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| 14:57 Uhr

Die Not mit dem Geschäft in Ruhland
Kein Geld für Bahnhofsklo beim 70-Millionen-Projekt

Die künstlerische Gestaltung des Personentunnels ist ein Hingucker im neuen Bahnhof. Nur eine Toilette suchen die Reisenden vergeblich.
Die künstlerische Gestaltung des Personentunnels ist ein Hingucker im neuen Bahnhof. Nur eine Toilette suchen die Reisenden vergeblich. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Ruhland. Der Ruhlander Bahnhof wird zu einem leistungsfähigen Knoten umgebaut - öffentliche Toiletten gehören nicht dazu. Von Andrea Budich

Pipi-Alarm am Ruhlander Bahnhof. Die Not mit dem Geschäft ist den 1000 Reisenden, die täglich den Bahnhof in der Elsterstadt frequentieren, seit Jahren bekannt. Öffentliche Toiletten hat es auf dem über Jahrzehnte runtergewirtschafteten Bahnhof schon lange keine mehr gegeben. Dafür roch es im Durchgang zu den Bahnsteigen und auf den Rabatten am Zugang streng nach Urin.

Unter Druck stehen die Reisenden immer noch - obwohl seit knapp drei Jahren die grundhafte Erneuerung des Bahnhofes läuft. Mit dem 70-Millionen-Projekt wird nicht nur der Personennahverkehr in Ruhland zwischen Cottbus und Dresden sowie Hoyerswerda und Leipzig verbessert. Gestärkt werden soll ebenso die leistungsfähige Anbindung der Region an den internationalen Schienengüterverkehr. Mit den vielen Millionen wurden die Bahnsteige verlängert, ein Personentunnel und zwei neue Aufzüge gebaut. Die Bahnsteige sind barrierefrei erreichbar. Dazu kommen neue Weichen, Gleise und ein neuer Oberbau Das neue elektronische Stellwerk ist das Sahnehäubchen.

Was die Reisenden beim Um- und Ausstieg oder beim Warten auf den Anschlusszug aber nach wie vor vergeblich suchen, ist ein öffentliches WC. „Das ist in erster Linie eine kommunale Aufgabe“, erklärt Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost. Öffentliche Toiletten in kleineren Bahnhöfen vorzuhalten, sei nicht Aufgabe der Deutschen Bahn. Im Einzelfall werde geprüft, ob ein Betrieb von Toiletten durch Dritte in einem Nahverkehrsbahnhof unterstützt werde.

Das anrüchige Klo-Problem hängt auch Ruhlands Stadtvätern in der Nase. Ruhland stemmt mit der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes für knapp zweieinhalb Millionen Euro ein Mammutprojekt. Der Bau eines Toilettenhauses gehört nicht dazu. Amtsdirektor Roland Adler verweist darauf, dass die Bahn das Bahnhofsempfangsgebäude an eine Privatperson verkauft habe. Bau und Unterhalt eines separaten WC-Häuschens könne die Stadt Ruhland finanziell nicht auch noch stemmen.