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Kita-Chefinnen im Gruppendienst

Im Fröbel-Kindergarten "Musikus" in Senftenberg geben die Knirpse den Ton an. Auf dem Foto mit den Erzieherinnen Marita Dommaschk (r.) und Silke Hain. Wenn zum 1. August die Verbesserung des Krippen-Personalschlüssels kommt, dann haben die Musikus-Erzieherinnen 23 Wochenstunden mehr Zeit für die Kinder.
Im Fröbel-Kindergarten "Musikus" in Senftenberg geben die Knirpse den Ton an. Auf dem Foto mit den Erzieherinnen Marita Dommaschk (r.) und Silke Hain. Wenn zum 1. August die Verbesserung des Krippen-Personalschlüssels kommt, dann haben die Musikus-Erzieherinnen 23 Wochenstunden mehr Zeit für die Kinder. FOTO: Steffen Rasche/str1
Klettwitz. Das Freistellen der Kita-Chefinnen für ihre Leitungsaufgaben und ein daraus resultierender besserer Personalschlüssel für Krippen, Kindergärten und Horte sind die zentralen Forderungen der Regionalkonferenz zur Kindertagesbetreuung am Freitag in Klettwitz. Andrea Budich

"Für uns ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein." Mit diesem Kommentar beurteilt Fröbel-Fachberaterin Katharina Hummel aus Senftenberg die von der Landesregierung in Aussicht gestellte schrittweise Verbesserung des Personalschlüssels zur Betreuung der Krippenkinder von derzeit 1:6 auf 1:5 bis zum Sommer 2016. Für die Fröbel-Kita "Musikus" in Senftenberg hat sie es schon mal durchgerechnet. Dort werden 104 Kinder betreut, darunter 40 unter Dreijährige. Mit dem neuen Schlüssel stehen 23 Wochenstunden mehr auf dem Papier. Der Personalschlüssel würde sich jedoch spürbarer verbessern, wenn die Kita-Chefinnen für ihre Leitungsaufgaben freigestellt werden. "Wenn sie in den Gruppen sitzen, können sie ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachkommen und nehmen den Erzieherinnen die Stunden weg", erklärt die Fachberaterin.

Ganz nach oben auf die Verbesserungsliste setzt auch Jana Benz das Freistellen der Kita-Leiterinnen und einen besseren Personalschlüssel. Sie selbst ist Chefin im Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt an der Hörlitzer Straße von Senftenberg. Ihr stehen am Tag zwei Stunden zur Verfügung, um für die Betreuung von 90 Kindern alles zu managen und ihr pädagogisches Team fachlich anzuleiten. "Der Personalschlüssel wird automatisch erhöht, wenn wir uns auf unsere eigentlichen Aufgaben konzentrieren könnten", so die Kita-Leiterin.

Für die Einführung eines bundesweiten Durchschnitts des Personalschlüssels einschließlich des Hortes plädiert die Fachberaterin des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, Sabine Vogt. "Damit stoppen wir zugleich die Abwanderung unseres ausgebildeten Fachpersonals", erklärt sie. Offizielle Vertreter der Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster nahmen am offenen Disput, wie Kindertagesbetreuung im Land besser gemacht werden kann, zum Bedauern des Bildungsministers Günter Baaske (SPD) am Freitag nicht teil. Die Baustelle der Finanzierungsproblematik beackerte er deshalb mit den Vertretern der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Klettwitz allein. Ihnen unterbreitete er, dass das Land bereit sei, das Geld ohne Umweg über die Landkreise an die Kommunen zu geben, die es wiederum an die Kita-Betreiber auszahlen. Für die nächsten fünf Jahre stehen dafür 75 Millionen Euro im Haushalt bereit. Mit einem Umrechnungsfaktor solle die soziale Struktur vor Ort berücksichtigt werden. "So eine Regelung zwischen dem Land und den Kommunen sollten wir hinbekommen", sagte der Minister und regte einen Gedankenaustausch an.

Weitere Schlaglichter auf der Regionalkonferenz waren die generelle Beitragsfreiheit in Kitas sowie das Spannungsfeld zwischen Öffnungs- und Betreuungszeiten.

Zum Thema:
Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz gibt es 82 Kindertagesstätten. 39 davon sind in freier Trägerschaft, 43 in kommunaler. Im Landkreis sind rund 700 Erzieherinnen und Erzieher in der Regel teilzeitbeschäftigt (525 Vollzeitstellen). Knapp 60 Prozent der unter Dreijährigen besuchen eine Krippe. Im Kindergartenalter liegt der Betreuungsgrad bei 95,1 Prozent, bei Hortkindern bei 59,3 Prozent.