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| 01:41 Uhr

Klettwitzer Richard Löwenherz radelte durch die Mongolei

Richard Löwenherz mit Fahrrad und reichlich Gepäck in der mongolischen Steppe. Foto: privat
Richard Löwenherz mit Fahrrad und reichlich Gepäck in der mongolischen Steppe. Foto: privat FOTO: privat
Klettwitz/Mongolei. Über eine Reise durch die Mongolei wird der Klettwitzer Geografiestudent Richard Löwenherz am Freitag im Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg berichten. Was ihn inspiriert hat, gerade dieses weltabgeschiedene Land zu besuchen, welche Begebenheiten besonders faszinierend waren und weshalb der Klettwitzer trotz fehlender Radwege ausgerechnet das Zweirad als Transportmittel wählte, verrät Löwenherz im RUNDSCHAU-Interview.

Was war der Anlass für Ihre Mongolei-Reise?

Ich bin Geografiestudent an der Freien Universität Berlin. Zum Hauptstudium gehört auch ein mehrwöchiges Praktikum im Gelände, wo es um geografische Feldarbeiten wie Kartierungen, Vermessungen, Aufschlüsse graben und Bohrungen geht. Zur Auswahl dafür standen Kanada, Äthiopien, die Mongolei und die Alpen. Mich hat die Mongolei am meisten gereizt, einerseits weil der dortige Kulturkreis sehr interessant ist und mir das Land noch völlig unbekannt war, andererseits wegen des Umweltthemas, das sich mit der Sensibilität der Landschaft gegenüber Klimaveränderungen und menschlicher Übernutzung (Überweidung) auseinandersetzen sollte. Die Reise fand bereits im Sommer 2006 statt.

Was hat Sie in dem zentralasiatischen Land besonders fasziniert?

Es war meine erste Reise außerhalb Europas. Meine Idee war zunächst, mit dem Fahrrad aus der Mongolei zum Baikalsee zu fahren. Da hätte ich dann aber nur Hauptstraßen unter die Räder bekommen, also entschied ich mich für eine Tour quer durch die nördliche Mongolei und über das Altaigebirge nach Sibirien. Meine Erwartungen an die Landschaften der Mongolei waren eher gering. Ich dachte, Steppenlandschaften würden mich irgendwann langweilen, doch da hatte ich mich gewaltig getäuscht.

Im Nachhinein empfand ich gerade diese Landschaft als eindrücklichstes Erlebnis, denn sie erlaubte stets einen Blick in die Weite, ließ Himmel und Erde zu einem kontrastvollen Gemälde verschmelzen, sodass ich manchmal das Gefühl hatte, durch eine fantastisch fremdartige Kulisse zu fahren.

Aber auch das Leben der Menschen in der Mongolei hat mich sehr beeindruckt. Die Leute leben in ihren Jurten und ziehen mit ihrem Vieh durch das Land, so wie sie es schon seit Jahrhunderten nicht anders kennen. Auf dem Land gibt es keine Straßen, nur Erdpisten. Das war pures Abenteuer. In der Mongolei spürte ich so etwas wie eine Harmonie zwischen Natur und Zivilisation, als ob dort der Mensch und die Natur untrennbar zusammengehören.

Welche Regionen des Landes haben Sie bereist?

Das war einerseits der See Ögij nuur, 320 Kilometer westlich der Hauptstadt Ulaanbaatar. An diesem Gewässer fand das von der Uni organisierte Geländepraktikum statt. Darüber hinaus bereiste ich das Changaigebirge noch weiter westlich und die gesamte Nordmongolei von Ulaanbaatar bis zum Grenzübergang im Altaigebirge. Das war meine Radtourenstrecke. Dort bin ich die nördlichste Route gefahren, immer dicht an der Grenze zu Sibirien.

Warum haben Sie das Fahrrad als Reisemittel gewählt? Wie fuhr es sich in der Steppe?

Das Fahrrad ist mein Fortbewegungsmittel Nummer 1. Ich bin damit frei, naturnah und relativ schnell unterwegs. Die Steppe präsentierte sich von Erdpisten durchzogen. Es gab lediglich einen festgefahrenen Untergrund. Es fuhr sich von relativ gut bis ziemlich schlecht oder gar nicht. Hauptproblem waren sandige oder sehr steinige Abschnitte, aber auch die extrem steilen Anstiege oder zu durchquerende Flüsse im Altai. Von den insgesamt 1700 Kilometern, die ich durch die Mongolei geradelt bin, waren 100 Kilometer asphaltiert. Das vor Ort gekaufte Fahrrad habe ich trotz des desolaten Zustandes mit nach Hause genommen. Die mongolische Maschine habe ich ein Jahr nach der Tour wieder auf Vordermann gebracht. In Senftenberg wurde ein neues Tretlager eingesetzt. So konnte ich damit sogar als Fahrradkurier durch Berlin fahren.

Spielen Sie mit dem Gedanken, erneut in die Mongolei zu reisen?

Durchaus! In dieses Land möchte ich auf jeden Fall noch einmal fahren, auch die angrenzenden Gebiete im dünn besiedelten Westen Chinas interessieren mich. Falls sich irgendwann so eine Tour finanziell und zeitlich einrichten lässt, werde ich bestimmt nicht lange überlegen.

Was treibt Sie zu diesen Ex-tremreisen per Fahrrad in entlegene Gegenden der Welt an?

Alles hat sich über die Jahre entwickelt. Die Erfahrungen vorheriger Touren haben wesentlich dazu beigetragen. Ich suche immer nach neuen Herausforderungen. Jede Reise ist für mich ein Großprojekt, aus dem ich viele neue Erkenntnisse mitnehmen möchte. Und die entlegenen Regionen bieten Erfahrungen, die man in den touristisch erschlossenen Gegenden nie erleben würde.

Mit Richard Löwenherz sprach Torsten Richter