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Training
Kinder kicken sich in Hosena durch die Dynamo-Schule

Insgesamt 17 Jungen jagen in den Winterferien in der Hosenaer Sporthalle dem Ball hinterher. Zum ersten Mal gastiert dort die Dynamo-Dresden-Fußballschule.
Insgesamt 17 Jungen jagen in den Winterferien in der Hosenaer Sporthalle dem Ball hinterher. Zum ersten Mal gastiert dort die Dynamo-Dresden-Fußballschule. FOTO: Richter-Zippack
17 Jungs trainieren in den Ferien mit den Dresdner Legenden Hans-Jürgen Dörner und Thomas Benedix. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn Erwin Reschke antritt, haben seine Gegner meist das Nachsehen. Denn wenn der neunjährige Kicker von Blau-Gelb Hosena einmal lossprintet, kommt kaum einer hinterher. Dann leuchten seine pinkfarbenen Fußballschuhe nur noch von hinten. „Ich bin absoluter Dynamo-Dresden-Fan“, bekennt der Steppke. Deshalb ist für ihn die Teilnahme am ersten Fußballcamp des Zweitligisten in der Hosenaer Sporthalle Ehrensache. „Die Ausbildung ist super. Mir gefällt besonders, dass wir jeden Tag ein Spielchen machen“, begründet der Neunjährige sein Engagement. Schließlich hat er Großes vor: „Mein Traum ist es, in der ersten Mannschaft von Dynamo Dresden zu spielen.“ Immerhin hat es Erwin Reschke bereits zum Abwehrchef der E-Junioren bei seinem Heimatverein Blau-Gelb Hosena gebracht.

„Er ist ein Dauerläufer“, lobt Blau-Gelb-Trainer Andreas Picka. „Der Erwin ist einfach nicht müde zu bekommen.“ Der Grundschüler hat den Fußball bereits in seinen Genen. Schon Mutter Romy Reschke kickte in der einstigen Hosenaer Frauenmannschaft, die es heute aber nicht mehr gibt.

Unter den Augen von Dynamo-Legende Hans-Jürgen (Dixi) Dörner und Experte Thomas Benedix trainiert Erwin mit seinen Freunden unter anderem die korrekte Annahme des Balls, diverse Torschusstechniken und vieles mehr. Und natürlich, dass eine Entschuldigung beim Gegner erfolgen sollte, falls er versehentlich angerempelt wurde.

Zum ersten Mal gastiert die Dynamo-Dresden-Fußballschule in Hosena. Der Weg in den Senftenberger Stadtteil war recht kurios. Nach einer Veranstaltung in Laubusch im zurückliegenden Jahr fuhren die Verantwortlichen durch Hosena zur Autobahn in Richtung Dresden. Da die Sportanlagen von der Ortsdurchfahrt gut sichtbar sind, hielten die Fußballer dort an und waren von Halle und Platz hellauf begeistert. So wurde der Kontakt zu Blau-Gelb 1899 geknüpft.

„Nachwuchsarbeit besitzt bei uns oberste Priorität“, erklärt Hans-Joachim Dörner. Das vermittelte Wissen sollen die Jungs in ihre Vereine mitnehmen und dort anwenden“, klärt der einstige DDR-Nationalspieler auf. Keineswegs gehe es darum, Nachwuchsspieler für Dynamo abzuwerben. Den 17 Jungs in der Hosenaer Halle bescheinigt Dörner indes eine „super Einstellung“ sowie eine „klasse Disziplin“.

Während der Dynamo-Fußballschule lernen nicht nur die Kinder die hohe Schule des runden Leders, sondern auch ihre Stammtrainer. „Ich nehme von hier eine Menge für das eigene Training mit“, sagt Andreas Picka, der die Hosenaer E-Junioren unter seinen Fittichen hat; beispielsweise, wie dem Nachwuchs und vor allem den Eltern mögliche Ängste vor einem Fallrückzieher zu nehmen sind. Bei dieser Methode lassen sich die Kicker auf den Rücken fallen und schlagen den Ball quasi über ihren Kopf ins Tor.

Solche Techniken seien auch in Hosena gern gesehen, sagt Picka. Schließlich wolle seine Elf Großes erreichen. Die Jungs haben nämlich die Qualifikation für die Meisterrunde geschafft. Der E-Junioren-Meister werde indes bis zum Frühsommer ausgespielt. Und wer weiß, vielleicht haben die Blau-Gelben dabei ein Wörtchen mitzureden.

Der Hosenaer Sportverein zählt nach Angaben des Vorsitzenden Klaus Schmaler derzeit 154 Mitglieder, darunter 70 Fußballer. Von diesen seien 45 unter 18 Jahren. Die erste Männermannschaft dümpelt derzeit in der ersten Kreisklasse vor sich hin. Der Aufstieg in die Kreisliga sei aktuell illusorisch, so Schmaler. Bereits seit Jahren kooperiert der Hosenaer Nachwuchs mit den Vereinen aus Hohenbocka und Peickwitz.

Respekt vor den großen Dynamo-Namen haben die Kinder während des Fußballcamps indes kaum. Die Steppkes kannten zuvor Stars wie Hans-Jürgen Dörner nicht wirklich. Beispielsweise der Hosenaer F-Junioren-Torwart Adrian Kleiner: „Mein Papa hat mich beauftragt, ein Autogramm von Herrn Dörner zu besorgen“, erklärt der Siebenjährige.

Diesen Wunsch erfüllt ihm der fünfmalige Fußballmeister, vierfache Pokalsieger und Fußball-Olympiasieger von 1976 auch prompt.