Margitta Doch ist eigentlich nach Schwarz zumute. In der schlaflosen Nacht hat sie es sich aber noch einmal anders überlegt. Beim Termin mit Senftenbergs Bürgermeister und Pressevertretern tags darauf trägt sie eine weiße Bluse mit bunten Blumen. Die Wehmut ist ihr trotzdem ins Gesicht geschrieben: Die 63-Jährige gibt nicht weniger als ihren Rückzug aus dem Geschäft bekannt: „Die Entscheidung zu sagen, ich möchte das Unternehmen nicht mehr weiterführen, ist nicht von einem Tag auf den anderen geschehen. Aber ich selbst habe für mich die Reißleine gezogen“, sagt sie.
Margitta Doch ist das Gesicht der Kita Froggi in Senftenberg. Vor 19 Jahren hat sie die Einrichtung selbst aus der Taufe gehoben. Heute flitzen hier 68 Kinder durch die Räume und Flure. Die Kita mit dem in Senftenberg einzigartigen Kneipp-Konzept ist auch wegen ihrer großzügigen Betreuungszeiten beliebt. Aktuell können Kinder zwischen 6 und 19 Uhr abgegeben werden. Es gibt sogar Abendbrot.

Vor Corona konnten Kinder in der Senftenberger Froggi-Kita übernachten

Vor Corona konnte die Kita noch flexibler öffnen. Die Kinder durften hier auch übernachten, während die Eltern Nachtschicht im Klinikum Niederlausitz hatten. „Das war mein Markenzeichen“, weiß die Kita-Chefin.
Aber die Pandemie hat Margitta Doch schwer zu schaffen gemacht. Sie selbst war an Corona erkrankt. Viele Mitarbeiterinnen sind ausgefallen, weil es auch sie erwischt hat. Trotzdem war die Kita immer geöffnet, der Lohn immer bezahlt. Und dann ist da noch die viele Zeit, die Margitta Doch „ganz nebenbei“ für die Pflege ihrer eigenen Eltern und Schwiegereltern aufgebracht hat. „Das alles hat mir schlaflose Nächte bereitet und ich habe gemerkt, jetzt geht bei mir die Luft aus“, sagt sie ehrlich und emotional aufgewühlt.
Jetzt hat Margitta Doch einen Schlussstrich gezogen. Den Betreibervertrag mit der Stadt Senftenberg hat sie außerordentlich schon gekündigt. Eigentlich wollte sie ihn Mitte 2023 einfach auslaufen lassen. Jetzt aber soll es viel schneller gehen.

Senftenberg

Stadt will kommunalisieren und Träger der Kita Froggi werden

Eltern und Kinder können aufatmen. Denn das Aus für die Kita bedeutet das nicht. Nur muss ein neuer Träger gefunden werden. Und hier kommt die Stadt Senftenberg ins Spiel. Margitta Doch würde ihr Haus gern in deren Hände legen. Nichts dagegen hätten Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) und Bildungsamts-Leiter Falk Peschel. „Die Kita ist ganz wichtig für die Stadt“, betont das Stadtoberhaupt.
Über den Antrag aus der Verwaltung entscheiden letztlich aber die Stadtverordneten. Das Thema steht aktuell in den Ausschüssen zur Diskussion. Abgestimmt werden soll in der nächsten Ratsrunde am 6. Juli. Die Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt soll dann schnellstmöglich über die Bühne gehen.

Was ändert sich für die Familien und Mitarbeiter der Kita Froggi?

Für die Eltern und Kinder wird der Wechsel indes kaum spürbar werden. Die Eltern sollen es gar nicht merken – nur Leiterin Margitta Doch werde nicht mehr in der Einrichtung sein, sagt Bürgermeister Fredrich. Die aktuell zehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen von der Stadt per Betriebsübergang übernommen werden. Das bedeutet, dass die Stadt in die Rechte und Pflichten der bestehenden Arbeitsverhältnisse eintritt.
Als der Termin mit den Journalisten und den Stadtvertretern sich dem Ende nähert, gelingt Margitta Doch auch wieder ein Lächeln. Und so richtig nach einem Abschluss klingt ihr Fazit auch nicht: „Ich will einfach nicht mehr in der ersten Reihe stehen. Aber ich werde immer für meine Kita brennen.“
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Stadt Senftenberg plant einen Hort an der Grundschule am See

In der Stadt Senftenberg gibt es derzeit insgesamt 15 Kindergärten und Horte. Weil in der Stadt mittlerweile viele ukrainische Familien mit ihren Kindern leben, soll an der Grundschule am See demnächst ein weiterer Hort zeitlich befristet seinen Betrieb aufnehmen.
Die meisten der Einrichtungen werden von freien Trägern wie die Arbeiterwohlfahrt oder Fröbel betrieben. Drei Häuser sind bisher kommunal: der Hort in Hosena und die Kitas „Bienenschwarm“ und „Seekobolde“.
Trotz massiver Proteste aus der Elternschaft wird nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Fröbel-Hort „Mittendrin“ im Sommer kommenden Jahres in die Trägerschaft der Stadt überführt. Noch in diesem Jahr soll die „Kinder-Insel Froggi“ kommunalisiert werden. Einrichtungsleiterin Margitta Doch hat den Betreibervertrag mit der Stadt wegen der hohen Arbeitsbelastung aus gesundheitlichen Gründen außerordentlich gekündigt.