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| 04:00 Uhr

Seltenes Jubiläum
Ganz viel Herz bei Familie Herz

 Günter Herz (l.) schenkt seiner Ehefrau Anneliese auch nach 65 Jahren immer noch eine rote Rose. Beide schauen sich zu ihrem außergewöhnlichen Ehejubiläum, der Eisernen Hochzeit, ihre alten Hochzeitsfotos an.
Günter Herz (l.) schenkt seiner Ehefrau Anneliese auch nach 65 Jahren immer noch eine rote Rose. Beide schauen sich zu ihrem außergewöhnlichen Ehejubiläum, der Eisernen Hochzeit, ihre alten Hochzeitsfotos an. FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Kleinleipisch. Das Ehepaar Herz aus Kleinleipisch feiert Eiserne Hochzeit. Liebe und Vertrauen ist sein Glücksgeheimnis. Von Peter Aswendt

Eine Eiserne Hochzeit gesund zu erleben, ist ohne Zweifel ein ganz besonderer Segen. Dieser wird nur wenigen zuteil. Anneliese und Günter Herz aus Kleinleipisch sind eines der wenigen Ehepaare, die dieses Jubiläum feiern können.

Am 15. Mai vor genau 65 Jahren haben sich Anneliese (83) und Günter Herz (90) das Ja-Wort gegeben. Dass sie beide 65 Jahre später ihre Eiserne Hochzeit in der Siedlerklause in Kleinleipisch (Lauchhammer-Nord) feiern, hätten die rüstigen eisernen Eheleute niemals geglaubt. Immerhin waren 1954 schwere Zeiten, in denen sich die beiden zur Ehe entschlossen. Die Kriegsfolgen waren immer noch zu spüren, und der Vater der damals 18-jährigen Anneliese war noch nicht lange aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Trotz schwerer Nachkriegszeit machten die jungen Leute, was sie seit ewigen Zeiten tun: Sie gingen zum Tanz. In Lauchhammer war der damalige Treffpunkt das weithin bekannte Kulturhaus. „Ich war zwar erst 15 Jahre alt, aber da mein Cousin immer mit dabei war, durfte ich schon tanzen gehen“, erinnert sich Anneliese Herz. Zufälligerweise war der Cousin auch der Bekannte von Günter. Und so traf man sich ganz ungezwungen das eine oder andere Mal zum Gespräch am Tresen. „Wir waren nicht gleich zusammen“, beschreibt Günter Herz die Kennenlernzeit.

Wann genau der Funke übersprang, wissen die beiden gar nicht mehr so genau: „Wir mussten ja warten, bis Anneliese 18 Jahre war“, sagt Günter. Er war immerhin sieben Jahre älter. Aber, dass er schon damals Geduld bewies und auf seine Anneliese wartete, zeigt die Ernsthaftigkeit seines Unterfangens, in den Bund der Ehe einzutreten. Natürlich wurde auch standesgemäß eine einjährige Verlobungszeit eingehalten: „Die Verlobungsringe habe ich in Westberlin gekauft, damals war ja die Grenze noch offen“, erzählt Günter.

Als dann am 15. Mai 1954 die Hochzeitsglocken läuteten, wurde zuerst standesamtlich geheiratet: „Dafür haben wir uns extra eine Kutsche gemietet“, erzählen beide. Dass die Pferde sonst auf einem Feld vor dem Pflug gespannt waren, wusste niemand. So kam es, dass sich das Gespann selbstständig machte und mit Mühe an der nächsten Kreuzung angehalten wurde: „Uns sind bei der Hochzeit die Pferde durchgegangen, wir nahmen das als gutes Omen“, sagen die beide Jubilare.

Wie es zu dieser Zeit üblich war, wurde noch eine kirchliche Hochzeit hinten dran gehangen: „Gleich nach dem Standesamt sind wir mit 20 Hochzeitsgästen in einem gemieteten Omnibus zur kirchlichen Trauung gefahren“, beschreiben die Eheleute ihren Tag der Eheschließung. Der evangelische Pfarrer Heßmer traute die beiden damals mit den Worten: „Freuet euch, ich sage noch einmal, freuet euch.“ Diese Worte haben Anneliese und Günter bis heute nicht vergessen.

Das frischgebackene Ehepaar Herz wohnte fortan in Kleinleipisch auf dem kleinen Hof der Eltern von Günter: „Meine Eltern hatte nebenberuflich eine kleine Landwirtschaft. Da gab es immer viel zu tun“, erinnert er sich. Als dann zwei Jahre nach der Eheschließung Sohn Ulrich geboren wurde und sechs Jahre später Tochter Marion, setzte Mutter Anneliese mit ihrem Beruf als Dreherin im Lauchhammerwerk Oberhammer aus und widmete sich den Kindern und dem ländlichen Leben des Hofes. Günter Herz war beruflich bodenständig. Er arbeitete ebenfalls als Dreher in der Hauptwerkstatt (HW) Süd des damaligen Bergbaukombinates: „Ich war von meiner Lehre an bis 1989 zur Pensionierung in der HW-Süd“, verkündet Günter stolz. Eine Konstanz, die sicherlich auch in der Ehe eine wichtige Rolle spielte.

Wenn man nach dem Geheimnis der glücklichen 65 Jahre Ehe fragt, antwortet erstaunlicherweise Günter zuerst: „Es ist wohl die Liebe, die uns zusammengehalten hat.“ Genauer gesagt, haben die beiden Jubilare ihr Leben in einer engen Gemeinsamkeit verbracht. „Wir sind trotz der schlechten Möglichkeiten in der DDR viel gereist, haben sogar im Auto geschlafen“, erzählen beide. „Das sind alles Erlebnisse, die uns zusammengeschweißt haben. Es ging nicht um Besitz oder Reichtum“, stellen die Eheleute klar.

Gefeiert wird die Eiserne Hochzeit in großer Runde: „Feuerwehr und Chor werden dabei sein, denn schließlich waren wir jahrelang mit dabei“, erzählen sie. Für Günter Herz ist das Feiern in diesem Jahr besonders anstrengend: „Ich habe am 31. Dezember, also Silvester, Geburtstag. Diesmal war ja der 90. Geburtstag dran“, schnauft er. Natürlich gibt es schon Enkel und Urenkel, die die Eiserne Hochzeit mitfeiern werden. Darauf freuen sich die rüstigen Ehejubilare besonders. Und das sie den Rekord der Steinernen Hochzeit (67,5 Jahre) schaffen werden, steht außer Frage, denn die Liebe ist bei Anneliese und Günter frisch wie am ersten Tag.