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| 21:23 Uhr

Sicher und gesund im Auto unterwegs
Klettwitzer Crash-Tests helfen Leben retten

Der Kindersitz-Crashtest ist ein Arbeitsschwerpunkt im Dekra Technology Center in Klettwitz.
Der Kindersitz-Crashtest ist ein Arbeitsschwerpunkt im Dekra Technology Center in Klettwitz. FOTO: Dekra
Klettwitz. Beim Autofahren geht es um Leib und Leben und damit um die Gesundheit. Die Prüfgesellschaft Dekra in Klettwitz sorgt nicht nur mit den dort durchgeführten Crash-Tests für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Von Jan Augustin

Ob zu Hause, auf Arbeit oder im Auto – der Gesundheitsschutz ist eines der Top-Themen bei der Prüfgesellschaft Dekra. In dem im Jahr 2003 eröffneten Technology Center in Klettwitz werden im Auftrag der Automobilindustrie diverse Crash-Tests streng geheim durchgeführt. Selbst die Sicherheit von Kindersitzen wird hier auf Herz und Nieren geprüft.

Die Schwerpunkte in Klettwitz liegen im Verkehrsbereich. Hier geht es um Zulassungsvoraussetzungen von Fahrzeugtypen und -komponenten, um Abgasprüfungen und natürlich um fahrdynamische Tests und Prüfungen auf dem Lausitzring. Mittlerweile hat sich der Dekra-Gesamtkomplex in Klettwitz zum größten unabhängige Prüf- und Testzentrum Europas für die automatisierte Mobilität der Zukunft entwickelt. Das bestätigt Pressesprecher Wolfgang Sigloch. „Schon vor dem Beginn von Umbauarbeiten können hier fast zwei Drittel aller angepeilten Prüf- und Testszenarien abgebildet werden – in Zukunft sollen hier sämtliche automatisierten Fahrfunktionen und -systeme bis hin zum vollautonomen Fahrzeug (VDA-Klassifizierung Level 5) geprüft werden können“, teilt er mit.

Allein technisch immer bessere Sicherheitstandards garantieren jedoch keinen hundertprozentigen Schutz. „90 Prozent aller Unfälle auf deutschen Straßen werden durch Fehler von Menschen verursacht“, betont Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch. Vor diesem Hintergrund biete die zunehmende Automatisierung des Fahrens großes Sicherheitspotenzial: „Ein automatisiertes Fahrzeug wird nicht müde, es hat praktisch keine Reaktionszeit und kann – wenn es zusätzlich vernetzt ist – auch viel weiter ‚sehen’ als ein menschlicher Fahrer“, erläutert Sigloch. Wichtig aber ist, dass weiß auch die Dekra: Die automatisierten Systeme müssen zuverlässig funktionieren – und zwar dauerhaft. Die Prüfgesellschaft beschäftige sich deshalb schon seit Längerem mit der Frage, wie sie künftig im Rahmen der Hauptuntersuchung geprüft werden können. Einen ersten Einstieg in die Prüfung elektronischer Systeme bildete die Einführung eines „HU-Adapters“ im Jahr 2015. „Doch die Entwicklung der Fahrzeugtechnik schreitet rasant voran, und die Prüftechnik muss Schritt halten“, sagt Wolfgang Sigloch. Er ist sich sicher: Nur wenn elektronische Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg zuverlässig funktionieren, können sie ihr Nutzenpotenzial für die Verkehrssicherheit ausschöpfen.

Und dennoch: Automatisierung und Vernetzung sind mitnichten sofort die Lösung aller Verkehrssicherheitsprobleme. Dieser Fakt dürfe nicht verschwiegen werden. „Von der erstmaligen Markteinführung eines neuen Assistenzsystems oder einer neuen automatisierten Fahrfunktion vergehen Jahre bis zur verpflichtenden Einführung in neuen Fahrzeugmodellen. Und danach dauert es noch einmal Jahre, bis das System im Fahrzeugbestand so weit verbreitet ist, dass es sich nennenswert auf die Unfallstatistik auswirken kann“, erklärt der Dekra-Sprecher. Das Durchschnittsalter von Autos in Deutschland liegt bei mehr als neun Jahren – einem Gesamtbestand von 46 Millionen Autos stehen 3,4 Millionen Neuzulassungen pro Jahr gegenüber.

Die Dekra wolle weiter an den wichtigsten Verkehrssicherheitsthemen arbeiten. „Das sind aus unserer Sicht teilweise dieselben Themen wie seit Jahren und Jahrzehnten“, sagt Sigloch: Technische Mängel an Fahrzeugen, Gurtanlegequoten, Alkohol am Steuer und vieles mehr. Es gebe aber auch neuere Themen, die sich massiv auswirken. Allen voran: die Ablenkung am Steuer durch Smartphones. „Leider machen sich zu viele Autofahrer nicht klar, wie gefährlich es ist, den Blick – vermeintlich nur ganz kurz – vom Verkehrsgeschehen abzuwenden“, warnt Wolfgang Sigloch. Wer beispielsweise bei Tempo 50 drei Sekunden lang aufs Handy statt auf die Straße schaut, sei fast 42 Meter im Blindflug unterwegs.