Ab Mittwoch, 18. März 2020, haben Tausende Eltern im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ein Betreuungsproblem: Alle Schulen und Kindertagesstätten sind vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April geschlossen. Nur Eltern, die in der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten, haben einen Anspruch auf Betreuung – allerdings auch nur, wenn sie alleinerziehend sind oder beide Elternteile dort arbeiten.

Notgruppen in jeder Kita

Die Bürgermeister und Amtsdirektoren haben sich mit Landrat Siegurd Heinze (parteilos) aus Infektionsschutzgründen darauf verständigt, in allen Kitas Notfallgruppen einzurichten. Wie groß diese Gruppen tatsächlich sind, wird sich aber erst am Mittwochmorgen entscheiden, wenn die berechtigten Eltern ihre Kinder zur Notfallbetreuung anmelden. Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) geht bei 600 Kita-Kindern in der Seestadt davon aus, dass rund 60 Kinder in den Notgruppen der sechs Kindereinrichtungen zu betreuen sein werden.

Dorfkita in Meuro bleibt zu

Erste Rückmeldungen, wie viele Kinder in den fünf Gemeinde-Kitas verbleiben, hat es am Dienstagnachmittag bereits in der Großgemeinde Schipkau gegeben. Laut Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) handelt es sich „um ein verträgliches Maß“. Für den Dorfkindergarten in Meuro gibt es bisher gar keinen signalisierten Betreuungsbedarf für den Notfall. Ungeklärt aus Schipkauer Sicht ist indes der Einsatz der zwei Tagesmütter.

Einen spannenden Mittwochmorgen mit viel Zündstoff erwartet auch Ruhlands Amtsdirektor Christian Konzack. In normalen Zeiten besuchen im Amt rund 400 Kindergartenkinder die sechs Einrichtungen. Der Amtsdirektor vermutet, dass zwischen 15 bis 20 Prozent davon für die Notbetreuung angemeldet werden.

Kein Ermessensspielraum

In Schipkau haben die ersten Eltern schon mit dem Arbeitsgericht gedroht, im Falle, dass ihre Kinder nicht mehr betreut werden. „Wir haben da aber keinerlei Ermessensspielraum“, stellt Ruhlands Amtsdirektor Konzack klar. Ansonsten laufen die Kommunen Gefahr, dass die Kitas komplett geschlossen werden müssen. Großräschens Stadtoberhaupt Thomas Zenker bittet die betroffenen Eltern schon im Vorfeld um Verständnis. „Es kommt definitiv zu Einschränkungen. Das ist unumgänglich“, sagt er. Zur Sicherheit und zur Deeskalation der Lage werden in Großräschen den Kita-Leiterinnen am Mittwochmorgen Verwaltungsmitarbeiter an die Seite gestellt. In Schipkau wollen Bürgermeister Prietzel und seine Stellvertreterin ab 6 Uhr morgens im Rathaus in Bereitschaft sein, um notfalls die Kita-Leiterinnen argumentativ zu unterstützen.

Senftenberg sichert die Einrichtung von Notgruppen auch in den Dorf-Kindergärten in Hosena, Großkoschen und Brieske ab. Eine gewisse Unsicherheit melden Bürgermeister und Amtsdirektoren zum Umgang mit den Hortkindern. Deren Notbetreuung soll laut Bildungsministerium durch die Schulen erfolgen. Das Amt Ruhland will zur Sicherheit Horterzieherinnen in Bereitschaft halten.