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Kirchturm steht wieder sicher

Einer für alle, alle für einen. Treffender kann nicht beschrieben werden, was das kleine Ruhland in den vergangenen zwei Jahren rund um die Sanierung des Kirchturms erlebte. Drohte das Wahrzeichen des Kleinstädtchens langsam umzukippen, konnte es schließlich nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung und Spendenbereitschaft der Bewohner saniert und gerettet werden. Von Kornelia Noack

Immer wieder kamen neugierige Bürger bei Christina Schwedusch, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde, in den vergangenen Monaten vorbei. Fragten interessiert nach dem Zwischenstand, wollten wissen, wie es um ihren Ruhlander Kirchturm steht. Mit dem Abbau des Baugerüstes kam nun die erlösende Nachricht - das schon von Weitem sichtbare Stadt-Wahrzeichen aus dem Jahre 1768 steht wieder sicher, und auch die Glocken können wieder hell erklingen.
Bereits im Januar 2005 beschloss der Gemeindekirchenrat, die Sanierung der Risse im Bereich zwischen Turm und Kirchenschiff anzugehen. Schnell folgten die Planungen für die Arbeiten an dem Turm, der sich südwestlich in Richtung Bahnhofstraße neigte. Das Baugrundgutachten schließlich ergab, dass der Turm einst wegen des sumpfigen Untergrundes auf einem Holzrost in etwa drei Metern Tiefe gegründet wurde. Schwankungen im Grundwasserspiegel führten zur Fäulnis und letztlich Zersetzung des Holzes. Die einzige Lösung für das Ruhlander Wahrzeichen: eine Stabilisierung des Fundaments durch Einpumpen von Zement. Kostenpunkt: etwa 175 000 Euro, gefördert zu drei Vierteln vom Land, zum Teil getragen von Kirchengeldern, den Rest bilden Eigenmittel der Stadt Ruhland.
Deren Bürger traten nun auf den Plan. Mit dem Vorhaben, die Hälfte des Eigenanteils in Höhe von 20 000 Euro durch Spenden zusammenzubekommen, legten sie ein Engagement an den Tag, das seinesgleichen sucht. Viele haben ihren Beitrag gleich direkt zum Pfarramt gebracht. „Die Menschen haben sich hier an manchen Tagen die Klinke in die Hand gegeben“ , berichtet Christina Schwedusch ganz begeistert über die Hilfsbereitschaft auch außerhalb der Kirchengemeinde. Freunde und Bekannte wurden mobilisiert, zahlreiche ehemalige Ruhlander spendeten, um den Erhalt des Wahrzeichens ihrer Heimatstadt zu unterstützen. „Sogar aus Spanien hat uns eine Spende erreicht“ , freut sich die Pfarrerin. Außerdem trugen ein Benefizkonzert sowie ein Tag der offenen Tür mit verschiedenen Aktionen dazu bei, dass bereits im Oktober, also nur acht Monate nach dem Spendenaufruf, die erforderliche Summe zusammen war.
Noch im Herbst vergangenen Jahres begann die Leipziger Spezial-Firma Keller Grundbau GmbH mit dem Pumpen des Zements in das Fundament. Im Frühjahr dieses Jahres folgte die Sanierung der Risse im Turminneren, nur kurz mussten die Arbeiten aufgrund des heißen Sommers unterbrochen werden. Fast mit ein wenig Grauen erinnert sich Christina Schwedusch an die Riesenaktion, als die Bänke und der Altar komplett mit großen Planen abgedeckt werden mussten. Die Gottesdienste fanden in dieser Zeit im Gemeindehaus statt.
Seit etwa drei Wochen ist das Baugerüst nun verschwunden. Das Erntedankfest konnte bereits in der jetzt sicher stehenden Kirche begangen werden. Und die Ruhlander atmen auf, weil ihr Wahrzeichen gerettet werden konnte.

Zum Thema Festgottesdienst
 Den Abschluss der Bauarbeiten feiert die Gemeinde am kommenden Samstag, dem 12. November, um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, musikalisch unterstützt vom Kirchen- und Posaunenchor sowie dem Blockflötenkreis. Die Predigt hält Regionalbischof Dr. Hans-Wilhelm Pietz aus Görlitz.