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| 14:57 Uhr

Jagd und Naturschutz
Kleiner Fuchs bringt großen Ärger

Dank einer Wurmkur kam der kleine Fuchs schnell wieder auf die Sprünge.
Dank einer Wurmkur kam der kleine Fuchs schnell wieder auf die Sprünge. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Elke Faber
Peickwitz/Kleinkoschen. Ein bei Peickwitz gefundener Jungfuchs sorgt für Wirbel. Eine Jägerin päppelt das kranke Tier auf, um es für die Jagd auszubilden. Doch Tierschützer protestieren. Von Torsten Richter-Zippack

Vor einigen Tagen hat Marie S.* an der Straße zwischen Niemtsch und Peickwitz einen kleinen, erst wenige Wochen alten Fuchs entdeckt. „Er befand sich direkt an der Straße“, erzählt die Finderin, eine junge Frau aus Brieske. „Der Fuchs hob seinen Kopf. Der war komplett mit Fliegen und Maden übersät“, berichtet sie. Die Frau hat das Tier mitgenommen, um ihm zu helfen. Mehrere Tierärzte hat die Brieskerin kontaktiert, bevor sie an Elke Faber, die Vorsitzende des Jagdverbandes Senftenberg, vermittelt wurde. „Sie machte auf mich einen kompetenten Eindruck. Ich war richtig erleichtert“, sagt die Fuchs-Finderin. Elke Faber nahm sich des Tieres, einer jungen Fähe, an.

Wenige Stunden später, so erzählt die Brieskerin weiter, sei sie durch die Jägerin angerufen worden. Die habe ihr mitgeteilt, dass sich die Füchsin erholt habe und dass sie sich den Einsatz des Tieres in ihrer Hundeausbildungsanlage in Kleinkoschen vorstellen könne. Dabei handelt es sich um eine Schliefanlage, ein Röhrensystem unter der Erde. Dort werden Jagdhunde ausgebildet, um Füchse aus ihren Bauen zu treiben.

„Als ich das recherchiert hatte, läuteten bei mir die Alarmglocken“, berichtet die Fuchs-Finderin, die sich für den Tierschutz engagiert. Über das soziale Netzwerk habe sie sich an den Verein Wildtierschutz Deutschland gewandt. Das Gremium, das die Senftenberger Fähe auf den Namen Foxi getauft hat, fordert schon länger das Verbot der seiner Ansicht nach „sinnlosen Fuchsjagd“. Nicht näher zitierte wissenschaftliche Erkenntnisse werden als Begründung herangezogen. „Die Ausbildung von Jagdhunden mittels lebender Füchse ist gemäß diverser Gutachten als tierquälerisch einzuordnen“, erklärt Vereinsvorsitzender Lovis Kauertz.

Die Tierschützer haben eine Petition unter dem Motto „Freiheit für Foxi – Gegen Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen“ gestartet. Schlief­anlagen werden als „Guantanamo für Füchse“ bezeichnet. Guantanamo ist ein berüchtigtes US-Gefängnis auf Kuba. Mit Stand Donnerstag gab es bereits über 45 000 Unterschriften.

Jägerin Elke Faber, die gleichzeitig Vorsitzende des Jagdverbandes Senftenberg ist, erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht: „Richtig ist, dass ich den gefundenen Fuchs auf meinem Grundstück einquartiert hatte. Er bekam eine Wurmkur und wurde nach wenigen Stunden wieder munter“, berichtet die Waidgenossin, die bereits seit etwa 30 Jahren den Jagdschein besitzt. „Ich habe schon mehrere Füchse aufgepäppelt, beispielsweise Tiere, die im Großkoschener Familienpark gefunden worden waren“, erzählt Faber. Tatsächlich gab es die Idee, die junge Füchsin für die Schliefanlage auszubilden. „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, erklärt Elke Faber. „Die Jagdhunde, die dort für die Fuchsjagd fit gemacht werden, kommen an die Füchse gar nicht heran, sondern verbellen diese lediglich.“ Diese Aussage unterstützt Matthias Schannwell, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes (LJV) Brandenburg, voll und ganz: „Die Hunde sollen die Füchse tierschutzgerecht aus dem Bau treiben. Nur geprüfte Hunde dürfen letztlich zum Einsatz kommen.“ Nach Angaben des Verbandes existieren in Brandenburg etwa 13 Schliefanlagen.

Indes bezeichnet Schannwell die Senftenberger Fuchsgeschichte als „sehr abenteuerlich“. Zum einen, weil die Tierschützer eine „beispiellose Hetzkampagne“ gegen eine erfahrene Jägerin losgetreten hätten. Zum anderen, weil sich die Finderin des Fuchses strafbar gemacht habe. „Nur der dort Jagdausübungsberechtigte darf sich das Wild aneignen. Alles andere fällt unter Wilddieberei“, erklärt Matthias Schannwell.

Indes befindet sich der Fundfuchs nicht mehr bei Elke Faber, sondern in der Wildtierauffangstation in Oranienburg bei Berlin. „Dort wird die Fähe weiter gesund gepflegt und anschließend in die freie Wildbahn entlassen“, sagt Elke Faber.

Trotz dieser Nachricht läuft die Petition des Vereins Wildtierschutz Deutschland weiter. Ein Punkt, der die versierte Jägerin besonders ärgert: „Wir lassen uns nicht in Misskredit bringen und prüfen rechtliche Schritte.“

Mitinitiator Lovis Kauertz sagt hingegen, dass die Petition bis auf Weiteres fortgeführt werde, allerdings mit inhaltlichen Änderungen, Schwerpunkt „Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen“.

*Name geändert