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| 02:47 Uhr

Kinderschänder erneut verurteilt

FOTO: (46419069)
Senftenberg. Weil der vorbestrafte Pädophile Siegmar Siefel (Name geändert) zweimal gegen die vom Landgericht verhängten Maßregeln verstoßen hat, hat ihn das Amtsgericht Senftenberg zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Der Rechtsbeistand des 56-jährigen Senftenbergers legte gegen das Urteil Berufung ein. Manfred Feller

Siegmar Siefel, der aus Thüringen stammt, ist kein unbeschriebenes Blatt. Von seinen zehn Vorstrafen seit dem Jahr 1991, darunter längere Haft mit und ohne Bewährung, betreffen allein sechs den sexuellen Missbrauch von Kindern. Darunter war ein schwerer sexueller Missbrauch im Raum Hoyerswerda. Dafür lautete das Urteil drei Jahre und zwei Monate Gefängnis. Der Mann mit dem längeren grauen Haar hatte sich aber auch schon des unerlaubten Entfernens vom Unfallort, der Urkundenfälschung, des Exhibitionismus, der Sachbeschädigung und der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht. Verhandelt hatten unter anderem Gerichte in Olpe (NRW), Hoyerswerda, Cottbus und Lübben.

Diesmal wirft ihm Staatsanwältin Sylvia Hoffmann innerhalb der 2013 festgelegten fünfjährigen Führungsaufsicht zwei Maßregelverstöße vor. Denn Siegmar Siefel soll sich von Orten fernhalten, wo sich Kinder befinden. In Senftenberg wohnt er allerdings neben einer Schule.

Laut der Anklage hat sich der Mann am 15. Oktober 2015 gegen 17 Uhr im Vorraum des Senftenberger Erlebnisbades aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt trainierten dort Kinder eines Vereins.

Ein anderes Mal habe er im Dezember 2014 in der Wohnung seiner Nachbarin unbeaufsichtigten Kontakt zu Kindern im Alter von drei, vier und fünf Jahren gehabt.

Ob die Vorwürfe zutreffen, will Richter Harald Rehbein wissen. Der Angeklagte bejaht, um sich gleich danach in Widersprüche zu verstricken. Einmal behauptet er, in dem Bad einen neuen Ausweis zum Rentnerschwimmen beantragen zu wollen. Dann möchte er zu einer Justizangestellten, ohne zu wissen, warum diese sich gerade dort aufhalten sollte.

Diese Angestellte bringt er offenbar ins Spiel, weil er sie tatsächlich angetroffen hatte, wie die Frau als Zeugin vor Gericht aussagt. Denn sie trainiert Kinder. Sie habe dem ihr dienstlich bekannten Siegmar Siefel am Drehkreuz im Vorraum zur Rede gestellt. Seine Antwort: Er hätte gern einen Termin bei seiner Bewährungshelferin. Ausgerechnet in der Schwimmhalle?

Die Wahrheit sagte er hingegen hinsichtlich der drei Kinder seiner Nachbarin. Diese bestätigt als Zeugin, dass sie Siegmar Siefel darum gebeten habe, für zehn Minuten auf die drei kranken Kinder aufzupassen, weil sie ihren Sohn zur Schule bringen müsse. Die pädophile Vorgeschichte des Mannes kannte die heute 40-Jährige zu dem Zeitpunkt nicht, versichert sie. Kennengelernt habe man sich über die Nachbarin, deren Lebensgefährte der Angeklagte sei. Er habe oft geholfen, zum Beispiel beim Reparieren der Fahrräder.

Bewährungshelferin Anja Stein legt ein differenziertes Bild dar. Auf der einen Seite spreche sie regelmäßig mit dem Angeklagten. Aufgrund seines begrenzten Wortschatzes sei er aber nicht in der Lage, seine Gedanken zu äußern und auch nicht willens. Über seine Sexualität möchte er nur mit einem Mann reden und weiche aus.

Laut der behandelnden Ärztin werde er mit Antiandrogenen behandelt, die das Wirken der männlichen Sexualhormone hemmen. Sein gegenwärtiger Zustand wird so bewertet, dass er zu jener Gruppe gehört, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent wieder rückfällig werden könnte. Der 56-Jährige beziehe Hartz IV und sei verschuldet.

In ihrem Plädoyer sieht die Staatsanwältin beide Anklagen bestätigt. Sie fordert eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Dagegen plädiert sein Anwalt Christian Thieß jeweils auf Freispruch. In der Schwimmhalle sei kein Vorsatz erkennbar. Und die Kinder der Nachbarin habe er auf deren Wunsch kurz beaufsichtigt. Dies sei nicht strafbar. Das Urteil lautet, wie es von der Staatsanwaltschaft beantragt worden ist. Aufgrund der eingelegten Berufung durch den Anwalt wird nun die nächsthöhere Instanz angerufen.