Freie Wähler OSL) gern: „In unserem Seniorenheim in Brieske leben rund 1000 Leute. Ein großer Teil von ihnen würde gern den Bus in Anspruch nehmen.“ Bislang besteht laut Liniennetz nur eine Verbindung aus der Kernstadt hinaus zum Sedlitzer Oberstufenzentrum.

Im Wahlkampf hatten sich mehrere Parteien für einen unentgeltlichen Stadtverkehr ausgesprochen. Damit soll ein Beitrag für das Erreichen der Klimaziele durch die Kommune geleistet werden, heißt es im Antrag.

Gratis-Busfahren ändert nichts am Klima

Altbürgermeister und Stadtverordneter Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU) verspricht sich vom kostenlosen Busverkehr eine Menge: „Wir sind im Klimawandel. Da müssen wir entsprechend reagieren. Zum Wochenmarkt fahren bislang viele Kunden mit dem Auto. Ein Teil von ihnen würde bei einem kostenlosen Stadtverkehr sicher auch den Bus nehmen.“ Graßhoff fordert, das Vorhaben in den Stadthaushalt für das Jahr 2021 aufzunehmen.

Abgeordneter Fred Frahnow (SFB) glaubt indes nicht, dass trotz kostenloser Tickets mehr Leute die Busse nutzen würden. „Es gibt dabei zu viele Einschränkungen, wenn keine halbstündliche Taktung existiert. Die Leute sind heute zu bequem. Sie wollen nicht lange auf den Bus warten.“

Frahnow schlägt vor, die Menschen mit einer anderen Methode zum Busfahren zu überzeugen. „Wir brauchen kräftige Parkgebühren in der Innenstadt. Ich denke da an Summen ab zwei Euro für die halbe Stunde Parken.“ Derzeit ist es kostenlos.

Darüber hinaus weist der Stadtverordnete darauf hin, dass der gratis Stadtverkehr lediglich eine „milde Gabe“ sei und am Klima nichts ändere. „Selbst wenn die Leute für das Busfahren noch einen Euro bekommen würden, steigen sie nicht ein“, ist sich Frahnow sicher.

Senftenbergs Stadtlinien wenig attraktiv

Kerstin Weidner, stellvertretende Stadtverordnetenvorsitzende, hält die bisherige Führung der Stadtlinien für wenig attraktiv. Sie verweist auf den Campus der Brandenburgischen Technischen Universität und auf das Klinikum Niederlausitz, die busmäßig schlecht erreichbar seien.

„So gewinnen wir keine neuen Kunden“, gibt Weidner zu bedenken. Darüber hinaus verweist sie auf die laufenden Verträge mit Verkehrsunternehmen, die eine Gültigkeit bis ins Jahr 2027 hätten.

Klaus-Jürgen Graßhoff merkt darauf bezogen an, dass letztendlich die Stadtverordneten bestimmen, wie der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zu fahren habe. „Wir können die Takte verändern.“

Bürgermeister Andreas Fredrich verweist indes auf den aktuellen Vertrag mit dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Dieser ist der Aufgabenträger des ÖPNV. Der jetzige Vertrag habe eine Laufzeit bis zum 31. Juli 2027. Pro Jahr werden 95 000 Fahrkilometer zugesichert.

Senftenberg einzige Lausitz-Stadt mit Gratis-Stadtverkehr

Der Senftenberger Stadtverkehr wird durch die Fahrgeldeinnahmen, der Ausgleichsfinanzierung des Landkreises und dem Zuschuss der Stadt bezahlt. Im Jahr 2019 ist die Seekommune mit 167 500 Euro dabei. Nach Angaben der ersten Beigeordneten, Teresa Stein, würde sich der Zuschuss der Stadt bei einem unentgeltlichen Stadtverkehr bei gleichbleibender Linienführung und gleichen Taktzeiten um rund 100 000 Euro erhöhen. Geprüft werden müsse, ob die bisherige Förderung durch den Landkreis, derzeit rund 40 000 Euro, weiter gewährt würde.

Bereichsleiter Carsten Henkel und Amtsleiter Frank Hellmund weisen darauf hin, dass geprüft werden müsse, ob im Falle eines kostenlosen ÖPNV Fördermittel gezahlt würden. Das gelte insbesondere für den Schülerverkehr. Senftenberg wäre in der Lausitz die einzige Stadt, die einen kostenlosen Busverkehr anbieten würde.

 Busfahren in Senftenberg soll nach dem Willen der Stadtverordneten künftig kostenlos werden. Beschlossen wurde die Vorlage einstimmig. Jetzt muss die Verwaltung bis Ende März 2020 ein Konzept vorlegen.
Busfahren in Senftenberg soll nach dem Willen der Stadtverordneten künftig kostenlos werden. Beschlossen wurde die Vorlage einstimmig. Jetzt muss die Verwaltung bis Ende März 2020 ein Konzept vorlegen. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche