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| 18:27 Uhr

Theater Neue Bühne
Mit der Maus und Wikipedia die eigene Rolle verstehen lernen

Akribisch gehen Kalila Koritnik (12), Finn Bergen (12) und Jette Lachmann (8, v. l.) vor ihrer Probe noch einmal ihre Texte durch.
Akribisch gehen Kalila Koritnik (12), Finn Bergen (12) und Jette Lachmann (8, v. l.) vor ihrer Probe noch einmal ihre Texte durch. FOTO: PETER ASWENDT / Aswendt Peter
Senftenberg. Nachdenken oder rechtes Denken? Was sind europäische Werte? Das neue Theaterstück „Europa verteidigen“ an der Neuen Bühne will Denkanstöße geben. Und Kinder sind dabei.

Wer Konstantin Küsperts Stück „Europa verteidigen“ kennt, stellt mit Verwunderung fest, dass Regisseur Dominic Friedel (Sterne über Senftenberg) statt mit fünf vorgesehenen Schauspielern das Stück mit zwei Schauspielern und zehn Kindern besetzt hat. Sie sind zwischen acht und zwölf Jahre alt und kommen aus Senftenberg und Umgebung.

Im Rangfoyer sind drei von ihnen gemeinsam mit Dramaturgin Maren Simoneit (Das Abschiedsdinner) im Gespräch. Kalila Koritnik (12) aus Brieske besucht die 6. Klasse der Georg-Heinsius-von-Mayenburg-Grundschule im Ort. „Es kamen Leute vom Theater in die Schule und haben die Sache vorgestellt“, erinnert sich die Schülerin. Da sie schon an Schüleraufführungen mitgewirkt hat, sei sie gleich Feuer und Flamme gewesen. Die schulischen Leistungen stimmten: „Ich habe nur Lieblingsfächer, außer Spanisch“, sagt die aufgeweckte Schülerin vielsagend lachend. Und so ging es mit elterlichem Segen auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Finn Bergen (12) ist in Niemtsch zu Hause. Er besucht die 7. Klasse des Friedrich-Engels-Gymnasiums in Senftenberg und ist theater-erfahren: „Ich war schon mal bei einer Aufführung des Theaters mit auf der Bühne“, bemerkt er stolz. Gleichzeitig gibt er aber zu, dass ihm gerade Französisch, was zu einem seiner dargestellten Charaktere gehört, etwas Schwierigkeiten bereite.

Eine der Jüngsten ist Jette Lachmann. Die Achtjährige besucht die 2. Klasse der Walther-Rathenau-Grundschule, gleich neben der Neuen Bühne. Sie setzt sozusagen die Laiendarstellerkarriere ihrer Mutter fort, die es schon einmal zur hinreißenden Verkörperung eines Baumes auf der Bühne in Senftenberg gebracht hat. „Ich habe viel Spaß und auch schon viel in der Schule vor der Klasse gemacht“, sagt die kleine Künstlerin begeistert und strahlt. Dass sie als Achtjährige solche Charaktere wie den Ludwig von Estorff, die Erzählerin darstellen oder im Chor mitwirken darf, scheint ihr nichts auszumachen. Auf ihr zartes Stimmchen angesprochen, gibt sie selbstsicher zurück: „Ich habe doch ein Mikrofon!“

Dass alle Kinder mehrere und auch historische Charaktere verkörpern, ist eine große Herausforderung, sagt Dramaturgin Maren Simoneit: „Wir haben mithilfe der ,Sendung mit der Maus’ und bei Wikipedia nach kindgerechten Erklärungen für historische Personen und Ausdrücke gesucht und sind fündig geworden“, beschreibt sie die Arbeit mit den Kindern. Im Durchschnitt wurde dreimal in der Woche zwei Stunden geprobt: „Manchmal war es länger“, wirft Augen rollend Finn Bergen ein. Aber alle sind sich einig, dass es einen riesigen Spaß macht und die Schule nicht darunter leidet.

Auch für die „großen“ Darsteller und das Regieteam ist die Umsetzung des Stückes eine spannende Herausforderung: „Die Texte, obwohl im selben Wortlaut, verändern sich, wenn Kinder sie sprechen“, sagt die Dramaturgin begeistert. Eine Schauspielerkarriere wollen die drei Schüler nicht unbedingt beginnen. Außer die zwölfjährige Kalila: „Spaß macht es, auf der Bühne zu stehen – vielleicht werde ich eine Schauspielerin“, sagt sie, fast wie eine kleine Diva lächelnd.

Die Begeisterung der Kinder hätte noch für zwei Stunden Gesprächsstoff gereicht, aber Maren Simoneit schaut mahnend auf die Uhr: „Es ist gleich 16 Uhr, und wir müssen noch in die Maske.“ Auch am Theater herrscht eben Disziplin, gar nicht so unähnlich dem Schulalltag. Alle Klassenkameraden oder andere Kinder, die mal sehen wollen, wie ihre Altersgenossen die Bühne erobern, können den Fünf-Euro-Tag am 9. März nutzen. Da die Vorstellungen alle in der Studiobühne stattfinden, sollte mit dem Kartenkauf nicht allzu lange gewartet werden.

(asw)