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| 17:26 Uhr

Ehrenamt
Kleinkmehlener hat das Feuerwehr-Gen

Seit 1967 ist Dieter Schanze Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Grokmehlen, Löschgruppe Kleinkmehlen. Dort werden am Wochenende 135 Jahre Feuerwehr gefeiert, inklusive 28. Oberlausitzer Handdruckspritzentreffen, am Sonntag, 26. August. Seit 1883 ist Kleinkmehlen selbst im Besitz einer historischen Handruckspritze.
Seit 1967 ist Dieter Schanze Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Grokmehlen, Löschgruppe Kleinkmehlen. Dort werden am Wochenende 135 Jahre Feuerwehr gefeiert, inklusive 28. Oberlausitzer Handdruckspritzentreffen, am Sonntag, 26. August. Seit 1883 ist Kleinkmehlen selbst im Besitz einer historischen Handruckspritze. FOTO: Uwe Hegewald
Kleinkmehlen. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Dieter Schanze (Kleinkmehlen).

Ortskundige wissen: Kleinkmehlen ist nur den sprichwörtlichen Steinwurf von Sachsen entfernt. Flugs auf die Autobahn, den Ortrander Berg hinauf und schon grüßt der Freistaat.

Dieter Schanze misst eher in Schlauchlängen als in Steinwürfen, ist er doch seit Kindesbeinen eng mit der örtlichen Feuerwehr verbunden. „Großvater war bei der Feuerwehr, mein Vater Helmut sogar Wehrleiter und Jugendfeuerwehrwart. Da war es quasi vorprogrammiert, dass ich irgendwann selbst in die Truppe rutsche“, erklärt er. „Letztendlich war es in dem kleinen Dorf nahezu die einzige Möglichkeit, sich einer Gemeinschaft anzuschließen“, so der 66-Jährige. Frühzeitig erkannten Feuerwehrfunktionäre sein Verständnis für Technik und bildeten ihn an einer TS3 zum Maschinisten der Pionierfeuerwehr aus.

Handwerkliches Geschick zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Dieter Schanze, der später als Klempner, Installateur und sogar als Dachdecker seine Brötchen verdiente. „Zwölf Jahre davon auf Montage in Baden-Württemberg, weil hier einfach kein fair bezahlter Job zu finden war“, begründet er seinen Mut zum Pendeln.

Die davor liegenden drei Monate Arbeitslosigkeit nutzte der Klein­kmehlener, um das Dach des hiesigen Feuerwehrdepots auf Vordermann zu bringen. Diesen selbstlosen Einsatz haben die Mitbewohner nie vergessen und ihn 2016 zur Auszeichnungsveranstaltung des OSL-Ehrenamtstages nach Senftenberg delegiert. Auch sollte mit dieser Ehrung die Diensttreue ihres Kameraden gewürdigt werden, der selbst während seines entfernten Arbeitsplatzes immer zur Truppe hielt. Werktags vom Einsatzgeschehen beurlaubt, stand er den Kameraden an den Wochenenden zur Verfügung. Auch beim unvergessenen Brand des Kleinkmehlener Gutshauses, das im April 2008 lichterloh brannte. „Ich war tags zuvor von meiner Arbeit in Süddeutschland zurückgekehrt und stand unserer Feuerwehr zur Verfügung“, erinnert sich Dieter Schanze. Mit „unserer Feuerwehr“ meint er die Löschgruppe Klein­kmehlen, die, wie die Löschgruppe Frauwalde, in die Gemeindefeuerwehr Großkmehlen eingebunden ist. Mehrere Jahre leitete er die Jugendfeuerwehr, sah sich jedoch gezwungen, diese Funktion aufgrund seiner Montagetätigkeit abzugeben.

Das bedeutete jedoch keinen generellen Rücktritt von Aktivitäten außerhalb des Einsatzrahmens. Am 13. Dezember 2013 gehörte Dieter Schanze zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Traditionsfeuerwehr Kleinkmehlen 1883, der sogar über eine eigene, historische Handdruckspritze verfügt. Wie der Gerätewart informiert, ist diese zwischen 1880 und 1882 gebaut und 1883 vom damaligen Gutsherren bereitgestellt worden.

„Dass wir dieses edle Gefährt noch besitzen, ist unseren umsichtigen Vorfahren zu verdanken“, zieht Dieter Schanze noch heute symbolisch den Feuerwehrhelm und erzählt: „Anfang der 1960er-Jahre wurden das Gerätehaus gebaut. Und es gab Verständigungen, die historische Handdruckspritze unbedingt im Fundus zu behalten. Da zu ebener Erde kein Stellplatz vorhanden war, schraubten die Kameraden einfach die vier Räder ab und wuchteten das ganze Gefährt zu acht auf den Boden. Das war gleichzeitig die Garantie, dass die Spritze nicht irgendwann von Einzelpersonen abgeholt werden konnte.“ Zu Jubiläen oder Wartungsarbeiten wurde die Spritze immer mal wieder vom Boden geholt. Größte Investition war das Anschaffen von vier neuen Holzrädern, die kostengünstig aus dem benachbarten Polen bezogen werden konnten.

Als weniger kostenintensiv erwies sich das Einpassen neuer Dichtungsringe aus Leder, was selbstverständlich Chefsache des Gerätewarts Dieter Schanze war. Lobenswert: Ehefrau Johanna zeigt immer wieder Verständnis, wenn es ihren Mann zur Feuerwehr zieht. „Als ich ihn kennengelernt habe, war er schon bei der Feuerwehr. Da wusste ich, was auf mich zukommt“, so die langjährige Postfrau. Bei Bedarf unterstützt sie den Traditionsverein, wie zuletzt, als es darum ging, die Plakate für das bevorstehende Feuerwehrjubiläum auf ihrem Privatgerät zu laminieren.

Am Wochenende, 25./26. August, werden in Kleinkmehlen 135 Jahre Feuerwehr gefeiert. Darin eingebettet ist das 28. Oberlausitzer Handdruckspritzentreffen am Sonntag. „Die Veranstaltung findet erstmals im Land Brandenburg statt. Bis jetzt haben sich 28 Besitzer historischer Handdruckspritzen aus Sachsen und Brandenburg angemeldet“, teilt Dieter Schanze mit unüberhörbarem Stolz mit.

Dass die Kmehlener regelmäßig an Oberlausitzer Handdruckspritzentreffen teilnehmen und dafür bis nach Bautzen reisen, habe dazu beigetragen, den Zuschlag zur Ausrichtung des Treffens zu erhalten. Mit willkommener Nähe für Seelenverwandte aus dem Freistaat: Nur flugs auf die Autobahn, den Ortrander Berg hinunter und schon grüßt Kleinkmehlen im Brandenburger Land.

(uhd)