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| 17:16 Uhr

Senftenberg feuert Warnschuss nach Potsdam ab
Kita-Streit mit Trillerpfeif-Konzert

Der Warnschuss aus Senftenberg zum Kita-Streit ist am Dienstagvormittag laut und bunt von knapp 300 Kindern, Eltern und Erzieherinnen abgefeuert worden. Das Signal war eindeutig: „Die Politik muss handeln. Betreuungszeiten von bis zu zehn Stunden gehören dringend ins Kita-Gesetz“, fordert Fröbel-Regionalgeschäftsstellenleiterin Cornelia Klett am Megaphon.
Der Warnschuss aus Senftenberg zum Kita-Streit ist am Dienstagvormittag laut und bunt von knapp 300 Kindern, Eltern und Erzieherinnen abgefeuert worden. Das Signal war eindeutig: „Die Politik muss handeln. Betreuungszeiten von bis zu zehn Stunden gehören dringend ins Kita-Gesetz“, fordert Fröbel-Regionalgeschäftsstellenleiterin Cornelia Klett am Megaphon. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg/Sedlitz. Sedlitzer Eltern-Initiative hat den Protest für eine ausreichende Kita-Finanzierung am Dienstag lautstark auf Senftenbergs Straßen gebracht. Heute rollen Busse zum Landtag nach Potsdam. Von Andrea Budich

Diese Frau hat den Senftenberger Kita-Protest auf die Straße gebracht: Susanne Brösel (35) wollte einen öffentlichen Spaziergang vom Senftenberger Neumarkt zum Rathaus und zum Landratsamt organisieren, damit der Kita-Streit mit dem Land nicht nur hinter abgeschlossenen Kita-Türen an der Öffentlichkeit vorbei ausgetragen wird. Am Dienstag sind knapp 300 Menschen zum Treffpunkt geströmt, um ein klares Signal nach Potsdam zu senden: „Es reicht, die Schmerzgrenze ist erreicht. Unsere Kitas brauchen dringend mehr Personal!“

Wenn Susanne Brösel morgens, gegen 7 Uhr, ihren Sohn Carl in die Sedlitzer Kita bringt, dann wird der Vierjährige von einer Erzieherin in Empfang genommen, die als Einzelkämpferin den Frühdienst managt. „Um die langen Betreuungszeiten bis in die Abendstunden abzusichern, muss das Personal besonders morgens und abends ausgedünnt die Stellung halten“, erklärt Kita-Chefin Ines Kühne.

Um ihren Job in einer Behörde in Cottbus machen zu können, braucht Susanne Brösel auch auf Grund des fast einstündigen Fahrweges von Sedlitz nach Cottbus mindestens eine Betreuungszeit von acht Stunden für ihren Sohn Carl. Und auch das funktioniert nur, weil ihr Partner verkürzt arbeitet.

So, wie Familie Brösel aus Sedlitz mit zwei Verdienern und zwei Kindern, geht es vielen jungen Senftenberger Familien. „Mit Betreuungszeiten unter acht Stunden bekommen sie ihren Alltag mit Job, Fahrwegen und Kindern nicht gestemmt“, bestätigt Cornelia Klett. Die Fröbel-Regionalgeschäftsstellenleiterin in der Lausitz betont, dass die aktuellen Reglungen im Kita-Gesetz längst nicht mehr die Realität in vielen Kindertagesstätten widerspiegeln. „Mit gleichem Personal immer längere Betreuungszeiten abzudecken, das funktioniert nicht ohne spürbaren Qualitätsverslust in den Randzeiten“, sagt sie.

Unterm Strich fehlen in den fünf Fröbel-Kitas in Senftenberg mit 546 Kindern zweieinhalb Erzieherinnen-Stellen in Vollzeit. „Stattdessen strecken wir das Personal aus der Not heraus über die langen Betreuungszeiten“, erklärt Klett, die selbst 20 Jahre lang in Senftenberg einen Kindergarten geleitet hat und daher genau weiß, worüber sie spricht.

Dabei ist die Rechnung ganz einfach. Umso mehr Erzieherinnen für die Nachmittagsstunden gebraucht werden, um lange Betreuungszeiten abzudecken, umso weiter verschlechtert sich das Fachkraft-Kind-Verhältnis über den ganzen Kindergarten-Tag. Worüber sich die Lausitzer Fröbel-Chefin am meisten ärgert, ist die Ausrede der Landesregierung, es gebe zum Bedarf der längeren Betreuungszeiten keine Erhebungen. „Das stimmt so nicht und zeugt von großer Ignoranz“, sagt sie und verweist zugleich auf knallharte Fakten aus einer Erhebung der LIGA der freien Wohlfahrtspflege. Allein danach haben in Cottbus aus elf Fröbel-Häusern mehr als die Hälfte der Kinder erhöhte Betreuungsverträge. In Senftenberg ist das Bild mit einer Quote von 57 Prozent beinahe identisch.

Dem Kita-Protest angeschlossen hat sich am Dienstag beim Marsch durch Senftenberg auch Kreis-
stadt-Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Die Kommune ist selbst Träger der beiden Kitas in den Ortsteilen Hosena und Großkoschen und von der Personalnot gleichfalls betroffen. „In den Ortsteilen ist die Quote der Kinder mit langen Betreuungszeiten besonders hoch“, bestätigt der Chef des Senftenberger Bildungsamtes, Falk Peschel.