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| 16:04 Uhr

Guteborns Eltern wegen Lehrer-Not auf den Barrikaden
Klassenleiter-Chaos hat ein Ende

Soviel Unterstützung beim Matheunterricht haben die Fünftklässler der Guteborner Grundschule normalerweise nicht. Beim Potenzieren und Berechnen von Quadratzahlen wurden sie vor dem Start in die Winterferien unterstützt von Schulleiterin Kathrin Richter (l.), Klassenleiterin Jördis Heymann und Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben (r.).
Soviel Unterstützung beim Matheunterricht haben die Fünftklässler der Guteborner Grundschule normalerweise nicht. Beim Potenzieren und Berechnen von Quadratzahlen wurden sie vor dem Start in die Winterferien unterstützt von Schulleiterin Kathrin Richter (l.), Klassenleiterin Jördis Heymann und Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben (r.). FOTO: Steffen Rasche
Guteborn. Die Lehrer-Not hat Guteborns Eltern auf die Barrikaden gebracht und einen Protest bis hin zum Bildungsminister ausgelöst. Nach vier Schuljahren mit Klassenleiter-Odyssee sind Guteborns Fünftklässler jetzt erstmals in festen Händen. Von Andrea Budich

Von Andrea Budich

Ihre Grundschulzeit stand unter keinem guten Stern. Die Klassenleiterinnen kamen und gingen. Schwangerschaften und Vertretungslehrer gaben sich die Klinke in die Hand. Der ständige Wechsel brachte Unruhe und alles andere als Kontinuität in den Grundschulalltag. Dass Guteborns Fünftklässer nach vier turbulenten Schuljahren jetzt endlich in festen Händen sind, macht Eltern, Kinder und Direktorin gleichermaßen glücklich.

Dabei war der Guteborner Fall so extrem, dass er die Eltern geschlossen auf die Barrikaden gebracht hat. „Unser Biss und die Entschlossenheit haben sich ausgezahlt“, sind sich die Eltern einig. Damit der ständige Lehrerwechsel ein Ende hat, schalteten Schulkonferenz und Elternsprecher sogar Brandenburgs Bildungsminister ein. Am Ende hatte das Staatliche Schulamt Cottbus ein Einsehen für die schwierige Situation der Klasse. Die den Kindern bereits als Vertretungslehrerin bekannte Pädagogin Jördis Heymann aus Schwarzheide erhielt für die Schuljahre 5 und 6 eine befristete Abordnung nach Guteborn.

Seitdem gehen Guteborns Fünftklässler wieder gern zur Schule. „Sie haben jetzt eine feste Klassenleiterin, die sie bis zum Ende der Grundschulzeit begleitet“, bestätigt Guteborns Schulleiterin Kathrin Richter. Zur Schule gehen Justin, Paula, Emil, Jolie, Timo und Noel jetzt sogar so gerne, dass sie nichts dagegen haben, auch mal die letzten im Haus zu sein. Beim gemeinsamen Kinonachmittag mit dem Film „Spuk unterm Riesenrad“ mit ihrer Klassenleiterin war das so. Auch die Klassenfahrt zu den Schokoladenmachern nach Hornow im Januar hat alle noch mehr zusammengeschweißt. „Wir haben uns gemeinsam zu einem starken Klassenkollektiv entwickelt, in dem jeder dem anderen hilft und beisteht“, freut sich Klassenleiterin Jördis Heymann zum Ende des ersten Schulhalbjahres.

Davon konnte sich bei einer Probestunde auch CDU-Landtagsabgeordneter Ingo Senftleben überzeugen, der die Eltern in ihrem Anliegen unterstützt hatte. Was den Politiker besonders freut, ist die kleine Klassenstärke von nur 15 Fünftklässlern. „So macht das Lernen Spaß“, outete er sich in Guteborn als Verfechter auf Landesebene von kleinen Grundschulklassen, in denen nicht mehr als 23 Kinder sitzen sollten.

Auch zur Brandenburger Lehrer-Not, die immer wieder zu solchen Extrem-Beispielen wie in Guteborn führt, hat Ingo Senftleben im Lehrerzimmer klare Position bezogen. „Die Politik muss hier eindeutig mehr tun“, fordert der CDU-Fraktionschef. Dazu gehöre die Ausbildung im eigenen Land. Und Senftleben warnt davor zu meinen, dass der Brandenburger Lehrermangel ausschließlich mit Seiteneinsteigern lösbar sei.