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Senftenberger See
Kleine Waldbühne gute Adresse

Die Fete endet nie: Das Musical mit den großen Hits der 80er hat den Amphi-Kessel am Senftenberger See gefüllt und kochen lassen.
Die Fete endet nie: Das Musical mit den großen Hits der 80er hat den Amphi-Kessel am Senftenberger See gefüllt und kochen lassen. FOTO: Steffen Rasche / FOTOGRAFIE RASCHE
Großkoschen. „Das Dschungelbuch“ ist der Rekordhalter der Sommersaison im Amphitheater. So viel ist jetzt schon sicher: Das Stück steht auch 2018 wieder auf dem Spielplan am Senftenberger See. Von Heidrun Seidel

Immerhin hatten Mogli und seine Freunde mit mehr als 700 Zuschauern den Besucherrekord einer Einzelveranstaltung des 2017er-Theatersommers am Senftenberger See gebrochen – und damit der Nachfrage nicht einmal gerecht werden können.

Die Vorstellung im Juli gehört somit zu den 21 komplett ausverkauften Theaterabenden des Sommers. Karten für Götz Alsmann mit seinen jazzig aufgepeppten italienischen Schlagern waren ebenso begehrt wie die für die schon legendären Amphitheater-Rocker „Night Fever“ mit ihrem Bee-Gees-Cover-Programm an gleich zwei Abenden. Und natürlich Tatort-Star Jan Josef Liefers mit seinem begeisternden Radio-Doria-Open-Air.

Auch die Vorstellungen des Dresdner Boulevardtheaters haben das Publikum wieder in das Rundtheater strömen lassen, ob bei der Hexe Baba Jaga, dem Doktor, dessen Kanüle klemmt oder dem Pastor, dessen Hose rutscht. Dagegen gab es auch Theaterabende, an denen die ausgebliebenen Zuschauer durchaus etwas verpasst haben: Warum die Ränge bei Kabarett-Legende Thomas Freitag, dem Police-Sting-Tribute-Programm „Regatta meets Sting“ und der Central Park Band mit Simon&Carfunkel-Musik eher luftig besetzt waren, kann sich Andreas Stanicki nicht erklären. Auch das unglaubliche Geschick, dass das GlasBlasSing-Quintett aus Berlin bei der Volle-Pulle-Flaschenmusik bewiesen hat, hätte noch ein paar Zuschauer mehr vertragen können, wie auch die qualitativ ansprechenden A-capella-Medleys aus Dresden. „War es der kühle August oder das frühe Ende der Sachsen-Ferien“, fragt sich Stanicki nach Antworten.

Dennoch kann sich die Besucherzahl auch 2017 wieder sehen lassen. Mit 29 000 Zuschauern – von 70 300 des Theaters insgesamt – ist zwar der Vorjahresrekord von 30 300 knapp verfehlt, aber das bisher zweithöchste Ergebnis erreicht – und das mit einer Vielfalt an Angeboten, die sehr unterschiedliche Publikumsinteressen und Altersgruppen gerecht wird und gleichzeitig auch dem erwarteten Sommertheatergefühl, also Unterhaltung mit leichterer Kost und viel Musik, entsprechen.

So hat sich ein Stammpublikum vor allem aus der näheren Umgebung herausgebildet, das mehrere Veranstaltungen in den knapp 15 Sommerwochen besucht. Finanziell hat ihnen das wieder die Amphi-Card erleichtert. Für eine Gebühr von 30 Euro können die Besitzer mit einer Begleitperson für die meisten Vorstellungen und für das Spektakel zum Spielzeitauftakt mit 25 Prozent Ermäßigung rechnen. Neben den Stammgästen aus der sächsischen und brandenburgischen Region entdecken aber auch immer öfter Besucher die Spielstätte am See, die eine weitere Anreise in Kauf nehmen, wenn sie ihre Lieblingskünstler sehen wollen.

Das trifft beispielsweise auf die Fans der 17 Hippies, von Götz Alsmann, Ex-Puhdy Maschine oder natürlich auch Jan Josef Liefers zu. Die stellen dann wie ihre Idole oft erstaunt fest, dass das Amphitheater zum „brodelnden Hexenkessel“ werden kann, wie es Kiki Sauer von den 17 Hippies begeistert nennt; dass die Atmosphäre einer „kleinen Waldbühne“ standhält, wie Jan Josef Liefers sein Gefühl beschreibt; oder, „dass hier eine tolle Umgebung, ein tolles Theater und ein fantastisches Programm“ geboten werden, wie Götz Alsmann anerkennt.

Vermutlich wäre die Besucherzahl noch höher gewesen, wenn die Eigenproduktion der neuen Bühne 2017 nicht ins Wasser gefallen wäre. Nun wird hoffentlich die MS Madagaskar II im nächsten Amphi-Sommer in See stechen können und das Theater somit auf seiner eigenen Spielstätte auch eine eigene neue ansprechende Inszenierung bieten, wie es die Besucher gewohnt sind, seit die Neue Bühne im Jahr 2008 die Programmgestaltung in die eigenen Hände genommen hat.

Darüber hinaus hat Andreas Stanicki schon wieder interessante Programme in Sack und Tüten: So werden neben beliebten und bewährten Künstlern der vergangenen Sommer im Jahr 2018 in Gedenken an Manfred Krug seine Tochter und Tatort-Partner Charles Brauer zu Gast sein, ebenso wie Axel Prahl und Andreas Dresen oder Kabarettist Florian Schroeder. Die Liebhaber der Musik der Kelly-Familie können sich auf Angelo Kelly in der kommenden Saison freuen.