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Kein Pardon mehr für einen Laubeneinbrecher

Die Staastanwaltschaft Görlitz veröffentlicht neue Erkenntnisse im Verfahren gegen den Beschuldigten S.
Die Staastanwaltschaft Görlitz veröffentlicht neue Erkenntnisse im Verfahren gegen den Beschuldigten S. FOTO: creationc
Senftenberg. Diesmal kennt das Schöffengericht Senftenberg keine Gnade. Ein erst am 13. November 2014 verurteilter Lauben-Serieneinbrecher hat seine Bewährungszeit nicht genutzt. Schon Tage später war er wieder eingestiegen. Für die neuen Straftaten darf er elf Monate ins Gefängnis einziehen.

Bei seinem Prozess im November war Christopher H. direkt aus der Haft in Handschellen in den Saal 115 des Amtsgerichtes Senftenberg vorgeführt worden und als freier Mann, jedoch mit Auflagen, gegangen.

Richter und Schöffen gaben dem mehrfach vorbestraften Drogenkonsumenten eine letzte Chance. Für nachgewiesene 16 Einbruchsdiebstähle und einen Versuch, vornehmlich in Gartenlauben im Raum Senftenberg, wurde der 26-jährige ehemalige Annahütter ohne festen Wohnsitz zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Die Bewährungszeit betrug drei Jahre.

Doch der vor Gericht sehr zurückhaltend auftretende junge Mann mit dem Igelschnitt und in wenig modischer Zivilkleidung hat nicht lange durchgehalten. Laut der Anklage von Staatsanwalt Frank Schöning hat der Laubenknacker bereits am 24. November, nur elf Tage nach der Verhandlung, wieder zugeschlagen. Zur Last gelegt werden ihm drei Einbrüche beziehungsweise ein Versuch in die Gartensparten "Glückauf", "Seeblick", "Morgenrot" und "Franz Mehring" in Senftenberg und Brieske. Dabei entwendete er vornehmlich Dinge für seinen Lebensunterhalt, so auch Getränke.

Zusätzlich wurde er am 28. Dezember in der Wilhelm-Pieck-Straße in Senftenberg mit insgesamt 7,52 Gramm eines Amphetamins erwischt. Diese Straftat wurde jedoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft mit Blick auf den Einbruchsprozess vorläufig eingestellt.

Mit Drogen erwischt

Offensichtlich hatte Christopher H. bei der Verhandlung Mitte November gelogen. Schöffenrichter Harald Rehbein, der insbesondere die zerstörerische Droge Crystal Meth immer wieder anprangert, hatte den Angeklagten gefragt, ob er seine Sucht überwunden habe. "Ich denke schon", hatte dieser geantwortet, wonach er nichts mehr nehme, jedoch ein Therapieangebot ablehne. Wochen später wird er jedoch mit dem synthetischen Teufelszeug erwischt. Auch dieses Mal behauptet er vor Gericht, keine Drogen mehr zu nehmen.

Nach dem Bewährungsfreispruch im November wollte sich der junge Mann mit Unterstützung eines Sozialarbeiters eine Wohnung in Cottbus suchen und neu durchstarten. Stattdessen kehrte er nach Senftenberg zurück. Dort scheiterte die Wohnungssuche. Zeitweise sei er in der Obdachlosenunterkunft untergekommen und habe nichts zu essen gehabt - obwohl er gleich nach der Freilassung Hartz IV beantragt hatte, wie er sagt. Sporadischen familiären Kontakt habe es lediglich zu seiner Mutter gegeben, die ihm auch Päckchen in die Justizvollzugsanstalt geschickt habe.

Jetzt geht es wieder dorthin. Staatsanwalt Frank Schöning möchte den unverbesserlichen Wiederholungstäter ein Jahr dort sehen. Pflichtverteidigerin Ute Schneider hält zehn Monate für angemessen. Ihr Mandant sei zwar schnell wieder straffällig geworden, habe bei seinen Einbrüchen aber weder Verwüstungen angerichtet noch hochwertige Güter gestohlen, sondern vornehmlich Lebensmittel. Hilfe habe er nicht angenommen.

Ab ins Gefängnis

Auch Schöffenrichter Harald Rehbein sieht in Christopher H. keinen typischen Beschaffungskriminellen. Dennoch: Ein Denkzettel für den Rückfälligen muss sein. Der Mann wird zu elf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Die seit Ende Dezember andauernde Untersuchungshaft wird angerechnet.

Wenn das jetzige Urteil rechtskräftig wird, dann ist zu erwarten, dass die Staatsanwaltschaft der dreijährigen Bewährungszeit aus der Vorstrafe vom November 2014 (ein Jahr und acht Monate Freiheitsentzug) widerspricht. Diese Haftstrafe käme dann noch hinzu.

Christopher H. hinterlässt im Gericht den Eindruck, dass er in Freiheit durch ein (gesetzlich nicht gedecktes und von ihm auch nicht gewolltes) konsequentes An-die-Hand-Nehmen auf den rechten Weg zu bringen wäre. Bei einem Einbruch in eine Gartenlaube soll sich der zweifache Lehrabbrecher gegenüber der Besitzerin, die ihn ertappt hatte, sogar entschuldigt haben.

Manfred Feller