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| 18:05 Uhr

Managementplan für Insel im Senftenberger See:
Kleinere Rutschungen ausdrücklich erwünscht

 Der Wasserstand des Senftenberger Sees steigt täglich an - derzeit liegt er bei knapp 98,80 Meter. Das ist rund ein Meter mehr als bei der Rutschung im Vorjahr, nach der dann die Sperrschilder am Ufer aufgestellt wurden. Schnellstmöglich soll der See auf 99 Meter angestaut werden.
Der Wasserstand des Senftenberger Sees steigt täglich an - derzeit liegt er bei knapp 98,80 Meter. Das ist rund ein Meter mehr als bei der Rutschung im Vorjahr, nach der dann die Sperrschilder am Ufer aufgestellt wurden. Schnellstmöglich soll der See auf 99 Meter angestaut werden. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Der Managementplan für die Insel im Senftenberger See ist fast fertig. Auch die September-Rutschung wird thematisiert. Von Jan Augustin

Die Sicherungsarbeiten an der Insel im Senftenberger See stoßen aus naturschutzfachlicher Sicht auf Ablehnung. Das geht aus dem Entwurf des Managementplans für die Insel hervor. Demnach stellen die aktuellen Arbeiten „erhebliche Eingriffe“ mit Wirkung auf Schutzziele und Schutzobjekte dar. Durch das Abtragen der Schüttrippen des ehemaligen Tagebaus und dem damit verbundenen Flächenverlust sei der Besiedlungsort der seltenen Strandling-Pflanze direkt beeinträchtigt. Auch werde die Standortvielfalt des Untergrunds verringert.

Nach der Rutschung an der Insel im September vorigen Jahres und der anschließenden Sperrung des kompletten Gewässers und des Ufers laufen die Sicherungsarbeiten im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft seit einigen Tagen. Bis zum Saisonstart im April soll der See wieder freigegeben sein. Vier eingesetzte Saugspülbagger tragen dabei täglich Erdmassen an den auch als Inselfinger bezeichneten Schüttrippen ab. Über Leitungen wird der Sand dann in tiefere Lagen des Sees gepresst. Die Unterwasserbereiche werden so inselumlaufend abgeflacht, das Rutschungs-Risiko minimiert.

Anfang Februar soll die endgültige Fassung des Managementplans fertig sein, um dann den Behörden als Entscheidungsgrundlage zu dienen. Das bestätigt Ulrich Schröder von der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, die das über 90 Seiten starke Papier über das Projekt Natura 2000 ausarbeitet. Das Problem dabei: Das Werk stellt den Status quo im Sommer 2018 dar, also vor der Rutschung. Nur ein kleines Kapitel am Ende beschäftigt sich mit dem unliebsamen Thema. Doch das hat es in sich. So steht dort etwa: „Zufällige, oft lokal begrenzte Prozesse wie horizontale Sedimentverlagerungen (Sanddrift), kleinere Rutschungen oder Uferabbrüche zur Schaffung offener, konkurrenzarmer Pionierstandorte sowohl am Ufer wie auch in den Wasserbereichen sind aus Sicht von Natura 2000 elementare, ausdrücklich erwünschte Effekte und sichern bzw. fördern die Schutzziele.“ Zudem hinterfragt das Werk die Auswirkungen auf die chemische Qualität des Wassers im Senftenberger See. „Im schlimmsten Fall wird sich der heutige günstige ökologische Zustand trotz der Durchleitung der Schwarzen Elster nicht wiedereinstellen und damit die Existenz des primären Schutzziels in Frage stellen“, heißt es weiter. Der Abtrag der Flachwassersedimente könnte zu einer „grundlegenden Verschlechterung des chemischen Zustandes“ des Sees führen.

Rutschung im Senftenberger See FOTO:

Ulrich Schröder von der Natura 2000-Managementplanung ist sich der Brisanz dieser Aussagen bewusst. „Da der Naturschutz nicht zum Selbstzweck existieren möchte, gilt es hier Kompromisse zu suchen“, sagt er. Unter den Aspekten der Gefahrenabwehr, der wasserwirtschaftlichen, fischereilichen und touristischen Nutzungen müsse man gemeinsam Lösungen finden.