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| 19:30 Uhr

Naturschutz im Oberspreewald-Lausitzkreis
Kittlitzer ist zum Nestbauer berufen

Ausflüge führten Bernd Elsner und Seelenverwandte bereits an die in Luckaitztal gelegenen Skeinzteiche, einem Aktionsprojekt des Nabu-Regionalverbandes Calau, wo Elsner über Entwicklungen informierte.
Ausflüge führten Bernd Elsner und Seelenverwandte bereits an die in Luckaitztal gelegenen Skeinzteiche, einem Aktionsprojekt des Nabu-Regionalverbandes Calau, wo Elsner über Entwicklungen informierte. FOTO: Uwe Hegewald
Kittlitz. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Bernd Elsner (Kittlitz). Von Uwe Hegewald

Als vor wenigen Wochen den Mitgliedern des neu formierten Naturschutzbeirats im Landkreises Oberspreewald-Lausitz die Berufungsurkunden übergeben wurden, hatte Bernd Elsner so eine Vorahnung. „Ich vermute, dass bei der Wahl zum Vorsitz wieder meine Person ins Spiel gebracht wird“, prophezeite der alte und schließlich wiedergewählte Vorstand bereits wenige Tage zuvor.

Vertrauensbeweis hin oder her – eigentlich ist der in Kittlitz (Stadt Lübbenau) lebende Naturschützer selbst ein wenig „schuld“ daran, immer mal wieder auf den Thron verantwortungsvoller Posten gehoben zu werden. Mit dem Eintritt in den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am 1. September 1991 erklärte er sich frühzeitig bereit, Engagement für den regionalen Schutz von Flora und Fauna zu leisten. Insbesondere der Großvogelschutz wuchs ihm ans Herz, was sich auch mit beruflichen Verbindungen erklären lässt. „Als Bauleiter (Meister) bei der Energieversorgung hatte ich das Ressort Großvogelschutz unter mir“, erzählt der 62-Jährige.

Ein „Nestbauer“ sei er, in Anlehnung an das Errichten von vielen Nisthilfen für Störche, bei denen er bisher mitgewirkt hat.

Als Charaktervogel der Lausitz lässt Adebar den inzwischen pensionierten Bernd Elsner nicht los. Regelmäßig ist er im Vetschauer Weißstorchzentrum anzutreffen, dem Sitz des Nabu-Regionalverbandes Calau, wo der Kittlitzer als ehrenamtlicher Geschäftsführer tätig ist.

Das Weißstorchzentrum war auch Treffpunkt der 250. Beiratssitzung des 1994 gegründeten Naturschutzbeirates, inklusive Start in die fünfte Amtsperiode des Gremiums. „Besonders gefreut hat mich, dass wir mit Alexander Hoschke (Boblitz) und Lucas Lütke Schwienhorst (Ogrosen) zwei junge Naturschützer gewinnen konnten“, blickt Bernd Elsner zurück. Insider wissen, dass es insbesondere seine Verdienste waren, die zwei jungen Männer ins (Naturschutzbeirats)Boot zu holen. Nestbauer eben.

Elsner verkörpert noch die alte Schule von Diplomaten. Stur und kompromisslos an Meinungen festzuhalten, ist nicht sein Ding. Mit der Philosophie „leben und leben lassen“ sei er sprichwörtlich immer gut gefahren. Auch habe er keinen Zorn auf den Wolf, der wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2011 zwei seiner Kamerunschafe gerissen hat. Trotz Elektrozaun. „Die Schafe kommen abends jetzt immer in einen sicheren Verschlag“, so der Naturschützer.

Dessen Tierliebe erstreckt sich gleichermaßen auf Nutz- und Wildtiere. Auch suche er nach Lösungen, wenn Veranstaltungen von Kulturschaffenden mit dem Naturschutz kollidieren. Schlagwort: „Rock in Wotschofska“. „Rockkonzerte in einem Biosphärenreservat und FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) gehen eigentlich gar nicht“, führt er an. Das zurückliegende Konzert habe er sich vor Ort angeschaut und einen persönlichen Überblick von dem Konzert sowie der An- und der Abreise in dieses sensible Gebiet verschafft. „Es lief alles in allem sehr seriös ab. Einziger nennenswerter Punkt, über den gesprochen werden muss, ist das Datum“, erklärt er und regt eine Verschiebung in den Monat August an. „Dann sind die Jungvögel aus ihren Nestern“, begründet er den Vorschlag.

Seine Lösungsvorschläge habe er in einer Stellungnahme festgehalten, von denen er jährlich mehrere verfasst. Immer wieder treten Behörden an den Beirat heran, um sich von den Naturschutzmachern eine zweite Meinung einzuholen. „Da unsere Mitglieder in vielen Bereichen Fachkompetenz besitzen und ein reger Wissensaustausch erfolgt, können wir bei Anfragen helfen“ skizziert Bernd Elsner das Aufgabenfeld des Gremiums. Zu den Schwerpunkten zählten unter anderem forst- und landwirtschaftliche Belange, denen sich der „Zwölferrat“ stellt. Ob Bedenken verstanden und Empfehlungen umgesetzt werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Ein Blick auf die Pinnwand im Büro von Bernd Elsner erlaubt einen Blick in die Seele des Kittlitzers. Gleich mehrere Zettel mit Redewendungen schmücken die Tafel, darunter der Spruch: „Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: Die Natur.“ Gemeint ist die fast schon wildwuchsartige Zunahme von Windkraftanlagen, denen Bernd Elsner immer dann skeptisch gegenübersteht, wenn diese wertvolle Lebensräume der Flora und Fauna zerstören. Er mahnt deshalb zu besonnenen Handeln, um vollzogene Schritte in 20 Jahren nicht bereuen zu müssen.