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Kleine Kapelle erfüllt vom Glauben aller Konfessionen

Ute Mittermaier hat gemeinsam mit ihrem Mann die Viktoria Kapelle gekauft. Sie wollen das Gotteshaus weiterhin mit Leben füllen und laden zum Tag der Deutschen Einheit zur ökumenischen Andacht.
Ute Mittermaier hat gemeinsam mit ihrem Mann die Viktoria Kapelle gekauft. Sie wollen das Gotteshaus weiterhin mit Leben füllen und laden zum Tag der Deutschen Einheit zur ökumenischen Andacht. FOTO: Anja Brautschek
Schwarzheide-Ost. Senftenbergerin kauft Kirchenbau in der Viktoria-Siedlung vor zehn Jahren – auch für ökumenische Andacht am Tag der Deutschen Einheit. Anja Brautschek

Farbige Lichtstrahlen fallen durch die reich verzierten Fensterscheiben der Viktoria-Kapelle in Schwarzheide-Ost ein. Die Wände sind in schlichtem Weiß gehalten. Umso mehr werden die Blicke auf die kunstvoll gestaltete Holzdecke gezogen. Sie wurde vom Malermeister Richard Bruntsch aus Schwarzheide-Ost mit einer Schablonentechnik bemalt. Ute Mittermaier steht in der Mitte der Kapelle und gerät ins Schwärmen: "Im Prinzip ist das ein Glaubensbekenntnis. In jeder Ecke entdeckt man andere Symbole der Bibel."

Die Rechtsanwältin hat die Kapelle gemeinsam mit ihrem Mann Ernst Mittermaier 2007 gekauft. Eher zufällig haben sie das Gotteshaus entdeckt und sich sofort in den Bau verliebt. "Mein Mann meinte noch eher scherzhaft: Wir können die Kapelle kaufen", so die Senftenbergerin. Aber aus der fixen Idee wurde Wirklichkeit. Die Familie investierte eine fünfstellige Kaufsumme, um das Gebäude nicht weiter verfallen zu lassen. Damals war es noch in einem desolaten Zustand. Das Dach war undicht. Die besondere Holzdecke drohte, dadurch zu zerfallen.

Die Familie ließ das Dach neu decken und den Glockenturm reparieren. Alles wurde aus privater Hand - ohne Fördermittel - finanziert. "Ein Anwohner war zu Tränen gerührt, als Neujahr erstmals seit 30 Jahren wieder die Glocken geläutet haben. Diese Erfahrungen sind Dank genug für uns", sagt Ute Mittermaier. Noch immer ist viel an der Viktoria-Kapelle zu tun. Die Dämmung muss erneuert und das Fundament überprüft werden. Jahr für Jahr arbeitet die Familie die Liste ab. Aufgeben werden sie nicht.

"So etwas ist immer ein Stück Identität eines Ortes. Ich möchte es weiterhin mit Leben füllen", so die 52-Jährige. Deshalb wird die Kapelle nicht umgebaut, sondern weiter von der christlichen Gemeinde genutzt.

Ute Mittermaier ist vor allem von der Geschichte der Kapelle fasziniert. 1922 wurde der Kirchbau vom jüdischen Hauptaktionär der Braunkohle, Ignacz Petschek, erbaut. Die Kapelle wurde für die Bergarbeiter der Ilse Bergbau AG evangelisch gewidmet - ein Zeichen von Respekt und Toleranz. Nun ist die Kapelle in privaten Besitz einer katholischen Familie. Durch diese Hintergründe stand für Mittermaiers von Anfang an fest: Gottesdienste soll es in der Viktoria-Kapelle für alle Konfessionen geben. "Uns alle eint der Glaube an Gott. Warum dann auch nicht eine gemeinsame Andacht", sagt sie. Seit 2012 organisiert sie zwei Mal im Jahr - am 3. Oktober und 1. Mai - eine ökumenische Andacht in der Viktoria-Kapelle. Jedes Mal sind dabei evangelische und katholische Pfarrer involviert. Und das Angebot findet Resonanz. Rund 70 Gäste besuchen dann die Kapelle. "Ich habe jedes Mal Angst, dass niemand kommt und bin dann immer überwältigt", so die Katholikin.

Gerade im Reformationsjahr will sie Gemeinsamkeiten der Konfessionen besonders hervorheben. Im Mittelpunkt der diesjährigen Andacht steht daher die Liebe zu Gott. Ute Mittermaier hofft wieder auf volle Bänke. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die Kapelle zum Leben erweckt und mit Musik erfüllt wird", beschreibt die Eigentümerin.

Zum Thema:
Die ökumenische Andacht findet am Dienstag, 3. Oktober, in der Viktoria-Kapelle in Schwarzheide-Ost, Parkstraße 4, statt. Los geht es um 11 Uhr.Thema ist zum Tag der Einheit die gemeinsame Liebe zu Gott.