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| 02:54 Uhr

Keine Gnade für Wiederholungstäter

Senftenberg. Der vielfach vorbestrafte und bereits inhaftierte Oswin Ocker (Name geändert) aus Senftenberg ist ein notorischer Kleinkrimineller. Er hat anscheinend bisher nichts aus seiner Vergangenheit gelernt und pfeift selbst auf die Bewährungszeit. Auch deshalb wurde er jetzt vor dem Amtsgericht Senftenberg für das Fahren ohne Führerschein sowie wegen eines versuchten und eines vollendeten Diebstahls knallhart zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Manfred Feller

So unschuldig wie der nicht sehr groß gewachsene Mann mit Igelschnitt und Bart auf der Anklagebank guckt und sitzt, ist er nicht. Der 52-jährige ehemalige Ortrander Oswin Ocker hat in seinem kriminellen Leben schon viele Polizeibeamte und Richter beschäftigt. Seit den 90er-Jahren haben sich im Bundeszentralregister nicht weniger als 22 Einträge angesammelt. Die Bandbreite reicht von Trunkenheit im Straßenverkehr, Fahren ohne Führerschein über das unerlaubte Entfernen vom Unfallort bis hin zu gewerbsmäßigem Diebstahl, Diebstahl und Urkundenfälschung.

Teilweise wurden die genannten Taten mehrfach und sogar in Österreich begangen. Der arbeitslose Oswin Ocker wurde einige Male verurteilt, erhielt Bewährung, aber auch Haftstrafen.

Vor Gericht steht er diesmal wegen mehrerer Delikte. In den Jahren 2012 und 2013 soll er auf dem Friedhof in Ruhland einen Pkw aufgebrochen und mit den vorgefundenen Schlüsseln in zwei Ortrander Wohnungen eingestiegen sein. Außerdem ist er während einer Pkw-Fahrt nach Plessa ohne Führerschein und schließlich bei einem Handydiebstahl erwischt worden.

Oswin Ocker, der einen ruhigen und gefassten Eindruck macht, äußert sich zwar zu den Vorwürfen, könne sich aber kaum an seine Vergehen erinnern. Er hatte vor den Taten Alkohol getrunken. Während eines einwöchigen Entzugs im Vorjahr am Klinikum in Senftenberg habe ihm die Psychologin gesagt, dass er ein Quartals- und Stresssäufer sei. Er gibt zu, dass die ihm zur Last gelegten Taten nicht fernliegend seien, gesteht jedoch nur die Fahrt ohne Führerschein am 23. Februar 2013 ein. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wird während der mehrstündigen Verhandlung mehr als ein Dutzend Zeugen gehört.

Diebstahl aus der Jacke

Am 2. Januar 2013 wurde Oswin Ocker von einem Bowlinggast im Tiroler Stadl in Senftenberg dabei erwischt, wie er aus einem Stapel übereinandergelegter Jacken ein Handy entwendet hatte. Er wurde von Besuchern der Polizei übergeben.

Auch andere Gäste überprüften daraufhin ihre Jacken. Eine 42-jährige Frau stellte fest, dass ihre Geldbörse verschwunden war. Darin befanden sich mehrere Hundert Euro, mit denen sie den Abend mit Familie und Freunden bezahlen wollte. Das bei dem seinerzeitigen Tatverdächtigen gefundene Geld in der von der Geschädigten angegebenen Stückelung habe diese bis heute nicht zurückbekommen. Das Problem: Keiner hat den Verdächtigen bei diesem Diebstahl gesehen. Gegenüber der Polizei habe der 52-Jährige jedoch widersprüchliche Aussagen zur Herkunft der Scheine gemacht. Vom Kellner erfuhren die Gäste, dass Oswin Ocker oft dort, bisher jedoch nicht auffällig gewesen sei.

Ein weiterer Fall: Obwohl der Senftenberger am 17. November 2012 an zwei Tatorten erkannt worden war, konnte ihm vor Gericht nichts nachgewiesen werden. Im Bereich des Friedhofes Ruhland wurde er von einem Gewerbetreibenden gesehen, wie er dessen Pkw in Augenschein genommen hatte. Beide kennen sich. Bei der Rückkehr des Autobesitzers etwa zehn Minuten später war eine Seitenscheibe eingeschlagen und eine Handtasche mit Bargeld, Handys, Kamera und Schlüsseln weg.

Der Geschädigte ahnte, was dann kommen sollte. Er rief seinen Vater in Ortrand an, damit dieser in seiner Wohnung nach dem Rechten schaut. Zeugen sagen vor Gericht aus, dass sie den Angeklagten an dem Ortrander Wohn- und Geschäftshaus, auf dem Grundstück beziehungsweise auf der Straße vor dem Tatort gesehen haben. Doch die Aussagen erscheinen dem Staatsanwalt, dem Richter und dem Anwalt zu vage, obwohl die Zeugen den Angeklagten bei einer Fotogegenüberstellung der Polizei wiedererkannt haben wollen.

Aus der Wohnung des Gewerbetreibenden verschwindet augenscheinlich nichts. Dafür aus jener der Nachbarin. Sie vermisst bis heute Bargeld, zwei Ringe und drei Halsketten.

Von Freispruch bis Knast

Weil Oswin Ocker aus all den Vorwürfen nur der Handydiebstahl und die nicht eingehaltene Bewährungszeit wegen Fahrens ohne Führerschein nachgewiesen werden kann, beantragt der Staatsanwalt eine Haftstrafe von elf Monaten ohne Bewährung.

Rechtsanwalt Enrico Stahn führt für seinen Mandanten unter anderem ins Feld, dass dessen letzte Verurteilung im Jahr 2011 doch schon eine Weile zurückliegt. Er beantragt für den verheirateten Vater zweier kleiner Kinder mutig Freispruch.

Das sieht Strafrichter Harald Rehbein anders: Fahren ohne Führerschein sieben Monate, versuchter Diebstahl (Handy) fünf Monate und vollendeter Diebstahl (Geldbörse im Stadl) sechs Monate, jeweils Freiheitsentzug. Die Gesamtstrafe wird nicht addiert, sondern die höchste Freiheitsstrafe "angemessen erhöht". Das macht ein Jahr und zwei Monate Knast ohne Bewährung. Berufung ist möglich.